Weihnachtswissen/Datum
Warum wird der Geburtstag Jesu am 25.12. gefeiert, obwohl in der Bibel kein Datum genannt wird? (für Jhg. 8-11)
Autorin: Sabine Häcker / Benötigte Zeit: 45-60 Minuten
Frage der Stunde
In der Bibel wird nicht gesagt, wann Jesus geboren wurde. Wie kam die Kirche auf den 25. Dezember?
Text: Warum wurde der Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember gelegt?
Lies oder hör den Text:
- im Buch S. 48-51 (Sabine Häcker: Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! 2026.)[2]
- im Hörbuch von 1:00:45 bis 1:07:35 (Dauer: knapp 7 min)Text besprechen
- Warum waren die Winter früher im Erleben der Menschen dunkler als heute?
- Wieso spielte die Sonne solch eine besondere Rolle?
- Die römischen Herrscher rückten den Sonnengott in Zentrum und hofften, damit das Römische Reich religiös - und politsch - einen zu können. Welche Maßnahme unternahm in den 270er Jahren Kaiser Aurelius und welche Kaiser Konstantin I. im Jahr 321?
- Warum heißt bei uns der siebte Tag in der Woche Sonntag?
- Die Juden machten der Einführung des Sonntags nicht mit. Warum nicht?[3]
- Warum inszenierte der Kaiser sich als Vertreter des Sonnengottes Sol Invictus?
- Wie muss man sich die christliche Kirche damals vorstellen? War sie bereits eine machtvolle Institution?
- Warum war es ein strategisch geschickter Schachzug des römischen Papstes, den Geburtstag Jesu auf den Geburtstag des Sonnengottes zu legen?
- Weshalb verursachte die Westkirche durch diese Datumswahl in einen Konflikt mit der Ostkirche? (Info: Die Kirche hatte damals zwei Zentren: Die Westkirche mit Sitz in Rom und Latein als Sprache sowie die Ostkirche mit Sitz in Konstantinopel (zuvor Byzanz, heute Istanbul) und Griechisch als Sprache.)
- Wie wurde die Geburt Jesu damals gefeiert? War die Gestaltung des kirchlichen Feiertags mit dem vergleichbar, was wir heute unter Weihnachten verstehen?[4]
- ...
Rollenspiel
- Im 4. Jahrhundert war lange überlegt worden, ob der Geburtstag Jesu im Kirchenjahr ein besondere Rolle spielen soll oder nicht - und falls ja, wann. Sammelt zuerst gemeinsam Argumente für und gegen einen kirchlichen Feiertag sowie für und gegen den Termin am 25.12. Spielt dann ein Rollenspiel: Papst Liberius, der für diesen Termin ist, diskutiert mit dem Kirchenlehrer Origenes, der dagegen ist. (Wer sich am Ende durchsetzt, wisst ihr ja schon.)
Quiz erstellen
- Warum hat die Kirche in Rom Jesu Geburtstag auf den 25. Dezember gelegt? -> Erstelle einen Quiz mit deinem neuen Wissen - damit kannst du deine Eltern, Mitschüler/innen oder Lehrer/innen testen! Gehe auf https://learningapps.org und such dir ein Quizformat aus.
Ergänzungen für Lehrer/innen
Warum sagt man Jesu Geburt und nicht Jesus' Geburt?
Das geht auf die lateinische Kasusendung zurück, die sich gehalten hat: Im NOMINATIV heißt es Jesus Christus, im GENITIV Jesu Christi.
