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	<title>ZUM-Unterrichten - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Glauben&amp;diff=133486</id>
		<title>Glauben</title>
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		<updated>2023-02-16T10:31:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: toten Link korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Wer wir sind==&lt;br /&gt;
In der Geografie geht es um die Erde (griechisch Gaia), in der Biologie um das Leben (griechisch Bios); in der Religion geht es um den Menschen und sein Verhältnis zu Gott, zu den Mitmenschen, zur Welt und zu sich selbst. Das wird uns bis zum Abitur beschäftigen. Trotzdem kann man auch in der fünften Klasse schon einige Grundsätze gut verstehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Merke|Wir alle sind Menschen – aber jeder und jede auf seine und ihre eigene Weise.|Merksatz}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Üben|Schau dich um!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch hat ein Gesicht – aber nicht zwei Menschen dasselbe.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jeder und jede hat eine Lebensgeschichte und macht Erfahrungen – aber jeder und jede andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es weitere Beobachtungen, die in diese Reihe passen?&lt;br /&gt;
|Üben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|Schau Dir Bilder von Menschen an - aus verschiedenen Ländern, von verschiedenen Religionen, Arme und Reiche, Geachtete und Verachtete, Schülerinnen und Schüler Deiner Klasse:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was haben alle Menschen gemeinsam? - Worin unterscheiden sie sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie versuchen Menschen, ihre eigene Individualität zum Ausdruck zu bringen?&lt;br /&gt;
Denk an &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wappen&lt;br /&gt;
* Heiratsanzeigen&lt;br /&gt;
* Bewerbungen&lt;br /&gt;
* Vorstellung in der neuen Klasse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was fällt Dir auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennst Du Lebensgeschichten von Verwandten oder von berühmten Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lies Dir den Merksatz oben noch einmal durch! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird er durch deine Beobachtungen und Überlegungen bestätigt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hast du Gründe gefunden, dem Merksatz zu widersprechen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bringe Dich in die Diskussion im Unterricht ein!&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glauben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Material:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bömmels Traum von Hans May (Vorlesebuch Religion, HRSG D. Steinwede, Lahr 1982, 28-36)&lt;br /&gt;
* Der Clown, das Hochseil und die Schubkarre nacherzählt von Karl Vörckel. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.rpp-katholisch.de/DesktopModules/rpp.Mediadatabase/Downloader.aspx?FileId=2591&amp;amp;ModId=826&amp;lt;/ref&amp;gt; }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Definition|1=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glauben ist ein unbedingtes Vertrauen in die Dinge,&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;die man nicht sieht&#039;&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt;Hebräerbrief 11,1, KKK 146&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist eine sehr wichtige Definition der christlichen Religion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|1=Überlege:&lt;br /&gt;
* Wenn Du vor einer schweren Prüfung stehst, welchen Einfluss hat es dann, fest an Dich zu &#039;&#039;&#039;glauben&#039;&#039;&#039;, dass Du das schaffst.&lt;br /&gt;
* Kann der Glauben an Dich selbst das Lernen ersetzen?&lt;br /&gt;
* Kann der Glauben an den guten Ausgang zum Lernen ermutigen?&lt;br /&gt;
* Die Leute &#039;&#039;&#039;glauben&#039;&#039;&#039; dem Seiltänzer, dass er die Schubkarre sicher über das Seil schieben kann. Aber die Mutter &#039;&#039;&#039;glaubt nicht&#039;&#039;&#039;, dass es eine gute Sache ist, wenn sich ihre Tochter in die Schubkarre setzt. Glauben hat also mindestens zwei Gesichter. Kannst Du den Unterschied formulieren?}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Vorausschau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glauben bezieht sich auf &#039;&#039;Dinge, die man nicht sehen kann&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeint sind&lt;br /&gt;
* die eigene Seele, der eigene Mut, das eigene Selbstvertrauen und andere innere Eigenschaften, die man nicht sehen kann, die sich aber im Verhalten auswirken.&lt;br /&gt;
* Mut, Liebe, Vertrauen und andere innere Eigenschaften der anderen, die man auch nicht gut prüfen, sondern nur glauben kann.&lt;br /&gt;
* übernatürliche gute und böse Kräfte, die in der Bibel &#039;&#039;Engel&#039;&#039; und &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; heißen: Manche Menschen beziehen übernatürliche Kräfte in die Deutung ihrer Erlebnisse mit ein; sie &#039;&#039;&#039;glauben, dass&#039;&#039;&#039; es solche Kräfte gibt.&lt;br /&gt;
* Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist: Christen glauben nicht nur, dass es Gott gibt, sondern &#039;&#039;&#039;Christen glauben ganz fest an Gott&#039;&#039;&#039;. Das &#039;&#039;&#039;unbedingte Vertrauen&#039;&#039;&#039;, von dem die Definition spricht, richtet sich also zuerst auf Gott, dann auf mich selbst, zu dem Gott JA gesagt hat, und auf die Mitmenschen, die Gott mir gegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist schon das ganze Programm des Religionsunterrichtes von der 5. bis zur 12. oder 13. Klasse umschrieben.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wie ein Senfkorn==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|&#039;&#039;&#039;Die Bibel:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Evangelium erzählt Jesus zwei verschiedene Geschichten, in denen ein Senfkorn vorkommt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. [Lukas 13,18-19]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. [Lukas 17,6]|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuzzeichen==&lt;br /&gt;
{{blau|Material&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kindermutmachlied von Andreas Ebert &amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.auer-verlag.de/media/ntx/auer/sample/Kindermutmachlied.pdf Das Kindermutmachlied mit Noten]&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|1=Erzähle,&lt;br /&gt;
* woran Du merkst, dass Dich jemand mag.&lt;br /&gt;
* wann Dich jemand dringend gebraucht hat, wie Du die Aufgabe gelöst hast und was das für ein Gefühl war.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katholische Christen beginnen ihr Beten mit einem Kreuzzeichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:kreuzzeichen.jpg|250px|zentriert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Merke|1=&lt;br /&gt;
Christen glauben,&lt;br /&gt;
* dass Gott wie ein Vater ist,&lt;br /&gt;
* dass er uns liebt und bei uns sein will und Mensch geworden ist,&lt;br /&gt;
* dass er in uns wirkt, dass er etwas von uns verlangt, aber uns bei der Erfüllung unserer Aufgaben auch hilft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist mit dem Kreuzzeichen gemeint.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vorbilder im Glauben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|1=Suche im Ökumenischen Heiligenlexikon &amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.heiligenlexikon.de/ Ökumenisches Heiligenlexikon]&amp;lt;/ref&amp;gt; Deinen Vornamen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei manchen Vornamen sind mehrere Heilige angeführt. Wenn Du zum Beispiel &amp;quot;Michael&amp;quot; oder &amp;quot;Mike&amp;quot; heißt, hast Du die Auswahl aus zehn verschiedenen Heiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du solltest dann Deine Eltern fragen, an welchen Heiligen sie bei der Namensgebung gedacht haben. Oder Du suchst Dir einfach Deinen Heiligen aus. Der oder die Heilige, nach dem oder der Du benannt bist, ist Dein &#039;&#039;&#039;Namenspatron&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lege in Powerpoint (oder einem vergleichbaren Programm) eine Folie an, die (wenn möglich) drei Informationen enthält:&lt;br /&gt;
* Eine kurze Biografie, aus der hervorgeht, in welcher Zeit Dein Patron gelebt hat und was er besonderes geleistet hat.&lt;br /&gt;
* Ein Bild Deiner Heiligen mit den Symbolen, an denen man ihn oder sie erkennt&lt;br /&gt;
* Der Festtag Deines Heiligen (Beispiel: Beim Erzengel Michael ist das der 29. September)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Merke|1=Heilige sind Vorbilder des Glaubens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es können Sklaven sein wie Julia, Könige und sogar Kaiser wie Heinrich II., es können asketische Mönche sein wie Bruno, der Karthäuser oder gestandene Familienväter und Beamte wie Thomas Moore, Frauen und Männer, Reiche und Arme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine andere Religionsgemeinschaft verehrt so viele und so verschiedene Menschen als vorbildlich.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.tagesspiegel.de/zeitung/heiliger-michael/791156.html Der Kolumnist Harald Martenstein hat darüber recherchiert.]&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Teste dein Wissen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://h5p.zum.de/apps/lueckentext-angst-und-vertrauen Lückentext]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenangaben==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM Katechismus der katholischen Kirche]&lt;br /&gt;
*[http://www.heiligenlexikon.de Ökumenisches Heiligenlexikon]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sekundarstufe 1]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133380</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
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		<updated>2023-02-09T13:56:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Durch Mitarbeit in verschiedenen Malerwerkstätten Roms knüpfte er Kontakte und vollendete er seine Kunst, bis er den Schritt in die Selbständigkeit tun konnte. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreiche Kardinäle mit lukrativen Aufträgen bedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Folge einer Schlägerei mit Todesfolge wurde Caravaggio 1606 aus Rom verbannt und verbrachte sein weiteres Leben in Süditalien und Sizilien. Weiterhin bekam er gut bezahlte Aufträge und schaffte einen erstaunlichen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch Ende 1608 war er auf Malta wieder in einen Streit mit Totschlag verwickelt und kam ins Gefängnis, aus dem er wenig später fliehen konnte. 1610 ist er 38-jährig auf dem Weg nach Sizilien gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1599 beauftragte Kardinal Mathieu Contarell den Künstler mit der Ausmalung seiner Grabkapelle in der Kirche San Luigi dei Francesi, der 150 M vom antiken Pantheon entfernten Nationalkirche der Franzosen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Caravaggio schuf zwischen 1599 und 1602 drei Gemälde für die Kapelle:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Berufung des Matthäus&lt;br /&gt;
