Weihnachtswissen/Datum
Warum wird der Geburtstag Jesu am 25.12. gefeiert, obwohl in der Bibel kein Datum genannt wird?
Von Sabine Häcker / für Jhg. 8-11 / Zeit: 45-60 Minuten
Frage der Stunde
In der Bibel steht nicht geschrieben, wann Jesus geboren wurde - wie kam die Kirche auf den 25. Dezember?
Text lesen/hören: Warum wurde der Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember gelegt?
Text besprechen
- Warum waren die Winter früher im Erleben der Menschen dunkler als heute?
- Wieso spielte die Sonne solch eine besondere Rolle?
- Die römischen Herrscher rückten den Sonnengott in Zentrum und hofften, damit das Römische Reich religiös und politisch einen zu können. Welche Maßnahme unternahm in den 270er Jahren Kaiser Aurelius und welche Kaiser Konstantin I. im Jahr 321?
- Warum heißt bei uns der siebte Tag in der Woche Sonntag?
- Die Juden machten bei der Einführung des Sonntags nicht mit. Warum nicht?[4]
- Warum inszenierte der Kaiser sich als Vertreter des Sonnengottes Sol Invictus?
- Wie muss man sich die christliche Kirche damals vorstellen? War sie bereits eine machtvolle Institution?
- Warum war es ein strategisch geschickter Schachzug des römischen Papstes, den Geburtstag Jesu auf den Geburtstag des Sonnengottes zu legen?
- Weshalb verursachte die Westkirche durch diese Datumswahl einen Streit mit der Ostkirche? (Info: Die Kirche hatte damals zwei Zentren: Die Westkirche mit Sitz in Rom und Latein als Sprache sowie die Ostkirche mit Sitz in Konstantinopel (zuvor Byzanz, heute Istanbul) und Griechisch als Sprache.)
- Wie wurde die Geburt Jesu damals gefeiert? War die Gestaltung des kirchlichen Feiertags mit dem vergleichbar, was wir heute unter Weihnachten verstehen?[5]
- ...
Rollenspiel
- Im 4. Jahrhundert war lange überlegt worden, ob der Geburtstag Jesu im Kirchenjahr ein besondere Rolle spielen soll oder nicht - und falls ja, wann. Sammelt zuerst Argumente für und gegen einen kirchlichen Feiertag sowie für und gegen den Termin am 25.12. Spielt dann ein Rollenspiel: Papst Liberius, der für diesen Termin ist, diskutiert mit dem Kirchenlehrer Origenes, der dagegen ist. (Wer sich am Ende durchsetzt, wisst ihr ja schon.)
Zusammenfassung
- Warum hat die Kirche in Rom Jesu Geburtstag auf den 25. Dezember gelegt? -> Erstelle einen Quiz mit deinem neuen Wissen - damit kannst du deine Eltern, Mitschüler/innen oder Lehrer/innen testen! Gehe auf https://learningapps.org und such dir ein Quizformat aus.
Zum Weiterlesen/-hören: Wie löste die Kirche den Interessenskonflikt um den strategisch günstigsten Termin?[6]
Der Konflikt zwischen der Westkirche in Rom und der Ostkirche in Konstantinopel zog sich über mehrere Jahrzehnte hin. Die Überlegungen zum Geburtstagsdatum waren von unterschiedlichen Interessen bestimmt und unvereinbar. Wie der Streit beigelegt wurde, kannst du hier erfahren:
- im Buch Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! S. 51 f.
- im Hörbuch ab 1:07:36 (Dauer: 3 min)Zum Weiterlesen/-hören: Wieso feiern manche orthodoxe Christen Weihnachten am 7. Januar?
Das erfährst du hier:
- im Buch Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! S. 55-57
- im Hörbuch ab 1:10:43 (Dauer: 5 min)
- oder in diesem Unterrichtsmaterial: https://unterrichten.zum.de/wiki/Weihnachtswissen/Datum/orthodoxHinweise für Lehrer/innen
Warum sagt man im Genitiv Jesu Geburt und nicht Jesus' Geburt ?