Zum Text
Ende Dezember haben die Menschen schon immer gefeiert, und zwar das Ende des bäuerlichen Arbeitsjahres (deshalb wurde hier auch das Ende des Kalenderjahres angesetzt) und dass nach der Wintersonnenwende die Tage wieder länger wurden.[5] Im Alten Rom wurde der Sonnengott “Sol Invictus” verehrt. Sol invictus wurde bereits unter Kaiser Eleagabal (gest. 222 n. Chr.) verehrt, geriet aber nach dessen Tod zunächst in Vergessenheit und kam ein halbes Jahrhundert später unter Kaiser Aurelian wieder zu Ehren. Dieser stiftete im Jahr 274 einen Tempel zu Ehren des Sonnengottes. Mit Bezug auf die Wintersonnenwende galt der 25. Dezember als "Geburtstag des Sonnengottes. Diese Hinwendung zum Sonnengott war der letzte Versuch, dem Römischen Reich eine religiöse - und politische - Einheit zu geben. Teil dieses Versuchs war die Identifikation des Kaisers als irdischer Repräsentant des Sonnengottes. Opfer, die dem Sonnengott, dem Schutzgott des Reiches, dargebracht wurden, galten gleichzeitig als dem Kaiser dargebracht."[6] Als Papst Liberius (im Amt von 352 bis 366) nach einem Datum für den Feiertag zu Ehren Jesu Geburt suchte, legte er ihn auf diesen römischen Feiertag. Noch 100 Jahre später hatte die Kirche damit zu kämpfen, dass die Gläubigen die Sonne feierten statt Jesu Geburt. Es ist eine Predigt von Kirchenvater Augustinus aus dem 5. Jahrhudnert überliefert, in der er mahnt: "Brüder, lasst uns diesen Tag feierlich begehen, nicht wegen der Sonne wie die Ungläubigen, sondern wegen dem, der die Sonne erschaffen hat."[7] Dass die Wintersonnenwende und Weihnachten heute nicht mehr auf dem gleichen Tag liegen, liegt an Kalenderungenauigkeiten und -verschiebungen.
Die Wahl des Sol-invictus-Tages für den Geburtstag Jesu war strategisch sehr klug gewählt. Noch 50 zuvor gab es unter Kaiser Diokletian wüste Christenverfolgungen. Im Jahr 313 wurde in Mailand das Toleranzedikt erlassen, dass den Christen Kultusfreiheit gewährte. Sich mit der Staatsmacht gut zu stellen, war folglich überlebensnotwendig und kirchenpolitisch vorteilhaft. Und der Plan ging auf: Ab 380 wurde das Christentum schrittweise zur alleinigen Staatsreligion. Binnen weniger Jahrzehnte wurde aus der verfolgten Minderheit eine priviligierte Mehrheit und die Religion des Reiches.[8]
Zwischen der Ost- und der Westkirche gab es immer wieder Interessenskonflikte und Machtkämpfe. Im Jahr 1204 kam es zur endgültigen Spaltung in eine West- und eine Ostkirche. Aus der Ostkirche entstanden die orthodoxen Patriarchate. Und in der Westkirche kam es im 16. Jahrhundert zu einer Spaltung in die katholische und die protestantischen Konfessionen.
Warum wird Weihnachten eigentlich bereits am Heiligabend gefeiert, also am Abend vor dem 25. Dezember? Das liegt daran, dass in der Antike ein Tag nicht von Mitternacht bis Mitternacht, sondern von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang gerechnet wurde. Die Gottesdienste, die die Geburt Jesu feierten, fanden deshalb seit jeher am Abend bzw. in der Nacht vor dem 25. Dezember statt (und am Morgen und ggfs. Nachmittag des 25.12. gab es weitere).[9]
Zum Rollenspiel
Liberius und Origenes haben sich vermutlich nicht kennenglernt, weil Origenes etwas früher lebte. Beide sind aber historische Personen. Liberius war von 352-366 Bischof von Rom (= Papst). Origenes war einer der bedeutensten Kirchenlehrer im 3. Jahrhundert. Er war in Alexandrien (Ägypten) geboren und nach Rom gegangen. Origenes protestierte gegen die Idee, Jesu Geburtstag zu feiern, mit dem Argument, dass das nur die Heiden täten. Dabei bezog er sich auf den römischen Kaiser, der seinen Geburtstag immer sehr prunkvoll beging. Augustus hatte damit begonnen, sein Geburtstag fiel auf den 23. September, und wurde nicht nur mit Prozessionen durch Rom, Staatsopfer und Spielen für das Volk begangen, sondern auch zum nationalen Feiertag erklärt. Auch der 1000-jährige Geburtstag der Stadt Rom im Jahr 248 wurde trotz leerer Staatskassen sehr aufwändig begangen. Und ebenso pflegte das römische Volk den Brauch des Geburtstages - den die frühen Christen verachteten. Wenn sie Heilige mit Festen ehrten, taten sie das nie an deren Geburtstag, sondern am Todestag.[10]
Argumente dafür können sein: Es scheint nur folgerichtig, am Geburtstag des Sonnengottes auch den Geburtstag Christi zu feiern und kann seine Bedeutung betonen. / Ein Gedenktag ist eine gute Werbung und macht das Christentum bekannt. / Die Römer haben viele Feiertage und das sollte auch das Christentum haben, um attraktiv zu sein. / Jesu Geburtstag auf den Tag des Sol Invictus zu legen, ist praktisch: Wer sich zum Christentum bekennen will, braucht sich nicht umzugewöhnen. Und es integriert das Christentum in die römische Kultur und macht es beliebt. / Zur Wintersonnenwende wird gefeiert, dass die Sonne und damit das Licht wiederkommt - auch Christus nannte sich "das Licht der Welt". / Außerdem wird der Kaiser es den Christen zu Gute halten, wenn sie sich dem bestehenden Feiertag von Sol Invictus anschließen und keinen neuen Tag benennen - und dass der Kaiser ihnen wohlgesonnen ist, können die Christen gut brauchen (schließlich wurde ihre Religion bis 313 noch verfolgt).