*Das Martyrium des Mathäus&lt;br /&gt;
*Die Niederschrift des Evangeliums auf Diktat des Engels&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für weitere Informationen zum Bild benutze die Image Hotspots:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=23811|height=160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133379</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
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		<updated>2023-02-09T13:54:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Durch Mitarbeit in verschiedenen Malerwerkstätten Roms knüpfte er Kontakte und vollendete er seine Kunst, bis er den Schritt in die Selbständigkeit tun konnte. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreiche Kardinäle mit lukrativen Aufträgen bedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Folge einer Schlägerei mit Todesfolge wurde Caravaggio 1606 aus Rom verbannt und verbrachte sein weiteres Leben in Süditalien und Sizilien. Weiterhin bekam er gut bezahlte Aufträge und schaffte einen erstaunlichen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch Ende 1608 war er auf Malta wieder in einen Streit mit Totschlag verwickelt und kam ins Gefängnis, aus dem er wenig später fliehen konnte. 1610 ist er 38-jährig auf dem Weg nach Sizilien gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1599 beauftragte Kardinal Mathieu Contarell den Künstler mit der Ausmalung seiner Grabkapelle in der Kirche San Luigi dei Francesi, der 150 M vom antiken Pantheon entfernten Nationalkirche der Franzosen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Caravaggio schuf zwischen 1599 und 1602 drei Gemälde für die Kapelle:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Berufung des Matthäus&lt;br /&gt;
*Das Martyrium des Mathäus&lt;br /&gt;
*Die Niederschrift des Evangeliums auf Diktat des Engels&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für weitere Informationen zum Bild benutze die Image Hotspots:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=23811|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133378</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133378"/>
		<updated>2023-02-09T13:53:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Durch Mitarbeit in verschiedenen Malerwerkstätten Roms knüpfte er Kontakte und vollendete er seine Kunst, bis er den Schritt in die Selbständigkeit tun konnte. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreiche Kardinäle mit lukrativen Aufträgen bedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Folge einer Schlägerei mit Todesfolge wurde Caravaggio 1606 aus Rom verbannt und verbrachte sein weiteres Leben in Süditalien und Sizilien. Weiterhin bekam er gut bezahlte Aufträge und schaffte einen erstaunlichen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch Ende 1608 war er auf Malta wieder in einen Streit mit Totschlag verwickelt und kam ins Gefängnis, aus dem er wenig später fliehen konnte. 1610 ist er 38-jährig auf dem Weg nach Sizilien gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1599 beauftragte Kardinal Mathieu Contarell den Künstler mit der Ausmalung seiner Grabkapelle in der Kirche San Luigi dei Francesi, der 150 M vom antiken Pantheon entfernten Nationalkirche der Franzosen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Caravaggio schuf zwischen 1599 und 1602 drei Gemälde für die Kapelle:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Berufung des Matthäus&lt;br /&gt;
*Das Martyrium des Mathäus&lt;br /&gt;
*Die Niederschrift des Evangeliums auf Diktat des Engels&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für weitere Informationen zum Bild benutze die Image Hotspots:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133377</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133377"/>
		<updated>2023-02-09T13:51:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Durch Mitarbeit in verschiedenen Malerwerkstätten Roms knüpfte er Kontakte und vollendete er seine Kunst, bis er den Schritt in die Selbständigkeit tun konnte. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreiche Kardinäle mit lukrativen Aufträgen bedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Folge einer Schlägerei mit Todesfolge wurde Caravaggio 1606 aus Rom verbannt und verbrachte sein weiteres Leben in Süditalien und Sizilien. Weiterhin bekam er gut bezahlte Aufträge und schaffte einen erstaunlichen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch Ende 1608 war er auf Malta wieder in einen Streit mit Totschlag verwickelt und kam ins Gefängnis, aus dem er wenig später fliehen konnte. 1610 ist er 38-jährig auf dem Weg nach Sizilien gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1599 beauftragte Kardinal Mathieu Contarell den Künstler mit der Ausmalung seiner Grabkapelle in der Kirche San Luigi dei Francesi, der 150 M vom antiken Pantheon entfernten Nationalkirche der Franzosen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Caravaggio schuf zwischen 1599 und 1602 drei Gemälde für die Kapelle:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Berufung des Matthäus&lt;br /&gt;
*Das Martyrium des Mathäus&lt;br /&gt;
*Die Niederschrift des Evangeliums auf Diktat des Engels&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für weitere Informationen zum Bild benutze die Image Hotspots:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133376</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133376"/>
		<updated>2023-02-09T12:46:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Durch Mitarbeit in verschiedenen Malerwerkstätten Roms knüpfte er Kontakte und vollendete er seine Kunst, bis er den Schritt in die Selbständigkeit tun konnte. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreiche Kardinäle mit lukrativen Aufträgen bedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Folge einer Schlägerei mit Todesfolge wurde Caravaggio 1606 aus Rom verbannt und verbrachte sein weiteres Leben in Süditalien und Sizilien. Weiterhin bekam er gut bezahlte Aufträge und schaffte einen erstaunlichen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch Ende 1608 war er auf Malta wieder in einen Streit mit Totschlag verwickelt und kam ins Gefängnis, aus dem er wenig später fliehen konnte. 1610 ist er 38-jährig auf dem Weg nach Sizilien gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1599 beauftragte Kardinal Mathieu Contarell den Künstler mit der Ausmalung seiner Grabkapelle in der Kirche San Luigi dei Francesi, der 150 M vom antiken Pantheon entfernten Nationalkirche der Franzosen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Caravaggio schuf zwischen 1599 und 1602 drei Gemälde für die Kapelle:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Berufung des Matthäus&lt;br /&gt;
*Das Martyrium des Mathäus&lt;br /&gt;
*Die Niederschrift des Evangeliums auf Diktat des Engels&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133375</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
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		<updated>2023-02-09T12:45:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */ Fortsetzung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
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Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
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==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Durch Mitarbeit in verschiedenen Malerwerkstätten Roms knüpfte er Kontakte und vollendete er seine Kunst, bis er den Schritt in die Selbständigkeit tun konnte. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreiche Kardinäle mit lukrativen Aufträge bedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Folge einer Schlägerei mit Todesfolge wurde Caravaggio 1606 aus Rom verbannt und verbrachte sein weiteres Leben in Süditalien und Sizilien. Weiterhin bekam er gut bezahlte Aufträge und schaffte einen erstaunlichen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch Ende 1608 war er auf Malta wieder in einen Streit mit Totschlag verwickelt und kam ins Gefängnis, aus dem er wenig später fliehen konnte. 1610 ist er 38-jährig auf dem Weg nach Sizilien gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1599 beauftragte Kardinal Mathieu Contarell den Künstler mit der Ausmalung seiner Grabkapelle in der Kirche San Luigi dei Francesi, der 150 M vom antiken Pantheon entfernten Nationalkirche der Franzosen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Caravaggio schuf zwischen 1599 und 1602 drei Gemälde für die Kapelle:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Berufung des Matthäus&lt;br /&gt;
* Das Martyrium des Mathäus&lt;br /&gt;
* Die Niederschrift des Evangeliums auf Diktat des Engels&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133374</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133374"/>
		<updated>2023-02-09T12:10:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Michelangelo Caravaggio}} wurde 1571 in Mailand geboren und lernte dort das Künstlerhandwerk. Ohne Mittel ging er 1592 nach Rom. Seine naturalistische Malweise, die Hell-Dunkel-Effekte und die Verbindung von religiösen und weltlichen Themen machten ihn in kurzer Zeit zu einem der beliebtesten Maler, den einflussreichen Kardinaälen lukrative Aufträge bekam.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133373</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133373"/>
		<updated>2023-02-09T12:01:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: Positionierung des Bildes&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg|mini]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133372</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
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		<updated>2023-02-09T11:50:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600) */ Bild eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Carravaggio Berufung Matthäus 1600.jpg|thumb|Michelangelo Carravaggio: Die Berufung des Matthäus 1600 (nach Matthäus 9,9-13)|mini]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Datei:Carravaggio_Berufung_Matth%C3%A4us_1600.jpg&amp;diff=133371</id>
		<title>Datei:Carravaggio Berufung Matthäus 1600.jpg</title>
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		<updated>2023-02-09T11:49:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: User created page with UploadWizard&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Michelangelo Carravaggio: Die Berufung des Matthäus 1600 (nach Matthäus 9,9-13)}}&lt;br /&gt;
|date=1600-01-31&lt;br /&gt;
|source=Kirche San Luigi dei Francesi, Rom&lt;br /&gt;
|author=Michelangelo Caravaggio (1571-1610)&lt;br /&gt;
|permission=&lt;br /&gt;
|other versions=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kardinal Mathieu Contarell beauftragte Caravaggio 1599 mit Bildern für eine dem Gedächtnis des Kardinals gewidmete Seitenkapelle der Kirche San Luigi dei Francesi in Rom. Dargestellt werden sollten Szenen aus dem Leben des Heiligen Matthäus. Das Bild zeigt die Berufung nach Mathhäus 9,9-13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