Das geht auf die lateinische Kasusendung zurück, die sich gehalten hat: Im NOMINATIV heißt es Jesus Christus, im GENITIV Jesu Christi.
Zum Text
Ende Dezember haben die Menschen schon immer gefeiert, und zwar das Ende des bäuerlichen Arbeitsjahres (welches ebenso das Ende des Kalenderjahres ist) und dass nach der Wintersonnenwende die Tage wieder länger wurden.[7] Im Alten Rom wurde der Sonnengott Sol Invictus verehrt. Sol invictus wurde bereits unter Kaiser Eleagabal (gest. 222 n. Chr.) verehrt, geriet aber nach dessen Tod zunächst in Vergessenheit und kam ein halbes Jahrhundert später unter Kaiser Aurelian wieder zu Ehren. Dieser stiftete im Jahr 274 einen Tempel zu Ehren des Sonnengottes. Mit Bezug auf die Wintersonnenwende galt der 25. Dezember als Geburtstag des Sonnengottes. Diese Hinwendung zum Sonnengott war ein Versuch, dem Römischen Reich wieder stärker eine religiöse und politische Einheit zu geben. Teil dieses Versuchs war die Identifikation des Kaisers als irdischer Repräsentant des Sonnengottes. Die Opfer, die dem Sonnengott, der auch Schutzgott des Reiches war, dargebracht wurden, galten gleichzeitig als dem Kaiser dargebracht."[8] Als Papst Liberius (im Amt von 352 bis 366) nach einem Datum suchte, um Jesu Geburt im Kirchenkalender zu verankern, legte er ihn auf diesen römischen Feiertag. Noch 100 Jahre später hatte die Kirche damit zu kämpfen, dass die Gläubigen die Sonne feierten statt Jesu Geburt. Es ist eine Predigt von Kirchenvater Augustinus aus dem 5. Jahrhundert überliefert, in der er mahnt: "Brüder, lasst uns diesen Tag feierlich begehen, nicht wegen der Sonne wie die Ungläubigen, sondern wegen dem, der die Sonne erschaffen hat."[9] Dass die Wintersonnenwende und Weihnachten heute nicht mehr auf dem gleichen Tag liegen, liegt an Kalenderungenauigkeiten und -verschiebungen.
Die Wahl des Sol-invictus-Tages für den Geburtstag Jesu war strategisch sehr klug gewählt. Noch 50 Jahre zuvor hatte es unter Kaiser Diokletian wüste Christenverfolgungen gegeben. Im Jahr 313 wurde in Mailand das Toleranzedikt erlassen, das den Christen Kultusfreiheit gewährte. Sich mit der Staatsmacht gut zu stellen, war folglich überlebensnotwendig und kirchenpolitisch vorteilhaft. Und der Plan ging auf: Ab 380 wurde das Christentum schrittweise zur alleinigen Staatsreligion. Binnen weniger Jahrzehnte wurde aus der verfolgten Minderheit eine priviligierte Mehrheit und die Religion des Reiches.[10]
Es gibt noch eine andere Erklärung für den Termin am 25. Dezember, die sog. Berechnungsthese. Sie ist in Deutschland allerdings nicht sehr verbreitet. Karl-Heinz Göttert stellt die beiden Erklärungen so in Bezug: "Man entschied sich für den 25. Dezember und rechtfertigte den Termin dann durch Rechnen."[11] Für Interessierte stelle ich sie in den Anmerkungen vor.[12] Die Armenische Kirche feiert übrigens nicht am 25. Dezember, sondern am 6. Januar, und zwar Weihnachten mit der Erscheinung Christi und zugleich die Taufe Christi.[13]
Zwischen der Ost- und der Westkirche gab es immer wieder Interessenskonflikte und Machtkämpfe. Im Jahr 1054 kam es zur endgültigen Spaltung in eine West- und eine Ostkirche. Aus der Ostkirche entstanden die orthodoxen Patriarchate. (Und in der Westkirche kam es mit der Reformation im 16. Jahrhundert zu einer Spaltung in die katholische und die protestantischen Konfessionen.)