Argumente dagegen können sein: Geburtstag zu feiern, ist eine eine Erfindung von nicht-christlichen Römern und deshalb eine heidnische Tradition. / Eine Religion braucht keine Werbung. / In der Bibel wird kein Datum genannt, deshalb kann es kein Datum geben. / Vielleicht wollte Gott nicht, dass der Geburtstag gefeiert wird, denn sonst hätte er ein Datum genannt? / Jesus hat mit Sol Invictus nichts zu tun, das Volk wird die beiden verwechseln - Jesus sollte ggfs. lieber einen eigenen Tag haben. / Vielleicht ist es ketzerisch, den Geburtstag von Jesus auf den Tag des Sol Invictus zu legen?
Diese Argumente sind fiktiv und nicht historisch belegt. Das ZIEL des Rollenspiels ist es, dass die Schüler/innen nachvollziehen, dass auch religiöse bzw. kirchliche Traditionen irgendwann Entscheidungen nach sehr menschlichen Aushandlungsprozessen mit manchmal sehr profanen, interessegeleiteten Argumenten waren.
Angebot zur SPRAChFÖRDERUNG: Zusammenhänge darstellen
Du findest hier eine Zusammenfassung, bitte lies sie dir durch:
Weihnachten und die Wintersonnenwende
- Im Winter ist es dunkel und kalt und in der Natur wächst nichts. -> Die Menschen lebten früher von ihren Vorräten.
- Der Moment, wenn die Tage wieder länger werden, war ein besonderes Ereignis im Jahr. -> Dieser Tag hat einen besonderen Namen bekommen: Wintersonnenwende.
- Die Menschen freuten sich über die Wintersonnenwende. -> Sie feierten ein Fest.
- Auch im Römischen Reich freuten sich die Menschen, dass die Tage wieder länger wurden. -> Sie feierten am Tag der Wintersonnenwende ein Fest zu Ehren des Sonnengottes.
- Im 4. Jahrhundert hatten die Christen die Idee, Jesu Geburtstag zu feiern. Aber in der Bibel wird kein Datum genannt. -> Sie legten das Fest auf den Tag der Wintersonnenwende, den Tag des römischen Sonnengottes.
Diese Zusammenfassung ist ziemlich langweilig, denn die Zusammenhänge werden nicht deutlich gemacht.
Aufgabe 1: Schreibe die Sätze neu, so dass du die Zusammenhänge darstellst!
Du kannst dafür diese Worte benutzen: deshalb, deswegen, folglich, aus diesem Grund(e), als Folge, daher, also, darum, somit, infolgedessen
- ACHTUNG: Nach diesen Wörtern verändert sich der Satzbau der Sätze! -
Weihnachten und die Wintersonnenwende
1. Im Winter ist es dunkel und kalt und in der Natur wächst nichts, …
2. Der Moment, wenn die Tage wieder länger werden, war ein besonderes Ereignis im Jahr, …
3. Die Menschen freuten sich über die Wintersonnenwende, …
4. Auch im Römischen Reich freuten sich die Menschen, dass die Tage wieder länger wurden, …
5. Im 4. Jahrhundert kamen die Christen auf die Idee, Jesu Geburtstag zu feiern. Aber in der Bibel wird kein Datum genannt, …
Reflexion über Sprache und Grammatikwissen:
- In der Grammatik werden deshalb, deswegen, daher, also, folglich, darum, demnach, mithin, somit und infolgedessen übrigens Konsekutivadverbien genannt.[1]
- Ihre Aufgabe (Bedeutung) ist es, eine logische Folge auszudrücken: Der 2. Hauptsatz gibt die Folge des 1. Hauptsatzes an.