{{cc-zero}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133370</id>
		<title>Bilder zur Bibel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Bilder_zur_Bibel&amp;diff=133370"/>
		<updated>2023-02-09T11:37:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: Neues Kapitel&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
__INHALTSVERZEICHNIS_ERZWINGEN__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Steuereinnehmer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Steuereinnehmer Marinus von Reymerswaele 1549.jpg|thumb|Steuereinnehmer &amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marinus von Reymerswaelde 1549]]Marinus van Reymerswaele ist 1497 in dem Ort geboren, den er im Namen trägt. Sein Handwerk erlernte er bei {{wpde|Quentin Massys}} in {{wpde|Antwerpen}}. Das war zu Beginn des 15. Jahrhunderts die aufstrebende flämische Hafenstadt, während Brügge und Gent an Reichtum einbüßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der Themen, die Marinus nicht losließen, war der Umgang der Menschen mit {{wpde|Geld}}. Seine Bilder beweisen, dass er die Tätigkeit der Bankiers seiner Zeit genau beobachtete, anderseits enthalten die Details seiner Bilder mehr oder weniger versteckte Hinweise auf die christliche Morallehre, zum Beispiel die Liste der sieben {{wpde|Todsünden}}, und auf biblische Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild bis in die Details an, beschreibe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Gesichtsausdruck der beiden Männer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*die Tätigkeit ihrer Hände,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Kleidung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*ihre Arbeitsmittel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*den Raum, in dem sie arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Suche mindestens zwei Details heraus und erörtere,&lt;br /&gt;
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*wie die Männer dadurch charakterisiert werden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*was das mit ihrem Beruf als Steuereinnehmer zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf die Hotspots unten klickst, erfährst Du mehr über das Bild und seine biblischen Hintergründe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=10349|height=200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reformationsaltar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Lucas Cranach}} (&amp;quot;der Ältere&amp;quot; 1472-1553) war 1502 von Kurfürst Friedrich an den {{wpde|Wittenberger}} Hof geholt worden. Dort wurde sein Sohn Lucas &amp;quot;der Jüngere&amp;quot; (1515-1586) geboren, der die Werkstatt des Vaters weiterführte. Martin Luther, später die Familie Luther war mit der Familie Cranach eng befreundet. Und die Cranachs hatten einen großen Anteil daran, leseunkundige Menschen über die Reformation &amp;quot;ins Bild zu setzen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reformationsaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul zu {{wpde|Weimar}} ist 1555 von dem jüngeren Lucas Cranach gemalt worden. Er greift darin reformatorische Bildmotive seines Vaters auf, bringt aber auch diesen selbst ins Bild. Doch es geht auch um eine politische Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer_Reformationsaltar.jpg|mini|]]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{box|Frage|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild unvoreingenommen an:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gibt es Dir bekannte Personen in der Darstellung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fällt Dir an der Darstellung des Gekreuzigten etwas auf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kennst Du die biblischen Szenen, die im Hintergrund abgebildet sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hast Du eine Idee, welche Gesamtaussage das Bild zum Ausdruck bringen will?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du Dir über die Fragen eigenständig Gedanken gemacht hast, dann kannst Du unten die Image hot Spots anklicken und Informationen zum Bild abrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Fragen}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=10947}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Historischer Hintergrund===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog {{wpde|Johann Friedrich von Sachsen}} (1503-1554) hatte im {{wpde|Schmalkaldischen Krieg}} gegen Kaiser {{wpde|Karl V.}} gekämpft und war in der Schlacht bei Mühlberg 1547 verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Der Kaiser übertrug die Würde eines Kurfürsten an {{wpde|Moritz von Sachsen}} (1521-1553), seinen Verbündeten. 1552 schwenkt Moritz von Sachsen um und wendet sich gegen den Kaiser. Vom &amp;quot;Verräter&amp;quot; der protestantischen Sache ist er damit zum &amp;quot;Retter&amp;quot; geworden, da die gewaltsame Rekatholisierung Deutschlands durch das {{wpde|Augsburger Interim}} nunmehr scheitern musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im {{wpde|Naumburger Vertrag}} einigten sich Johann Friedrich und Moritz&#039; Nachfolger {{wpde|August von Sachsen}} (1526-1586):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Würde des Kurfürsten blieb bei August und seinen Nachfolgern. Johann Friedrich durfte sich &amp;quot;geborener Kurfürst&amp;quot; nennen und das entsprechende Wappen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Gegenzug erhielt Johann Friedrich große Teile der Gebiete zurück, die er 1547 an Moritz abtreten musste.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weimarer Reformationsaltar Triptychon.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weimarer Reformationsaltar zeigt die Familie Johann Friedrichs als treue Protestanten und Anhänger Martin Luthers. Zugleich hat Lucas Cranach d.J. seinem Vater als Illustrator der Reformation ein Denkmal gesetzt, offenbar mit Zustimmung seines Auftraggebers. Daraus ergibt sich folgende Analogie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie der Prophet Johannes der Täufer die Bedeutung Jesu als Lamm Gottes erstmals erkennt,&lt;br /&gt;
*so erkennt der Prophet Martin Luther, was im Christentum falsch gelaufen ist und besser gemacht werden muss&lt;br /&gt;
*und der Prophet Lucas Cranach vermittelt die Bedeutung Christi durch seine Bilder an die einfachen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anbetung des Lammes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den {{wpde|Genter Altar}} hat {{wpde|Jan van Eyck}} (1390-1441) mindestens zu Ende gemalt. Die Inschrift auf dem Bild behauptet, dass sein Bruder {{wpde|Hubertus van Eyck}} (1370-1426) das gewaltige Altarbild zu malen angefangen habe; aber die Kunstgeschichte ist sich nicht einig, was da dran ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Retable de l&#039;Agneau mystique.jpg|mini]]Die obere Etage zeigt links und rechts außen Adam und die schwangere Eva. Weiter innen sehen wir singende und musizierende Engel. Noch weiter innen sind Maria und Johannes der Täufer abgebildet. Maria trägt ein weites blaues Gewand, das ihre Schwangeschaft verbirgt, und ist auf die Lektüre eines Buches auf ihrem Schoß, wohl der jüdischen Bibel, konzentriert. Johannes hat zwar auch ein Buch auf dem Schoß, es wirkt aber so, als blicke er in diesem Moment auf, um auf das, wovon er in seinem kostbaren illustrierten Buch gelesen hat, mit seinem Zeigefinger hinzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herrscher auf dem Thron in der Mitte mit einer dreifachen Krone ist als durch die Umschrift als göttlicher König ausgezeichnet, vor dem alle Herrscher auf der Erde ihre Kronen niederlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünf Tafeln der unteren Etage bilden ein einziges Bild, das acht Gruppen von Menschen und eine Gruppe von Engeln zeigt, die ein Lamm verehren, das auf einem Altar steht. Den Hintergrund bildet eine ideale Landschaft aus sattgrünen Wiesen und Wäldern, Felsen und Gebirgen, Burgen und Städten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Michelangelo Caravaggio: Jesus beruft Matthäus (1600)==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Sch%C3%B6pfung&amp;diff=132861</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Schöpfung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Sch%C3%B6pfung&amp;diff=132861"/>
		<updated>2023-01-05T06:25:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: Toten Link ersetzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite behandelt &amp;quot;Schöpfung&amp;quot; als Thema für das erste Lesealter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gemacht und Geschenkt==&lt;br /&gt;
Schon auf einem kurzen Spaziergang beobachten wir:&lt;br /&gt;
Unsere Umwelt besteht aus Dingen, die Menschen gemacht haben: Häuser, Filzstifte, Autos, Schultische, aber auch Müllberge, Kondensstreifen am Himmel.&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch Dinge, die wir nicht gemacht haben und auch nicht machen könnten: Bäume, Blumen Vögel, Schnecken, die Erde und die Sonne, Galaxien.&lt;br /&gt;
Auch wenn Menschen etwas machen, brauchen sie Rohstoffe wie Holz, Erdöl, Getreide, die sie wiederum der Natur entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein eigenes Werk==&lt;br /&gt;
Es ist eine schöne Erfahrung selbst etwas herzustellen. Dabei kann man zwei Möglichkeiten unterscheiden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Für Bastelarbeiten wie ein Papierflugzeug oder einen Strohstern benötige ich Papier oder Stroh, also ein Ausgangsmaterial.&lt;br /&gt;
*Wenn ich ein Gedicht erfinde, brauche ich eigentlich kein Material: Ich kann es auf einen Zettel schreiben, aber ich kann es mir auch im Kopf merken oder vorlesen und auf Tonband aufnehmen. Das Gedicht ist unabhängig von dem Material, in welchem es aufgezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Geschichten==&lt;br /&gt;
Schon vor langer Zeit haben sich die Menschen gefragt, wo die Sachen herkommen, die sie nicht selbst machen könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die skandinavischen Völker erzählten eine Geschichte von einem Riesen, der von einer Kuh aus dem Eis freigeleckt worden waren.&lt;br /&gt;
*Die Ägypter erzählten von einem Urhügel, der aus dem Schlamm stieg und auf dem ein Lotos aufblühte.&lt;br /&gt;
*Menschen in der Steppe erzählten von einer ganz trockenen Erde. Dann stieg der Tau auf, und der Schöpfer legte einen Garten an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt aus diesen Geschichten, in welcher Umwelt die Völker lebten, die sie erzählten. Sie haben offenbar ihre Erfahrungen genutzt, um auch die Weltentstehung zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Schöpfungsgedicht (Genesis 1)==&lt;br /&gt;
Das Schöpfungsgedicht reimt sich zwar nicht, aber es ist doch ein Gedicht &#039;&#039;(genauer: eine Ballade),&#039;&#039; weil es Strophen hat, was man an den Wörtern und Sätzen erkennen kann, die sich immer wiederholen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Gott sprach ... und es geschah.&lt;br /&gt;
