Gertrud Nunner-Winkler: Unterschied zwischen den Versionen
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"Nunner-Winkler postuliert entsprechend, dass jeder Mensch sowohl zu rigideren als auch zu flexibleren Urteilen fähig sei - je nachdem, wie vertraut der:die Proband:in mit dem Kontext des moralischen Dilemmas sei. | "Nunner-Winkler postuliert entsprechend, dass jeder Mensch sowohl zu rigideren als auch zu flexibleren Urteilen fähig sei - je nachdem, wie vertraut der:die Proband:in mit dem Kontext des moralischen Dilemmas sei. | ||
So etwa begannen weibliche Probandinnen in einer Studie mit 200 Jugendlichen von Döbert und Nunner-Winkler auf die Frage, wie sie zu dem Recht auf Abtreibung stünden, einen sehr differenzierten moralischen Abwägungsprozess: "Das kommt auf die Umstände an: Wie alt ist die Schwangere? War die Zeugung eine Vergewaltigung?" Auf dieselbe Frage gaben die männlichen Befragten eine deutlich rigidere kategorische Antwort: "Das Recht der körperlichen Selbstbestimmung ist unantastbar!" Oder "Jedes Leben muss ab dem Moment der Zeugung höchsten Schutz erhalten!" Umgekehrt war es, wenn man die Proband:innen nach ihrer Meinung zur Wehrpflicht befragte. Hier argumentierten die weiblichen Teilnehmerinnen kategorisch: "Man soll nicht töten!", oder "Der Staat muss wehrhaft sein!", während die männlichen Teilnehmer kontextsensibler, vielschichtiger - flexibler - abwogen. Je nachdem, mit welchen Kontexten ein:e Proband: | So etwa begannen weibliche Probandinnen in einer Studie mit 200 Jugendlichen von Döbert und Nunner-Winkler auf die Frage, wie sie zu dem Recht auf Abtreibung stünden, einen sehr differenzierten moralischen Abwägungsprozess: "Das kommt auf die Umstände an: Wie alt ist die Schwangere? War die Zeugung eine Vergewaltigung?" Auf dieselbe Frage gaben die männlichen Befragten eine deutlich rigidere kategorische Antwort: "Das Recht der körperlichen Selbstbestimmung ist unantastbar!" Oder "Jedes Leben muss ab dem Moment der Zeugung höchsten Schutz erhalten!" Umgekehrt war es, wenn man die Proband:innen nach ihrer Meinung zur Wehrpflicht befragte. Hier argumentierten die weiblichen Teilnehmerinnen kategorisch: "Man soll nicht töten!", oder "Der Staat muss wehrhaft sein!", während die männlichen Teilnehmer kontextsensibler, vielschichtiger - flexibler - abwogen. Je nachdem, mit welchen Kontexten ein:e Proband:in aufgrund seiner:ihrer Sozialisierung - oder eben Rolle - vertrauter war, änderte sich auch die QUalität des moralischen Urteils, das sie darüber fällen konnte." <ref>Hufgard, Henriette und Steimer, Kristina: Ausgeklammert. Die Philosophinnen der Frankfurter Schule - eine unerhörte Geschichte. München 2023, S. 41f</ref> | ||
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Aktuelle Version vom 4. Mai 2026, 18:29 Uhr
Gertrud Nunner-Winkler (geb 1941 in Nürnberg) ist eine deutsche Soziologin und Philosophin der Frankfurter Schule. Über 35 Jahre war sie an Max-Planck-Instituten in Starnberg und in München tätig, darunter auch von 1971-81 als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Jürgen Habermas. Sie ist seit 2001 Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Scherpunkte ihrer Forschung sind Moral, Identität und Geschlechterrollen.
Kohlberg-Schema
- Lies den Text.
- Beschreibe die Beispiele, die im Text genannt werden und die zu unterschiedlichen moralischen Urteilen führen.
- Erläutere, was Nunner-Winklers flexiblen Urteile für Kohlbergs Stufenschema der Moralentwicklung bedeutet.
- Positioniere dich begründet zur Kritik von Nunner-Winkler.
"Nunner-Winkler postuliert entsprechend, dass jeder Mensch sowohl zu rigideren als auch zu flexibleren Urteilen fähig sei - je nachdem, wie vertraut der:die Proband:in mit dem Kontext des moralischen Dilemmas sei. So etwa begannen weibliche Probandinnen in einer Studie mit 200 Jugendlichen von Döbert und Nunner-Winkler auf die Frage, wie sie zu dem Recht auf Abtreibung stünden, einen sehr differenzierten moralischen Abwägungsprozess: "Das kommt auf die Umstände an: Wie alt ist die Schwangere? War die Zeugung eine Vergewaltigung?" Auf dieselbe Frage gaben die männlichen Befragten eine deutlich rigidere kategorische Antwort: "Das Recht der körperlichen Selbstbestimmung ist unantastbar!" Oder "Jedes Leben muss ab dem Moment der Zeugung höchsten Schutz erhalten!" Umgekehrt war es, wenn man die Proband:innen nach ihrer Meinung zur Wehrpflicht befragte. Hier argumentierten die weiblichen Teilnehmerinnen kategorisch: "Man soll nicht töten!", oder "Der Staat muss wehrhaft sein!", während die männlichen Teilnehmer kontextsensibler, vielschichtiger - flexibler - abwogen. Je nachdem, mit welchen Kontexten ein:e Proband:in aufgrund seiner:ihrer Sozialisierung - oder eben Rolle - vertrauter war, änderte sich auch die QUalität des moralischen Urteils, das sie darüber fällen konnte." [1]
Quellen
- ↑ Hufgard, Henriette und Steimer, Kristina: Ausgeklammert. Die Philosophinnen der Frankfurter Schule - eine unerhörte Geschichte. München 2023, S. 41f
- ↑ Hufgard, Henriette und Steimer, Kristina: Ausgeklammert. Die Philosophinnen der Frankfurter Schule - eine unerhörte Geschichte. München 2023, S. 42
- ↑ Hufgard, Henriette und Steimer, Kristina: Ausgeklammert. Die Philosophinnen der Frankfurter Schule - eine unerhörte Geschichte. München 2023, S. 42f
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