Warum wird Weihnachten eigentlich bereits am Heiligabend gefeiert, also am Abend vor dem 25. Dezember? Das liegt daran, dass in der Antike ein Tag nicht von Mitternacht bis Mitternacht, sondern von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang gerechnet wurde. Die Gottesdienste, die die Geburt Jesu feierten, fanden deshalb seit jeher am Abend bzw. in der Nacht vor dem 25. Dezember statt (und am Morgen und ggfs. Nachmittag des 25.12. gab es weitere).[14]
Zum Rollenspiel
Liberius und Origenes haben sich vermutlich nicht kennenglernt, weil Origenes etwas früher lebte. Beide sind aber historische Personen. Liberius war von 352-366 Bischof von Rom (= Papst). Origenes war einer der bedeutensten Kirchenlehrer im 3. Jahrhundert. Er war in Alexandrien (Ägypten) geboren und nach Rom gegangen. Origenes protestierte gegen die Idee, Jesu Geburtstag zu feiern, mit dem Argument, dass das nur die Heiden täten. Dabei bezog er sich auf den römischen Kaiser, der seinen Geburtstag immer sehr prunkvoll beging. Augustus hatte damit begonnen, sein Geburtstag fiel auf den 23. September, und wurde nicht nur mit Prozessionen durch Rom, Staatsopfer und Spielen für das Volk begangen, sondern auch zum nationalen Feiertag erklärt. Auch der 1000-jährige Geburtstag der Stadt Rom im Jahr 248 wurde trotz leerer Staatskassen sehr aufwändig begangen. Und ebenso pflegte das römische Volk den Brauch des Geburtstages - den die frühen Christen verachtet hatten. Wenn sie Heilige mit Festen ehrten, taten sie das nie an deren Geburtstag, sondern am Todestag.[15]
Argumente dafür können sein: Es scheint nur folgerichtig, am Geburtstag des Sonnengottes auch den Geburtstag Christi zu feiern und kann seine Bedeutung betonen. / Ein Gedenktag ist eine gute Werbung und macht das Christentum bekannt. / Die Römer haben viele Feiertage und das sollte auch das Christentum haben, um attraktiv zu sein. / Jesu Geburtstag auf den Tag des Sol Invictus zu legen, ist praktisch: Wer sich zum Christentum bekennen will, braucht sich nicht umzugewöhnen. Und es integriert das Christentum in die römische Kultur und macht es beliebt. / Zur Wintersonnenwende wird gefeiert, dass die Sonne und damit das Licht wiederkommt - auch Christus nannte sich "das Licht der Welt". / Außerdem wird der Kaiser es den Christen zu Gute halten, wenn sie sich dem bestehenden Feiertag von Sol Invictus anschließen und keinen neuen Tag benennen - und dass der Kaiser ihnen wohlgesonnen ist, können die Christen gut brauchen (schließlich wurde ihre Religion bis 313 noch verfolgt).
Argumente dagegen können sein: Geburtstag zu feiern, ist eine eine Erfindung von nicht-christlichen Römern und deshalb eine heidnische Tradition. / Eine Religion braucht keine Werbung. / In der Bibel wird kein Datum genannt, deshalb kann es kein Datum geben. / Vielleicht wollte Gott nicht, dass der Geburtstag gefeiert wird, denn sonst hätte er ein Datum genannt? / Jesus hat mit Sol Invictus nichts zu tun, das Volk wird die beiden verwechseln - Jesus sollte ggfs. lieber einen eigenen Tag haben. / Vielleicht ist es ketzerisch, den Geburtstag von Jesus auf den Tag des Sol Invictus zu legen?
Diese Argumente sind größtenteils fiktiv. Das ZIEL des Rollenspiels ist es, dass die Schüler/innen nachvollziehen, dass auch religiöse bzw. kirchliche Traditionen Entscheidungen nach Aushandlungsprozessen mit manchmal sehr profanen Interessen zu Stande kommen.