*Gott schied&amp;lt;ref name=&amp;quot;bara=scheiden&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Vgl. hierzu auch&#039;&#039; Thomas Pany (tp/blogs vom 13.10.2009): [http://www.heise.de/tp/blogs/6/146339 Gott ist nicht der Schöpfer aller Welt? • Eine renommierte niederländische Bibel-Exegetin übersetzt den ersten Satz der Genesis neu - zum Ärger von Kreationisten]&amp;lt;/ref&amp;gt; ...&lt;br /&gt;
*Gott sah, dass es gut war...&lt;br /&gt;
*Und es wurde Abend, und es wurde morgen. Erster (zweiter, dritter..) Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle zeigt die Struktur des Gedichtes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Tabelle zum Schöpfungsgedicht.jpg|thumb|center|600px|&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Struktur der Genesis 1&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Wenn man die in den ersten drei Tagen entstandenen Lebensräume den in den Tagen vier bis sechs entstandenen Wesen zuordnet, kommt man an zwei Stellen durcheinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Pflanzen sind am dritten Tag außer der Reihe geschaffen.&lt;br /&gt;
*Es sieht so aus, als würden die Wesen, die ab dem vierten Tag geschaffen werden, die Lebensräume füllen, die in den ersten drei Tagen geschaffen wurden. Ab dem fünften Tag wird dieses Schema außer Acht gelassen. Die Tiere werden nach ihrer Verwandschaft mit dem Menschen genannt. Die Erschaffung des Menschen ist offenbar Höhepunkt des ganzen Gedichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt gute Argumente dafür, dass die Juden ein Schöpfungsgedicht der Babylonier überarbeitet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Naturwissenschaft==&lt;br /&gt;
Den Naturwissenschaftlern stehen heute Fernrohre und Mikroskope zur Verfügung, mit denen sie die Tiefen des Universums und die kleinsten Teile der Lebewesen und der Materie erforschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben herausgefunden, dass unsere Erde ungefähr 4500 Millionen Jahre alt ist. Sie hat sich aus Staub und Gas gebildet, das bei der Explosion von Sternen entstanden ist, die noch viel früher existiert haben. Für das Weltall insgesamt wird ein Alter von 13700 Millionen Jahre angegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schöpfungsgedicht wurde vor fast 2600 Jahren geschrieben. Es ist unfair, den Menschen von damals vorzuwerfen, dass sie von unseren Kenntnissen noch keine Ahnung hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein guter Herr==&lt;br /&gt;
Der Mensch ist für Gott das wichtigste Wesen der Schöpfung. Ihn hat er als Herrn und Besitzer der Erde, der Pflanzen und Tiere eingesetzt. Daraus folgt aber auch eine große Verantwortung: Ein guter Herr geht mit seinen Sachen pfleglich um und gibt sie ohne Beschädigung an die nächste Generation weiter. Wie die Themen &amp;quot;[[Klimawandel]]&amp;quot;, &amp;quot;Umweltverschmutzung&amp;quot; und andere zeigen, sind wir Menschen oft nicht so gute Herren, sondern machen mehr kaputt, als nötig wäre. Das kann aber jeder Mensch an seinem Platz ändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.mdr.de/wissen/antworten/schoepfungsmythen-weltweit-religion-schoepfung-mensch-100.html Zusammenstellung verschiedener Schöpfungsmythen (MDR)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bibel im www===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[http://www.bibleserver.com/index.php Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift] (Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.)&lt;br /&gt;
*[http://www.bibleserver.com/index.php Bibel im Netz] (Bibleserver.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=132614</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=132614"/>
		<updated>2022-12-15T08:08:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Jesus als Lamm */ Fehlerkorrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am {{wpde|Jom Kippur|Versöhnungstag}} vollzog der Priester rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: &#039;&#039;An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.&#039;&#039; (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: &#039;&#039;Wir haben keinen König außer dem Kaiser.&#039;&#039; (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.&#039;&#039; (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu {{wpde|Pfingsten}} – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: &#039;&#039;Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: &#039;&#039;Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. &#039;&#039;(Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen,&#039;&#039; verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Macht -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der {{wpde|Stoa|stoischen}} Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und {{wpde|Orakel}} innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschildert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den {{wpde|Dalai Lama}}, {{wpde|Johannes Paul II}}, {{wpde|Mutter Teresa}} von Kalkutta, {{wpde|Martin Luther King}}, {{wpde|Mahatma Gandhi}}, {{wpde|Peter Benenson}} als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie {{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Benutzer:Antonius&amp;diff=131982</id>
		<title>Benutzer:Antonius</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Benutzer:Antonius&amp;diff=131982"/>
		<updated>2022-12-01T09:33:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{webmo staff&lt;br /&gt;
|username=Antonius&lt;br /&gt;
|vorname=Karl&lt;br /&gt;
|nachname=Vörckel&lt;br /&gt;
|ueber_mich=36 Jahre lang habe ich in Gießen und Laubach als katholischer Religionslehrer im Auftrag des Bistums Mainz gearbeitet. Seit meiner Pensionierung arbeite ich für das Medienhaus der katholischen Kirche Deutschlands in Bonn an einem Online Unterrichtswerk. In ZUM Unterrichten würde ich gerne die Materialien des ZBK (ZUM-Wiki-Buch Katholische Religion) überabeitet neu aufbauen. Es geht mir dabei um interaktive Angebote, mit denen Schülerinnen und Schüler unmittelbar arbeiten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.zum.de/ouw_kath/index.htm Begleitmaterial Online Unterrichtswerk katholische Religion]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.zum.de/kvoerckel/index.htm Unterrichtsdokumente und Schülermaterial]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://verein.zum.de/admidio ZUM Mitgliederverwaltung]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://apps.zum.de/accounts/antonius h5p Benutzerseite]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.zum.de/portal/ ZUM Startseite]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilder zur Bibel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Katholische Religionslehre]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Worms 1521]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Quantenphysik]]&lt;br /&gt;
|wiki db id=106&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Geist&amp;diff=131853</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Geist</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Geist&amp;diff=131853"/>
		<updated>2022-11-24T08:44:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Objektive Fähigkeiten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Intelligenz kann nicht künstlich hergestellt werden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Was Maschinen können und was nicht===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor 20 Jahren schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die künstliche Intelligenz in der Lage sein würde, den Menschen so weit nachzuahmen, dass er sich von seinen eigenen Produkten nicht mehr würde unterscheiden können. Inzwischen ist es um diesen Forschungszweig ruhiger geworden. Die Erkennung von Schreibmaschinenschrift hat gute Fortschritte gemacht, korrekte Handschrift wird vom Computer zu 95 % erkannt, besser ist es, man lernt eine Schrift wie Grafity, die auf Erkennbarkeit ausgelegt ist. Die Spracherkennung hat die Marke 80-prozentiger und 90-prozentiger Erkennungsgenauigkeit übertroffen, aber bei der 95-prozentigen Genauigkeit gibt es anscheinend eine schwer überwindliche Grenze. Wollte man weiterkommen, müsste die Maschine den Menschen verstehen, und das kann sie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo ist das Problem? – Wenn man das so exakt sagen könnte, dann könnte man das Problem beheben. Vielleicht kann man es so ausdrücken: &lt;br /&gt;
Eine Maschine verfügt immer nur über die Informationen, die man ihr einpro¬grammiert hat, oder auf deren Beschaffung man sie programmiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Ein Beispiel: Das Rechtschreibprogramm sucht nicht nach „Fehlern“ in einem Text, sondern es sucht exakt danach, ob die durch Freizeichen abgegrenzten Buchstabenfolgen im Text mit einer der Buchstabenfolgen im Wörterverzeichnis übereinstimmen oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist schon glaubhaft, dass es demnächst Programme gibt, die raffinierter sind, weil sie das Nutzerverhalten schärfer beobachten, verschiedene Informationen zusammenführen und dergleichen; das ändert aber nichts daran, dass es nicht mehr als zwei Informationsquellen gibt: Die Programmroutinen und die Nutzereingaben.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz dazu weiß ein Mensch stets, wenn auch manchmal grob und unscharf, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#was Wissen ist und wozu es gut ist,&lt;br /&gt;
#ob er eine bestimmte Sache wissen will,&lt;br /&gt;
#viele Dinge, die ihm niemand gesagt oder zu suchen befohlen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Problem des „Alltagswissens“ beschäftigt die Erforscher der Künstlichen Intelligenz (KI) mindestens seit Gründung der Firma Cycorp 1994. Das {{wpde|Cyc|Cyc}} - Projekt versucht alles, was Menschen wissen, den Common sense, in Form von 100 Millionen Basisaussagen zur Verfügung zu stellen. Darin ist zum Beispiel enthalten, dass es derselbe elektrische Strom ist, der in der Glühbirne das Licht, im Backofen die Hitze und bei Berührung Strom führender Leiter erhebliche Verletzungen verursacht. Wie auch andere Ansätze der KI-Forschung wird auch das Cyc-Projekt nützliche Anwendungen unterstützen (zum Beispiel bei der Zusammenführung von Datenbanken); aber es zeigt sich – wie so oft – gerade am „Erfolg“ eines Projektes, worin sich der Mensch von der Maschine unterscheidet: Es gelang nicht ein „Format“ von Wissen im Allgemeinen zu definieren, man weiß nicht, in welches „Formular“ man alles und jedes eintragen kann, was sich wissen lässt, und zwar so, dass die Maschine es dann, wenn sie danach sucht, auch sicher findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine kleine tabellarische Aufstellung benennt, worin heute Maschinen den (meisten) Menschen überlegen sind und umgekehrt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;background:#DDDDDD;&amp;quot; cellspacing=&amp;quot;5&amp;quot; cellpadding=&amp;quot;4&amp;quot; border=&amp;quot;2&amp;quot; &lt;br /&gt;
!Was Maschinen besser können&lt;br /&gt;
!Was der Mensch besser kann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Schach spielen&lt;br /&gt;
|Fußball spielen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Integrale berechnen&lt;br /&gt;
|Sich mit Gesten verständigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Daten wiederfinden&lt;br /&gt;