Aufgabe 2: Schreibe je einen Satz, in dem du eine logische Folge ausdrückst, mit den Konsekutivadverbien demnach, somit und mithin.
(Diese Adverbien benutzt man eher in der Schriftsprache als in der mündlichen Sprache, deshalb kommen sie dir vermutlich nicht so bekannt vor. Und mithin ist etwas veraltet – trotzdem solltest du es kennen!)
1)
2)
3)
Literatur
- Häcker, Sabine: Wie wurde Weihnachten erfunden? - Die Bibel, die Kirche und der Geburtstag. 2025.
- Häcker, Sabine: Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! 2026.
- Förster, Hans: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003.
- Göttert, Karl-Heinz: Weihnachten. Biografie eines Festes. 2020.
- Freistetter, Florian: Podcast Sternengeschichten (Folge 474): Weihnachten und die Wintersonnenwende (Dauer: 11 min).
- Freistetter: Florian: Podcast Sternengeschichten (Folge 369): Weihnachten und andere Feste (Dauer: 11 min)
- Freistetter, Florian: Podcast Sternengeschichten (Folge 5): Sternzeit (Dauer: 10 min). Es wird erläutert, wie die Sterne genutzt werden, um die Zeit zu messen, und wie unser Kalender funktioniert.
Weitere Materialien und Veröffentlichungen von Sabine Häcker: Benutzer:Sabine Häcker
Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache: Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!
Anmerkungen
- ↑ Vgl. Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 118.
- ↑ Das Buch ist im gedruckten Format für 7,99 und als E-Book für 3,49 Euro erhältlich. https://buchshop.bod.de/warum-die-weihnachtsgeschichten-uns-lehren-dass-die-bibel-nicht-wortwoertlich-zu-nehmen-ist-sabine-haecker-9783695745876
- ↑ Die theologische Grundlage für die jeweiligen Auffassungen ist die Bibel. In 2. Mose (Exodus) 20, 8-10 steht: "Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat (= Ruhetag) dem HERRN, deinem Gott: Du sollst keine Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und dein Gast." Darüber, wie das konkret zu verstehen ist, gingen schon in biblischen Zeiten die Meinungen auseinander. Jesus interpretierte das Arbeitsverbot nicht dogmatisch, sondern pragmatisch. In Markus 2, 23-28 ist zu lesen: "An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt. Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten, wie er zur Zeit des Hohepriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus sagte zu ihnen: Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat. (...)" Weil Jesus viele Gesetze der alten Schriften (des Alten Testaments) pragmatisch interpretierte, haben sie im Christentum einen anderen Stellenwert als im Judentum. Es gibt ultrorthodoxe Juden, die schon das Betätigen eines Lichtschalters als Verstoß gegen die Sabbatruhe interpretieren.
- ↑ Wann die familiäre Weihnachtsfeier mit den Geschenken und dem Weihnachtsbaum entstand, kannst du in dem Büchlein von Sabine Häcker Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist. auf S. 71-73 nachlesen (oder im Horbuch bei 1:33:45 (Dauer: 3 min) finden).
- ↑ Vgl. Sabine Häcker: Wem gehört Weihnachten? Brauchtum, Glaube und Politik. 2025, S. 16 ff. -> "Warum wurde Weihnachten das größte Fest im Jahreslauf?" Das Kapitel kann in der Leseprobe gelesen werden: https://shop.tredition.com/booktitle/Wem_geh%3frt_Weihnachten/W-926-650-183
- ↑ Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 118f.
- ↑ Vgl. Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 120.
- ↑ Vgl. Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003, S. 110.
- ↑ Vgl. Sabine Häcker: Wem gehört Weihnachten? Brauchtum, Glaube und Politik. 2025, S. 47 f.)
- ↑ Vgl. Karl-Heinz Göttert: Weihnachten. Biografie eines Festes. 2020, S. 56.