Literatur
- Häcker, Sabine: Wie wurde Weihnachten erfunden? - Die Bibel, die Kirche und der Geburtstag. 2025.[17]
- Häcker, Sabine: Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! 2026.[18]
- Förster, Hans: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003.
- Göttert, Karl-Heinz: Weihnachten. Biografie eines Festes. 2020.
- Freistetter, Florian: Podcast Sternengeschichten (Folge 474): Weihnachten und die Wintersonnenwende (Dauer: 11 min).
- Freistetter: Florian: Podcast Sternengeschichten (Folge 369): Weihnachten und andere Feste (Dauer: 11 min)
- Freistetter, Florian: Podcast Sternengeschichten (Folge 5): Sternzeit (Dauer: 10 min). Es wird erläutert, wie die Sterne genutzt werden, um die Zeit zu messen, und wie kompliziert das ist.
Weitere UNTERRICHTSMATERIALIEN zu Weihnachten (kultur- religions- und zeitgeschichtlich) von Sabine Häcker: Weihnachtswissen
Weitere Materialien und Veröffentlichungen von Sabine Häcker zu verschiedenene Themen: Sabine Häcker
Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache: Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!
Anmerkungen
- ↑ Vgl. Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 118.
- ↑ Das Buch ist im gedruckten Format für 7,99 und als E-Book für 3,49 Euro erhältlich. https://buchshop.bod.de/warum-die-weihnachtsgeschichten-uns-lehren-dass-die-bibel-nicht-wortwoertlich-zu-nehmen-ist-sabine-haecker-9783695745876
- ↑ Das Hörbuch Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! wird ab August 2026 bei allen bekannten Streamingdiensten zu finden sein.
- ↑ Die theologische Grundlage für die jeweiligen Auffassungen ist die Bibel. In 2. Mose (Exodus) 20, 8-10 steht: "Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat (= Ruhetag) dem HERRN, deinem Gott: Du sollst keine Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und dein Gast." Darüber, wie das konkret zu verstehen ist, gingen schon in biblischen Zeiten die Meinungen auseinander. Jesus interpretierte das Arbeitsverbot nicht dogmatisch, sondern pragmatisch. In Markus 2, 23-28 ist zu lesen: "An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. Da sagten die Pharisäer (= aus der jüdischen Strömung der Pharisäer ging das rabbinische Judentum hervor; vgl. Häcker, 2026, S. 25 ff.) zu ihm: 'Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt.' Er antwortete: 'Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten, wie er zur Zeit des Hohepriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab?' Und Jesus sagte zu ihnen: 'Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.' (...)" Weil Jesus viele Gesetze der alten Schriften (des Alten Testaments) pragmatisch interpretierte, haben sie im Christentum einen anderen, geringeren Stellenwert als im Judentum. Es gibt ultrorthodoxe Juden, die schon das Betätigen eines Lichtschalters als Verstoß gegen die Sabbatruhe interpretieren.
- ↑ Wann die familiäre Weihnachtsfeier mit den Geschenken und dem Weihnachtsbaum entstand, kannst du in dem Büchlein von Sabine Häcker Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist. auf S. 71-73 nachlesen (oder im Horbuch bei 1:33:45 (Dauer: 3 min) finden).
- ↑ In diesem Kapitel erfährst du auch, warum es nach Weihnachten Ferien gibt. (Denn man kann sich fragen, warum es nicht vor Weihnachten Ferien gibt. Mann kann sich auch fragen, warum die nachweihnachtlichen Ferien in allen Bundesländern gleich sind, während es zu Ostern in manchen Bundesländern vor und in anderen nach Ostern Ferien gibt. Spoiler: Der Grund ist überraschend!)
- ↑ Vgl. Sabine Häcker: Wem gehört Weihnachten? Brauchtum, Glaube und Politik. 2025, S. 16 ff. -> "Warum wurde Weihnachten das größte Fest im Jahreslauf?" Das Kapitel kann in der Leseprobe gelesen werden: https://shop.tredition.com/booktitle/Wem_geh%3frt_Weihnachten/W-926-650-183 (Auf "reinlesen" klicken!)