|Gesichter erkennen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Unbestechliche Kontrolle&lt;br /&gt;
|Sprache verstehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Komplizierte Entscheidungen&lt;br /&gt;
|Gehörtes Verstehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Arbeiten in lebensfeindlicher Umgebung&lt;br /&gt;
|Auto fahren&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei gemeinsame Prinzipien dieser Gegenüberstellung seien benannt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Der Mensch ist eine Einheit aus Körper und – ich sage das als Zugeständnis: – „Informationsverarbeitung“, die Maschine nicht. Für das Programm eines Computers ist es vollkommen egal, in welcher Form es physikalisch gespeichert ist, letztlich ist es für ein CAD Programm sogar gleichgültig, ob damit beispielsweise ein Roboter gesteuert wird, der wirklich Autos zusammenschweißt, oder ob das Programm nur am Bildschirm gestestet wird.&lt;br /&gt;
#Auch diejenigen Leistungen, die die Überlegenheit der Maschine zu zeigen scheinen, werden in unserem Gehirn „locker“ erbracht: Wir können ganz gut abschätzen, wie weit eine Bocciakugel fliegen wird, die wir werfen, ob wir mit unserer Sprungkraft über einen Graben kommen; ich weiß zwar manchmal nicht, wo ich meinen Hut habe, aber ich weiß mit unfehlbarer Gewissheit, dass ich einen gehabt habe, was „Haben“ bedeutet, wozu der Hut gut war, bei welchen Gelegenheiten ich ihn trug …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eben nur so, dass die Hauptmasse der Berechnungs- und Datenverarbeitungsleistungen des Gehirns dem Ich nicht bewusst werden. Wie viele nützliche Maschinen uns die KI-Forschung auch immer schenken wird, das Ich, die Seele, der Geist des Menschen spielt schlicht in einer anderen Liga, und zwar beginnend  mit den ersten Äußerungen des Foetus und des Babys. Davon im nächsten Kapitel mehr!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur Vorgeschichte der KI===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Künstliche Intelligenz“ lässt sich historisch gesehen in eine Reihe stellen von Menschenerklärungsversuchen, die stets etwas mehr versprachen, als sie dann halten konnten: Als im 17. und 18. Jahrhundert die mechanischen Systeme (wie Uhrwerke) perfekter wurden, schrieb {{wpde|Lammetrie|Lammetrie}} (1709-1751) ein Buch über die Menschenmaschine. Der genaiale Mechaniker {{wpde|Jacques de Vaucanson|Jacques de Vaucanson}} schien die Visionen des Maschinenmenschen der Realität nahezubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als {{wpde|Friedrich Wöhler|Friedrich Wöhler}} 1828 erstmals einen organischen Stoff aus anorganischen Vorstufen synthetisierte, fügte {{wpde|Goethe}} in seinen Faust II die Figur des {{wpde|Homunculus|Homunculus}}, des künstlich geschaffenen Menschen, ein, nachdem er bereits in seinem Roman die {{wpde|Wahlverwandschaften|Wahlverwandschaften}} (1809) mit der Chemie als Metapher für menschliches Verhalten gespielt hatte. Zeitlich parallel entstammt {{wpde|Mary Shelley|Mary Shelley}}s Figur {{wpde|Frankenstein (Roman)|Frankenstein}} (1819) einem ähnlichen Denken, bezieht aber neben der Anatomie vor allem die Elektrizität in die Menschen nachahmende Phantasiebildung ein. In unserer Zeit sind es vor allem die Biochemie und die Computersimulation, die das Versprechen auf ein vollständiges Verstehen des „System Mensch“, doch die {{wpde|Künstliche Intelligenz|KI-Forschung}} ist bereits in ein Stadium eingetreten, in welchem wir des grundsätzlichen Unterschiedes ansichtig werden zwischen Informationsverarbeitung und dem, was ein Geist tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neurologie und Anthropologie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lokalisierung von Gehirnaktivitäten durch bildgebende Verfahren===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biologie und Medizin versuchen seit langem den &#039;&#039;&#039;materiellen Strukturen des menschlichen Gehirns&#039;&#039;&#039; die &#039;&#039;&#039;Leistungen des menschlichen Geistes&#039;&#039;&#039; zuzuordnen. Naheliegend ist es zu beobachten, welche geistigen Leistungen ausfallen, wenn bestimmte Areale des Gehirns durch einen Gehirnschlag oder einen Tumor geschädigt sind. So weiß man, welche Gebiete des Gehirns damit beschäftigt sind zu sprechen und Sprache zu verstehen. Eine feinere Auflösung wird durch moderne bildgebende Verfahren&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Universität des Saarlandes hat auf ihrer homepage eine gute [http://www.htw-saarland.de/Members/michael.moeller/BMTImgSys/bildgebendeverfahren_tdoh_2008_ohne_video.pdf Übersicht über die bildgebenden Verfahren in der Medizin], aus der man sich vor allem über die technische Seite unterrichten kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; erreicht, die Gehirnaktivitäten beim lebendigen Menschen in guter räumlicher Zuordnung sichtbar machen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Forschungen haben aber niemals Ergebnisse der Art gebracht: „Da ist das Gehirngebiet, in dem alle Gesichter und die zugehörigen Namen abgespeichert sind.“ oder: „In dieser Gehirnregion sind alle Bilder von Möbeln.“ Die Ergebnisse lauten vielmehr: „Wenn der Mensch an Personen, Tiere oder Werkzeuge denkt, sind bestimmte Bereiche des Temporallappens der Großhirnrinde besonders aktiv.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Wenn man daraus ohne weiteres schließt, dass die Gedanken an Personen, Tiere oder Werkzeuge an dieser Stelle „gedacht werden“, könnte man aber ziemlich falsch liegen. Mit einem Gedankenexperiment möchte ich das verdeutlichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Gedankenexperiment: Ein Geheimdienst möchte gerne bestimmte Daten eines Computers stehlen, kann aber das ganze Gerät nicht mitnehmen, und man möchte herausfinden, in welchem Speicherbereich sich die Daten befinden. Man stellt fest, dass in einem USB-Stick Aktivität festzustellen ist, wenn die gesuchten Daten abgerufen werden; zur Sicherheit wird noch getestet, was passiert, wenn man den Stick entfernt, und siehe da: Die Daten sind weg. Schön, dass man nur das kleine Teil mitzunehmen braucht. Bei der Analyse zu Hause stellt man allerdings fest, dass auf dem Stick nur der Passwortmanager gespeichert ist, der bei Aufruf der geschützten Daten das Passwort liefern muss. Die Daten selbst befinden sich auf einem anderen Träger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bloßen Feststellung von „Aktivität“ (Stromverbrauch im Falle eines Computers, Sauerstoffverbrauch im Falle der Gehirn-Untersuchung) kann durchaus nicht geschlossen werden, &#039;&#039;&#039;welcher Beitrag zur Informationsverarbeitung&#039;&#039;&#039; am Ort der Aktivität geleistet wird, solange man das System insgesamt nicht versteht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir nach langen Jahren der Forschung von der Arbeitsweise des Gehirns wissen, hat tendenziell immer weiter weggeführt von unserer Selbstwahrnehmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Beispiel: Es gibt die Krankheit der Aphasie; unter der Menschen leiden, die zwar der Melodie gesprochener Sprache entnehmen können, welche Emotionen der Sprecher ausdrückt, aber sie können Sprache nicht hinsichtlich ihrer Wortbedeutungen und Grammatik analysieren. Im normalen Gespräch fallen solche Leute kaum auf, weil sie auf unsere emotional getönte Sprache meist sinnvoll reagieren. Gegenüber einer gleichförmig vorgetragenen Computerstimme sind sie machtlos. Die gegenteilige Entsprechung, Agnosie genannt - der Verlust der Fähigkeitdie Tonmelodie wahrzunehmen bei Erhalt der Fähigkeit, den grammatischen und lexikalischen Sinn des Gesprochenen zu verstehen -, ist viel seltener. Für beide Fähigkeiten sind weit voneinander entfernte Areale des Gehirns zuständig, denn sonst könnte ja nicht eine der Fähigkeiten durch Gehirnschädigung ausfallen und die andere erhalten bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nun der entscheidende Punkt: In unserer normalen Redepraxis war uns nie aufgefallen, dass das Erkennen von Grammatik und Wörtern eine ganz andere Leistung ist als das Erkennen der Sprachmelodie und ihrer Gefühlstönung. Wir sprechen einfach und verstehen, was gesagt wird, und zu Bewusstsein kommen uns nur diese Inhalte.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Beispiel: Jeder und jede hat wohl schon die &#039;&#039;&#039;Erfahrung des Trainings&#039;&#039;&#039; gemacht, etwa beim Erlernen des Autofahrens. Während man anfangs sehr bewusst den Fuß auf Gas und Kupplung führen muss und häufiger durch falsche Abstimmung den Motor abwürgt, geht einem der richtige Bewegungsablauf im Laufe des Trainings &#039;&#039;in Fleich und Blut über&#039;&#039;, wie der Volksmund sehr treffend sagt. Autofahrer, die schon ein paar tausend Kilometer gefahren sind, brauchen nicht mehr darüber nachzudenken, wie sie die Füße bewegen müssen, um anzufahren.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wie ist das Bewusstsein in der Materie des Gehirns abgebildet?===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Frage kann man nicht exakt beantworten, aber meines Erachtens nicht deshalb, weil wir noch nicht genug wissen, sondern weil die richtige Antwort allzu exakte Angaben ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Vergleich: Mit dem Gehirn ist es wie mit dem Wetter: Alle {{wpde|Navier-Stokes-Gleichungen|physikalischen Prinzipien}}, die das Verhalten flüssiger und gasförmiger Körper bestimmen,  sind wohlbekannt, aber gerade daher wissen wir, dass die Vorhersage des Wetters, abhängig von der Daten- und Wetterlage, mal für drei bis sechs Tage, mal für zehn bis 14 Tage zuverlässig ist und nicht länger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So resultiert aus der Hirnforschung, dass &amp;quot;Gedanken&amp;quot; und &amp;quot;Gefühle&amp;quot;, &amp;quot;Aufmerksamkeit&amp;quot; und &amp;quot;Schlafen&amp;quot; im Gehirn repräsentiert sind durch koordinierte Aktivität zahlreicher einzelner Nervenzellen, analog der Bewegung zahlreicher Luftmoleküle, die sich gegenseitig beeinflussen. Gerade darum ist das Verhalten des Gehirns nicht langfristig vorhersagbar.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im EEG, das die Aktivität des gesamten Gehirns misst, finden sich charakteristische Wellenmuster. Diese Muster korrespondieren Aussagen wie: „Ich bin hellwach“, „Ich fühle mich schläfrig“,  „Ich bin aufgeregt“. „Ich bin gestresst“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Befindlichkeiten_sind_im_EEG_zu_sehen.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Gerüche und Entscheidungen konnten mit charakteristischen Wellenmustern identifiziert werden, allerdings nur individuell: Die Forschungsergebnisse an einer Person sind also nicht auf eine andere übertragbar; die Methode eignet sich nicht zum Lesen unbekannter Gedanken unbekannter Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Beispiel: Sehr viel Wirbel erregte das {{wpde|Libet-Experiment|Libet-Experiment}}, vor allem, weil es entgegen den Intentionen von Benjamin Libet als Test der Willensfreiheit gedeutet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Libet bat seine Probanden eine Hand zu bewegen. In einer Versuchsreihe sollten sie das sofort tun, wenn sie den &amp;quot;Drang&amp;quot; dazu verspürten, in einer anderen Reihe sollten sie eine Sekunde mit der Ausführung ihrer Absicht warten. Zugleich sollten sie sich in dem Augenblick, in dem sie den Entschluss fassten, genau die Zeigerstellung einer Uhr merken, die sie ständig sahen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei zeigte sich, dass im EEG der Entschluss um 0,2 Sekunden früher nachweisbar war als die Probanden selbst ihren Entschluss bemerkten. Anders gesagt: Die Zeigerkonstellation, die für die Probanden den Zeitpunkt des Entschlusses markierte, lag 0,2 Sekunden später als der Zeitpunkt, an dem im EEG anhand individuell ermittelter charakteristischer Veränderungen bereits erkennbar war, dass sich der Proband zur Armbewegung entschließen würde.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man eine physikalische Analogie der Gedanken sucht, dann ist der Begriff des {{wpde|Attraktor|Attraktors}} hilfreich. Attraktoren bilden sich in physikalischen Systemen, die aus sehr vielen Teilen bestehen, die sich gegenseitig beeinflussen. Außerdem handelt es sich um Systeme, die sich dauerhaft im Ungleichgewicht befinden. In einer solchen Ungleichgewichtslage erzeugen die beteiligten Kräfte oft dennoch eine für eine Zeit stabile Erscheinung. Beispiele für Attraktoren sind Wolken, Tiefdruckgebiete, Strudel im Fluss, Kerzenflammen, Protonen, Atome, Galaxien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebewesen befinden sich ebenfalls in einem chemisch-physikalischen Ungleichgewicht, man spricht von einem {{wpde|Fließgleichgewicht|Fließgleichgewicht}} (steady-state). Die Stabilität lebendiger Materie und ihrer Formen besteht ja nicht in ihren materiellen Bestandteilen, sondern in der Kontinuität charakteristischer biochemischer Prozesse. Man kann also auch von Attraktoren sprechen, wenn das Wachstum von Organismen immer wieder charakteristische Formen, nie aber exakte Kopien hervorbringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne sind auch &amp;quot;Gedanken&amp;quot;, &amp;quot;Gefühle&amp;quot; und &amp;quot;Entscheidungen&amp;quot; physikalisch gesehen Attraktoren in der koordinierten Aktivität von Milliarden Nervenzellen - und eben darum individuell und nicht längerfristig (was im Gehirn schon mit 2 Sekunden anfängt) vorhersagbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthropologische Folgerungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vorangegangenen Überlegungen können selbstverständlich nur einen allerersten Einblick geben in Forschungsgebiete, die sich schon deshalb einer zusammenfassenden Darstellung sperren, weil die Forschung ständig weitergeht – und zwar mit Bahn brechenden Entdeckungen und Paradigmenwechseln. Gleichwohl können die folgenden – für eine theologische Anthropologie relevanten – Aussagen mit guten Gründen formuliert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|	&lt;br /&gt;
# Die Prozesse in unserem Gehirn, die uns als Gedanken bewusst werden, sind nicht im physikalischen Sinne determiniert. Wir erleben uns auch so, dass es keine zwingenden Übergänge von einem Gedanken zum nächsten, von einem Entschluss zum nächsten gibt.&lt;br /&gt;
# Attraktoren sind aber voneinander eindeutig unterscheidbare Zustände; das entspricht unserem Erleben: Wir können den Gedanken an einen Stuhl von dem Gedanken an einen Tisch und auch noch sehr viel feinere Abstufungen absolut unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Auf die Frage nach der Ursache unserer Gedanken könnten wir einfach nur antworten: Es gibt keine Ursache. Es ist wie mit dem Wetter: Es gibt physikalische Prinzipien und Umgebungsbedingungen, aber welche Attraktoren jeweils die Oberhand gewinnen, bleibt dem Zufall überlassen.&lt;br /&gt;
# Aber wir erleben es anders. Ich kenne das schon, dass ich meine Gedanken frei schweifen lasse und darauf warte, was mir einfällt. Aber ich kenne auch das: Ich nehme mich zusammen und richte meine Aufmerksamkeit auf einen Punkt, ich suche gezielt nach der Lösung einer bestimmten Frage. Das ist ja die eigentliche Tätigkeit des Bewusstseins, des „Ich“.&lt;br /&gt;
# An dieser Stelle muss die Physik passen. Eine Ursache, die die Zufallsbewegung von Milliarden Einzelteilen lenkt, die Attraktoren eine bestimmte Richtung vorgibt, ist in der Physik nicht vorgesehen. &lt;br /&gt;
# Das begrenzt auch die Möglichkeit künstlicher Herstellung von Intelligenz. Auch dazu ein Gedankenexperiment: Forscher konstruieren eine Art neuronales Netz  und überlassen dessen Aktivität dem Zufall. Wenn dieses neuronale Netzwerk auf einmal „intelligente“ Aktivitäten zeigen würde, beispielsweise sich bei seinen Programmierern für seine Existenz bedanken, wüssten wir nicht, wie es dahin gelangt ist. Die Theorie, eine „Seele“ habe von dem neuronalen Netz Besitz ergriffen, wäre plausibler als die Erklärung zielstrebigen Verhaltens durch Zufall (der nun mal der Inbegriff der Negation von Zielstrebigkeit ist).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Kirche lehrt:&amp;lt;ref&amp;gt;Auszüge aus dem [http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM Katechismus der katholischen Kirche] (ab jetzt: KKK)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
382 Der Mensch ist in Leib und Seele einer [GS 14,1]. Die Glaubenslehre sagt, dass die geistige, unsterbliche Seele unmittelbar von Gott erschaffen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
357 Weil er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, hat der Mensch die Würde, Person zu sein; er ist nicht bloß etwas, sondern jemand. Er ist imstande, sich zu erkennen, über sich Herr zu sein, sich in Freiheit hinzugeben und in Gemeinschaft mit anderen Personen zu treten, und er ist aus Gnade zu einem Bund mit seinem Schöpfer berufen, um diesem eine Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben, die niemand anderer an seiner Stelle geben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1730 Gott hat den Menschen als vernunftbegabtes Wesen erschaffen und ihm die Würde einer Person verliehen, die aus eigenem Antrieb handelt und über ihre Handlungen Herr ist. Gott wollte nämlich den Menschen ‚der Macht der eigenen Entscheidung überlassen‘ [Sir 15,14], so dass er von sich aus seinen Schöpfer suche und frei zur vollen und seligen Vollendung gelange, indem er ihm anhängt [GS 17].&lt;br /&gt;
Der Mensch ist vernünftig und dadurch das Ebenbild Gottes, geschaffen in Freiheit und Herr seines Tuns. [Irenäus, hær. 4,4,3]&lt;br /&gt;
|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geist ist das Arbeiten mit Sinn.==&lt;br /&gt;
Wie alle alltagssprachlichen Begriffe, mit denen der Geist sich auf seine eigene Funktionsweise bezieht, hat auch der Begriff &amp;quot;Sinn&amp;quot; eine metaphorische Vorgeschichte. Die ursprüngliche Bedeutung des altdeutschen Wortes &amp;quot;Sinn&amp;quot; kommt noch in Zusammensetzungen zum Ausdruck wie &amp;quot;Uhrzeigersinn&amp;quot;. Gemeint ist die &#039;&#039;&#039;Richtung&#039;&#039;&#039;, in die sich etwas bewegt. &amp;quot;Bedeutung&amp;quot; kommt vom Deuten mit dem Finger, zu dem das Baby eines seiner ersten Wörter sagt: &amp;quot;Da&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinn, Bedeutung: Die Begriffe bezeichnen die paradoxe Eigenschaft von Dingen, mehr zu sein, als sie (im physikalischen Sinne) sind: Ein Drucker mag sich über die chemische Zusammensetzung des Schwarz der gedruckten Buchstaben Gedanken machen: Den Leser interessiert, für was sie stehen. Er setzt sie zu Wörtern und Sätzen zusammen, lässt sich zu Emotionen bewegen, findet eine Romanstelle spannend oder eine Nachricht entsetzlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Dinge in unserer Umgebung nehmen wir nicht einfach deshalb wahr, weil sie eben da sind, sondern weil sie uns etwas bedeuten, weil wir sie erkennen wollen um unsere Ziele erreichen, unsere Aufgaben erledigen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An ihren Fehlern sollt ihr sie erkennen!===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rote_Kugeln.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man weiß ja, worauf es hinausläuft, und wenn man nachmisst, wird es bestätigt: Die beiden roten Kugeln sind exakt gleich groß. Und doch &#039;&#039;&#039;sieht&#039;&#039;&#039; man es nicht so: Denn unser Verstand unterstellt eine dreidimensionale Realität; er unterscheidet relative und absolute Größen und ermittelt seine Abschätzungen durch Vergleich mit der Umgebung. Also nehmen wir auf der linken Seite eine Situation an, die uns näher liegt als die auf der rechten, und darum halten wir die linke rote Kugel für kleiner und die rechte für größer, weil sie trotz angenommener weiterer Entfernung gleich groß aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Farbenspiel.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch können wir uns wider besseres Wissen nicht enthalten, das Türkis im hellen Feld dunkler wahrzunehmen als das Türkis im dunklen Feld, obgleich es sich um dieselbe Farbe handelt. Die Leistung, die hier getäuscht wird, setzt uns zum Beispiel in Stand, zu unterscheiden, ob unser Nachbar im Urlaub seine Hautfarbe verändert hat, oder ob sich die Lichtverhältnisse verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|&lt;br /&gt;
Die Eigenschaften der Wahrnehmung (die sie auch täuschbar machen):&lt;br /&gt;
#Die Wahrnehmung unterstellt eine dreidimensionale Wirklichkeit&lt;br /&gt;
#Sie erstrebt Dingkonstanz, das heißt näherhin&lt;br /&gt;
##Raumkonstanz: Der Raum wird bei eigener Bewegung als stehend erlebt.&lt;br /&gt;
##Farbkonstanz: Die Farbe des Objektes wird mit der Farbe des Lichtes verrechnet. Z.B: Ich sehe etwas anderes, wenn das Licht gedimmt wird, oder wenn jemand gebräunt aus dem Urlaub kommt, obwohl die objektiv auf der Netzhaut auftreffenden Lichtwellen vielleicht in beiden Fällen dieselbe Frequenz haben.&lt;br /&gt;
##Größenkonstanz: Trotz unterschiedlicher Entfernung bleibt die Größe der Dinge gleich.&lt;br /&gt;
##Vollständigkeitskonstanz: Auch verdeckte Objekte werden als vollständig angesehen.&lt;br /&gt;
##Personenkonstanz: Dieselbe Person wird in unterschiedlichsten Kontexten wiedererkannt.&lt;br /&gt;
#Die Wahrnehmung ist holografisch: Einem Objekt - zum Beispiel einem Gesicht - entspricht eine unendliche Menge möglicher Sinneseindrücke aus verschiedenen Perspektiven, in unterschiedlicher Beleuchtung usw..&lt;br /&gt;
#Die Wahrnehmung ist dialogisch. (Zwischen unserer Aufmerksamkeit und den wahrgenommenen Objekten entwickelt sich eine Art Dialog, z.B. Im Augenwinkel nehme ich etwas wahr; es könnte ein Vogel sein, der mich interessiert; ich beachte es näher und will genauer wissen was es ist; es stellt sich als ein vom Wind bewegtes Blatt heraus, meine Aufmerksamkeit wendet sich Interessanterem zu.&lt;br /&gt;
|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Baerhinterbaum.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Zeichnung kommen wir dem evolutionären Vorteil der Dingkonstanz näher: Obwohl ein Blatt Papier ebenso flach ist wie ein PC-Bildschirm, konstruiert unsere Wahrnehmung ohne Umschweife eine dreidimensionale Szene: Ein Bär, der sich am Baum festhält, von dem aber nur vier Tatzen und die Ohren zu sehen sind. Es ist klar, dass einem Lebewesen die wenigen Andeutungen genügen müssen, um eine Situation einschätzen zu können. Denn wenn hinter dem Baum ein Bär ist, könnte es für eine Flucht reichlich spät sein, wenn man wartet, bis er sich vollständig zeigt und zum Angriff übergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Freiheit===&lt;br /&gt;