- ↑ Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 118f.
- ↑ Vgl. Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 120.
- ↑ Vgl. Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 110.
- ↑ Karl-HeinzGöttert: Weihnachten. Biografie eines Festes. 2020, S. 72.
- ↑ Die Berechnungsthese geht auf eine Predigt von Johannes Chrysostomos zurück, die der gewiefte Rhethoriker in den 380er Jahren in Antiochien gehalten hat, um die Gläubigen von dem 25. Dezember (statt des 6. Januars) als Datum der Geburt Jesu zu überzeugen. Seine Argumentation geht so: Die Berechnung des Geburtstermins Jesu orientiert sich an der Schwangerschaft von Elisabeth, der Mutter von Johannes. Das Neue Testament besagt, dass Elisabeth im sechsten Monat schwanger war, als Maria empfing (vgl. Luk 1). Da bei Elisabeth nicht von einer Jungfrauengeburt die Rede ist, schlussfolgert Chrysostomos, dass Johannes gezeugt wurde, als dem Vater Zacharias von einem Engel die Geburt verkündet wurde. Diese Verkündung müsse in dem Teil des Tempels stattgefunden haben, der das Allerheiligste hieß und in den ein Hohepriester nur einmal im Jahr gehen durfte, und zwar am Versöhnungstag fünf Tage vor dem Laubhüttenfest. So berechnete Chrysostomos den Zeitpunkt der Zeugung von Johannes und davon ausgehend, dass die Empfängnis Marias am 25. März stattfand – die dann neun Monate später zu der Geburt Jesu am 25. Dezember geführt habe. Allerdings hat, so Hans Förster, Chrysostomos’ Berechnung zwei Haken: Es steht weder geschrieben, dass die Verkündung durch den Engel im Allerheiligsten stattgefunden habe, noch dass Zacharias ein Hohepriester gewesen sei. Vermutlich war er ein gewöhnlicher Priester aus dem Stamm Levi und die durften das Allerheiligste nicht betreten. Der Kirchenhistoriker Hans Förster bewertet die Berechnungsthese als ein rhetorisches Meisterstück von Chrysostomos, aber nicht als plausibel.
- ↑ Vgl. Armenisch Apostolische Kirche, Diözese der Schweiz: Weihnachten bei den Armeniern. In: https://www.armenische-kirche.ch/weihnachten-bei-den-armeniern/ (zuletzt 09.10.2025). Der Armenier Ananias von Shirak, der im 7. Jahrhundert wirkte, nutze die Berechnungsthese, um für den 6. Januar als Geburtstermin zu argumentieren: Schließlich hätte Zacharias erst noch zwei Wochen Dienst im Tempel leisten müssen, bevor er zu Elisabeth in das Gebirge einer Stadt in Juda (Luk 1, 39) gehen konnte, was seiner Meinung nach bedeute, dass die Zeugung des Johannes’ zwei Wochen später stattfand, also auch Maria erst zwei Wochen später (am 6. April) empfing und folglich Jesus am 6. Januar gebar (vgl. Hans Förster: Weihnachten – eine Spurensuche. 2003, S. 10 ff.).
- ↑ Dass es in der Nacht vor Weihnachten so viele Gottesdienste gab, hatte auch mit einem altüberlieferten Aberglauben zu tun. Vgl. Sabine Häcker: Wem gehört Weihnachten? Brauchtum, Glaube und Politik. 2025, S. 47 f.
- ↑ Vgl. Karl-Heinz Göttert: Weihnachten. Biografie eines Festes. 2020, S. 56.
- ↑ Die Autorin Sabine Häcker ist Fachleiterin für Bildungswissenschaften am Landesinstitut für Schule in Bremen.
- ↑ https://shop.tredition.com/search/U2FiaW5lIEjDpGNrZXI=
- ↑ https://buchshop.bod.de/warum-die-weihnachtsgeschichten-uns-lehren-dass-die-bibel-nicht-wortwoertlich-zu-nehmen-ist-sabine-haecker-9783695745876