Freiheit ist nicht die Fähigkeit, zwischen roten und grünen Drops, also beliebigen Alternativen, wählen zu können (wie einige Experimente suggerieren). Freiheit ist vielmehr die Fähigkeit, sinnvoll zu handeln. Die alternative Erklärung des menschlichen Handelns lautet „Zufall“.  Wir erleben unser Handeln aber als beabsichtigt und nicht als zufällig. Freiheit ist auch nicht der Normalfall, sondern eine Spitzenleistung des menschlichen Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist fähig zur Beobachtung und Beurteilung des eigenen Verhaltens (reditio completa in seipsum). Diese Fähigkeit heißt &amp;quot;Gewissen&amp;quot; (conscientia, Syneidesis). Diese Fähigkeit muss gepflegt werden und reifen. Man wird nicht Fünfjährigen ein Küchenmesser geben, Zehnjährige nicht auf der Straße Auto fahren lassen, und man wird Zwanzigjährige nicht ins Bundeskanzleramt wählen. Aber mancher Fünfzigjährige benimmt sich auf der Straße wie ein Halbwüchsiger, weil er eben sein Gewissen als Verkehrteilnehmer nicht weiter entwickelt hat anhand seiner Erfahrungen im Verkehr und seiner Lebenserfahrung insgesamt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Kirche lehrt:&amp;lt;ref&amp;gt;KKK siehe oben!&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1733 Je mehr man das Gute tut, desto freier wird man. Wahre Freiheit gibt es nur im Dienst des Guten und der Gerechtigkeit. Die Entscheidung zum Ungehorsam und zum Bösen ist ein Missbrauch der Freiheit und macht zum Sklaven der Sünde.|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man insbesondere dann, wenn Menschen sich einer an sich guten Sache (Arbeit, Konsum, Spaß, Sexualität, Alkohol oder andere Drogen) in einem solchen Maß hingeben, dass sie die Kontrolle verlieren. Suchtkranke Menschen sind wirklich zum Sklaven ihres Suchtmittels geworden und deshalb ein deutliches Bild dessen, was das Christentum unter &amp;quot;Sünde&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Auf ein Ziel hin geschaffen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sinne des Christentums ist der Mensch auf ein Ziel hin geschaffen. Das Konstruieren von Bedeutungen, von Sinn, die Formulierung und Verwirklichung von Absichten, ist für Christen auch ein Erkennen des Sinnes, für den die Dinge von ihrem Schöpfer gemacht wurden, und eine Nachfolge, ein Gehorsam den Absichten gegenüber, die der Schöpfer mit der Welt von Anfang an verband: Dabe geht es um das &amp;quot;Reich Gottes&amp;quot;, und das heißt zweierlei: Glück für jeden einzelnen und Frieden für alle zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Kirche lehrt:&amp;lt;ref&amp;gt;KKK, siehe oben!&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
163 Der Glaube lässt uns schon im voraus die Freude und das Licht der beseligenden Gottesschau genießen, die das Ziel unseres irdischen Weges ist. Wir werden dann Gott von Angesicht zu Angesicht  [1 Kor 13,12], wie er ist [1 Joh 3,2], sehen. Der Glaube ist somit schon der Beginn des ewigen Lebens.&lt;br /&gt;
Wir erwarten den Genuss der uns aus Gnade verheißenen Güter. Wenn wir sie im Glauben wie in einem Spiegel betrachten, sind sie uns schon gegenwärtig. [Basilius, Spir. 15,36 Vgl. Thomas v. A., s. th. 2-2,4,1.]&lt;br /&gt;
|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lernen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lernen&#039;&#039; definierte Konrad Lorenz als &#039;&#039;erfahrungsbedingte Verhaltensändernung&#039;&#039;. Nach dieser Definition wäre die Entwicklung einer Drogensucht ebenso &amp;quot;Lernen&amp;quot; wie das Einüben der Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort &amp;quot;Lernen&amp;quot; hängt mit einem gotischen Wort zusammen, das &amp;quot;nachspüren&amp;quot; bedeutet; das stammverwandte Wort &amp;quot;Leisten&amp;quot; bezeichnet den aus Holz nachgebildeten Fuß, mithilfe dessen der Schuster einen Schuh anpasst. Es ist also keine richtungslose Verhaltensänderung, sondern eine angestebte, die wir &amp;quot;Lernen&amp;quot; nennen. Dabei gibt es zunächst noch zwei Möglichkeiten: In Elternhaus und Schule sind Lernziele vorgegeben. Das reicht vom Beispiel der Eltern und Lehrer bis zu ausformulierten Curricula und Lehrplänen. Doch von früher Kindheit an ist es schwierig bis unmöglich, dem Kind etwas gegen seinen Willen &amp;quot;beizubringen&amp;quot;. Von Erwachsenen erwarten wir, dass sie sich selbst Ziele setzen und ihre Lernfortschritte gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlegende Lernziele enthält die nachfolgende Tabelle. Dabei ist in dem &amp;quot;muss&amp;quot; nicht so sehr eine normative Idee ausgedrückt, sondern die Tatsache, dass der Mensch Laufen, Lesen, sich schämen usw. nicht von Geburt an kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lernenmuessen.jpg|600px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Kirche lehrt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2228 Die Achtung und die Liebe der Eltern gegenüber ihren Kindern zeigt sich während dder ersten Jahre in der Sorge und Zuwendung, mit der sie ihre Kinder erziehen und deren leibliche und geistige Bedürfnisse stillen. Wenn die Kinder heranwachsen, werden die Eltern aufgund der gleichen Achtung und Hingabe ihre Kinder dazu anleiten, Vernunft und Freiheit recht zu gebrauchen.&amp;lt;ref&amp;gt;KKK, Link siehe oben&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Objektive Fähigkeiten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wpde|Burrhus_Frederic_Skinner|Skinner}} verstand Lernen als Wirkung von {{wpde|Konditionierung|Konditionierung}}. Belohnung und Bestrafung sollten Tiere und Menschen dazu bewegen, bestimmte Verhaltenweisen zu zeigen oder sie zu meiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Beispiel: Skinner hielt Tauben in weitgehend leeren und sterilen Käfigen. In regelmäßigen Abständen wurden sie mit Futter belohnt. Nach ein paar dutzend Zyklen beobachtete Skinner, dass die Tauben in konstanter Wiederholung eigenartige Bewegungen vollführten - Kopfnicken, Fußscharren, Flügelschlagen - und zwar jede eine andere. Skinner deutete diese Beobachtung so, dass die Tiere gerade im Moment der Futtergabe eine bestimmte Bewegung machten, die sie dann mit dem Futter assoziierten und von da an gezielt ausführten, um wieder Futter zu bekommen. Skinner erklärte mit diesem Mechanismus die Existenz von religiösen Riten, zum Beispiel Regentänzen: Bis es wieder Regen gibt, dauert es eine Weile, ob getanzt wird oder nicht. Da die Menschen aber einmal getanzt haben, als Regen kam, werden sie jetzt immer tanzen, wenn sie auf Regen warten, und sie denken, dass sie tanzen müssen, damit Regen kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einfaches Experment, das jüngst Peter Brugger durchführte,&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.welt.de/wissenschaft/article5570537/Wie-die-Gehirne-von-Glaeubigen-funktionieren.html Bruggers Experiment]&amp;lt;/ref&amp;gt; scheint die Erklärung zu bestätigen: In einem PC-Spiel mussten die Probanden eine Maus in einen Kasten führen: Brauchten sie dafür weniger als 5 Sekunden, schnappte eine Falle zu, brauchten sie länger, gab&#039;s Käse zur Belohnung. Nur zwei von 40 Spielern durchschauten den Mechanismus innerhalb von hundert Durchläufen des Experimentes, die anderen glaubten, dass man die Maus auf einem mehr oder weniger komplizierten Weg über den Bildschirm führen müsse, um an den Käse zu kommen.&lt;br /&gt;
|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat erklärt der Ansatz der Konditionierung nicht einmal, dass ein Kind laufen lernt. Über das Laufenlernen und den Spracherwerb sollen daher zwei kurze Unterabschnitte unterrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Laufen lernen====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn ein Kind einmal auf die heiße Herdplatte gefasst hat, macht es das nie wieder.&#039;&#039; Diese Maxime einer etwas herzlosen Erziehung wird zwar häufig herumgereicht; sie ist aber ebenso dümmlich wie die andere: &#039;&#039;Ein Klaps hat noch niemandem geschadet.&#039;&#039; Denn das Belohnungs- und Bestrafungsprinzip kann nicht mal erklären, warum ein Kind laufen lernt, denn die Belohnung dafür ist vorerst gewiss nicht, sich schneller bewegen zu können, und es gibt zahllose Strafreize: Hinfallen, Sich wehtun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Beispiel: Viele Kinder können ja vor dem Laufen schon krabbeln, und sie kommen damit zunächst schneller voran als mit dem noch unsicheren Gehen. Ich habe einmal ein Kind beobachtet, das schnell in der gegenüberliegenden Seite des Zimmers sein wollte (Die Oma gab etwas Leckeres aus, und der ältere Bruder rannte schon hin.), und sich, des Gehens seit wenigen Tagen mächtig, mit unsicheren Schritten auf den Weg. Als es bemerkte, dass das dauerte, ließ es sich auf die Knie fallen und krabbelte mit der doppelten Geschwindigkeit auf sein Ziel los. Trotzdem erhob sich das Kind bei nächster Gelegenheit wieder auf zwei Beine und setzte sein Lauftraining fort.|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind hat offenbar den Willen laufen zu lernen, und der entstammt der Nachahmung. Es sieht seine Eltern und andere Bezugspersonen auf zwei Beinen, es fühlt zu gegebener Zeit in sich die Fähigkeit, es den anderen gleich zu tun, und dann trainiert es, bis das Laufen klappt. Bei Laufen wird das Kind normalerweise nicht durch Entmutigung um den Erfolg seiner Bemühung gebracht. Auch das Sprechen lernen die meisten Kinder - trotz entgegenstehender Erfahrungen. Bei den späteren Lernthemen - Forschen, fremde kulturen verstehen - ist das nicht mehr so selbstverständlich, denn je älter das Kind wird, je anspruchsvoller die Lernthemen werden, desto stärker wird das Lernenwollen durch einer Auseinandersetzung des Ich mit der sozialen Umwelt in eine bestimmte Richtung tendieren, die nicht mehr für alle Kinder dieselbe ist. So ist der Schulerfolg der Zahl der Bücher in der elterlichen Bibliothek proportional: Wenn es keine Anregung gibt, warum soll das Kind dann sein Lesen weiterentwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sprechen lernen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spracherwerb umfasst vier Lernvorgänge:&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe zum Beispiel die Webseite [http://www.mutterspracherwerb.de/kurzdar1.htm &#039;&#039;Mutterspracherwerb.de&#039;&#039;] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Lautbildung: Das Kind muss aus den vielen Geräuschen seiner Umgebung die Laute der Muttersprache heraushören und üben, diese Laute nachzubilden. Dies ist nicht lebenslang möglich, daher kann man nur im Alter bis zu etwas 5-7 Jahren eine Fremdsprache akzentfrei sprechen lernen.&lt;br /&gt;
#Grammatik: Alle gesunden Kinder lernen, alle Funkionen der Grammatik zu gebrauchen. Dabei wird den Kindern zwar &amp;quot;meinem Vater sein Hut&amp;quot; als &amp;quot;Grammatikfehler&amp;quot; in in der Schule angestrichen, aber die Funktion der Besitzanzeige verrichtet &amp;quot;meinem Vater sein Hut&amp;quot; genau so gut wie &amp;quot;meines Vaters Hut&amp;quot;. Es sind diese Funktionen der Grammatik - Ich, Du, Objekt, Besitz, vorher, nachher, usw. -, über die alle verfügen, wenn auch manche nicht in hochsprachlicher, sondern zum Beispiel in mundartlicher Form.&lt;br /&gt;
#Lexikon: Die Kinder lernen, welche Worte welche Sachen bezeichnen. Dabei gibt es ein soziales Schicksal. Ein Kind, das auf die Frage, &amp;quot;Was ist das?&amp;quot; die Antwort bekommt: &amp;quot;Das ist ein Rotkehlchen, hör mal hin, wie schön es singt!&amp;quot; wird zu einer differenzierteren Sprache angeregt als ein Kind, das gesagt bekommt &amp;quot;Das ist ein Vogel.&amp;quot; oder - schlimmer noch -: &amp;quot;Was soll da schon sein, lass mich in Ruh!&amp;quot;&lt;br /&gt;
#Pragmatik: Schließlich lernen Kinder, mit ihrer Sprache etwas zu erreichen. Wir können andere mitreißen, sie überreden, sie zum Mitleiden bewegen und vielen andere mit der Sprache tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Emotionale Intelligenz===&lt;br /&gt;
Der Begriff stammt von Daniel Goleman. &amp;lt;ref&amp;gt;Daniel Goleman: Emotionale Intelligenz, dt. München 1996&amp;lt;/ref&amp;gt; Er befasst sich mit folgenden miteinander zusammenhängenden Themen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Golemans_Themen.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|Begriff&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Erklärung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Grundfertigkeiten====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|Achtsamkeit&lt;br /&gt;
|Die Fähigkeit, seine eigenen Gefühle zu deuten, zu verstehen und auch auszudrücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Empathie&lt;br /&gt;
|Die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu verstehen und richtig darauf zu reagieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Beherrschung&lt;br /&gt;
|Die Fähigkeit, sofortige Befriedigung eines Bedürfnisses aufzuschieben um übergeordneter Ziele willen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Gelassenheit&lt;br /&gt;
|Die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und seine Ängste und Sorgen zu überwinden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Defizite====&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|Angst&lt;br /&gt;
|Besorgnisse beherrschen mein ganzes Denken, ich bin nicht in der Lage, mich von ihnen zu befreien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Pessimismus&lt;br /&gt;
|Mich quält die Vorstellung, daß alles schlecht ausgeht, ich selbst nichts kann und an allem schuld bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Langeweile&lt;br /&gt;
|Nichts macht mir Spaß, nichts erfüllt mich, nie habe ich das Gefühl ganz bei mir zu sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Wut&lt;br /&gt;
|Bei der kleinsten Erregung brause ich auf und bin unabweislich aufgeregt und feindselig&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Symptome====&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|Aggressivität&lt;br /&gt;
|Soziale Konflikte können nicht anders gemeistert werden als mit Dreinschlagen ohne Rücksicht auf die Schäden bei anderen, aber auch beim Aggressor selbst.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Depression&lt;br /&gt;
|Negative Stimmungen verdichten sich zur Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, effektiv zu arbeiten und zu lieben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Sucht&lt;br /&gt;
|Negative Stimmungen können nur mit bestimmten Drogen überwunden werden, nur im Rausch fühlt man sich „normal“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Religion===&lt;br /&gt;
Mit den vorgenannten Lernthemen könnte man das, was der Mensch lernen muss, als zuende beschrieben ansehen. Aber darüber hinaus lernt das Kind unvermeidlich auch Handlungsweisen und Einichtungen kennen, die eindeutig mit Transzendenz zu tun haben, und es macht sie nach oder lernt auch, die Nachahmung zu verweigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Nachahmung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Feiern hat einen religiösen Hintergrund: Einen Tag - den Geburtstag - als einen besonderen auszeichnen, zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder Erntedank von der Natur vorgegebene Gedanken symbolisch verdichten.&lt;br /&gt;
*Segnen - &amp;quot;Guten Tag!&amp;quot;, &amp;quot;Lassen Sie es sich gut gehen&amp;quot;, &amp;quot;Grüß Gott&amp;quot;, &amp;quot;Adieu!&amp;quot; &amp;quot;..mit allen guten Wünschen&amp;quot; - hat auch dann, wenn Gott im Segensspruch nicht vorkommt, religiösen Hintergrund, Transzendenzbezug.&lt;br /&gt;
*Fluchen: Das gilt selbstverständlich auch vom Gegentei. Wer dem anderen die Krätze an den Hals wünscht weiß ebensogut wie der, der ihn zum Teufel schickt, dass Worte allein keine physikalischen Wirkungen haben, dass es also um eine Wirkungsweise jenseits physikalischer Möglichkeiten geht.&lt;br /&gt;
*Beten: Familien, in denen Kinder zu spirituellen Übungen wie Tischgebet, abendliche Besinnung, Meditation angeleitet werden, sind gar nicht so selten. Rumpfformen alter Stoßgebete wie &amp;quot;Oh, Gott!&amp;quot; oder &amp;quot;Ach du lieber Gott!&amp;quot; oder &amp;quot;Jesus Maria Josef!&amp;quot; werden wohl die meisten noch irgendwo &amp;quot;abgespeichert&amp;quot; haben und bei Bedarf benutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Gewissen====&lt;br /&gt;
Die Scham bedeutet, ein Gefühl dafür zu besitzen, dass das eigene Verhalten von anderen als unangemessen wahrgenommen wird. Die Grenze des Angemessenen ist sozial und historisch bedingt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gewissen löst sich von der Scham; es erkennt das Unerlaubte auch dann, wenn es sozial hohe Anerkennung genießt wie etwa in einer Diktatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Fallstudie: Ein Aufsichtführender Lehrer bewegt sich an einer Gruppe Schülern vorbei; er bemerkt, dass die Gruppe seinen Blicken etwas zu verbergen sucht und tritt interessiert näher. Da fliegt aus der Gruppe heraus eine Münze auf ihn zu. Er fängt sie auf und verbrennt sich heftig, denn mithilfe einer Pinzette und eines Feuerzeuges hat man die Münze aufgeheizt. Der Schreck bringt die Schüler zum Lachen: Sie haben es dem Lehrer gezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wird sich hier schämen? Ein schwächlicher Pädagoge wird sich blöd vorkommen. Die Verursacher seines Schmerzes werden sich gewiss nicht schämen, sondern die Bestätigung durch die Gruppe haben. Wer sollte sich denn schämen? - Nun die Schüler, die das Geldstück heiß gemacht haben und dem Lehrer zuwarfen, verbreiten die Botschaft: Wer auf uns eingeht, verbrennt sich die Finger. Möchten sie also, dass niemand auf sie eingeht, alle sich fernhalten, niemand ihnen Lernerfahrungen ermöglicht, keiner ihnen nachher eine Arbeitsstelle anbietet? - Wenn man sich die Finger verbrennt, wenn man auf sie eingeht, wird es doch wohl bald niemanden mehr geben, der so blöd ist. - Wer also hat sich zu schämen? Genau um solche Fragen ringt das Gewissen, wenn es sich entwickelt.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zeugnis geben====&lt;br /&gt;
Die höchste religiöse Fähigkeit ist es, auf die Botschaft der Transzendenz zu hören, sich als gerufen, berufen zu erfahren für das, was man tut. Aus diesem Bewusstsein heraus können Menschen im Extremfall allein gegen alle zu den eigenen Überzeugungen stehen, Zeugnis geben. Ein gutes Beispiel dafür zeigt der Film &amp;quot;Der neunte Tag&amp;quot; von Volker Schlöndorf.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://de.wikipedia.org/wiki/Der_neunte_Tag Der neunte Tag]&amp;lt;/ref&amp;gt; Helden müssen selbstverständlich nicht religiös motiviert sein; es gibt auch atheistische Helden. Aber in der Analyse der Theologie wird dann eine Analogie des Absoluten, etwa die Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit, das Ich, Glück oder der Erfolg oder eine andere Idee zur absoluten Orientierung. Wer daran glaubt, dass Gott uns diese Ideen gegeben hat, wird sich nach außen kaum anders verhalten als der, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlt, ohne sie mit Gott in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann nicht bezweifelt werden, dass Begriffe wie &amp;quot;Zeugnis geben&amp;quot; &amp;quot;Berufung&amp;quot;, &amp;quot;Vorsehung&amp;quot;, selbst &amp;quot;Schicksal&amp;quot; belastet sind, weil Fanatiker vieler Richtungen sie für sich in Anspruch nehmen. Allzu viel &amp;quot;Sendungsbewusstsein&amp;quot; weckt daher unser Misstrauen. Und doch gilt: Die Motivation, der eine Mutter Teresa (Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe), ein Georg Benenson (Gründer von amnesty international) oder Rupert Neudeck (Gründer von Cup Anamur) ihre Leistungen für die Menschlichkeit verdanken, sind in der Sicht christlicher Theologie ohne Rückgriff auf die transzentente Bestimmung des Menschen nicht zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Worms_1521&amp;diff=131669</id>
		<title>Worms 1521</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Worms_1521&amp;diff=131669"/>
		<updated>2022-11-17T11:37:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Was wäre wenn? */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Lutherweg==&lt;br /&gt;
An vielen Stellen in Hessen und den angrenzenden Bundesländern findet man Hinweise auf den Lutherweg. In einem Gemeinschaftsprojekt von Evangelischen Landeskirchen und Tourismusverbänden wurden Wanderwege ausgezeichnet in der Nähe der Route, die Luther im April und Mai 1521 auf dem Hin- und Rückweg zum Reichstag zu Worms zurücklegte. Die Lutherweg-Gesellschaft gründete sich 2008,&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.lutherweg.de/&amp;lt;/nowiki&amp;gt; nachgeschlagen am 19.11.2020 13:14.&amp;lt;/ref&amp;gt; also zu Beginn der &#039;&#039;&#039;Lutherdekade&#039;&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.luther2017.de/&amp;lt;/ref&amp;gt; die mit dem Jubiläumsreformationstag am 31. Oktober 2017 Höhepunkt und Abschluss fand. Aber 1517 wurde nichts abgeschlossen, sondern es begann erst, zum Beispiel wurde der &amp;quot;Lutherweg&amp;quot; erst vier Jahre danach beschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Lernpfad rückt ein Ereignis in den Mittelpunkt, das am 17. und 18. April 1521 in Worms stattfand: Der unbestrittene und mächtigste Herrscher des überkommenen Heiligen Römischen Reiches steht einem Mönch und Professor gegenüber, der überall in Europa von sich reden macht. Am ersten Nachmittag bittet Luther um Bedenkzeit, während er am zweiten Nachmittag entschieden zu seinen Schriften steht und jede Zurücknahme verweigert. Am nächsten Morgen trägt der Kaiser eine persönliche Erklärung vor: Luther ist ein Irrlehrer, den Karl V. mit allen Mitteln verfolgen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Was wäre wenn?==&lt;br /&gt;
Der Lernpfad verfolgt eine ungewöhnliche Methodik, die man &#039;&#039;&#039;kontrafaktische Geschichtsschreibung&#039;&#039;&#039; nennt. Christian Demandt hat in seinem 1996 in zweiter Auflage erschienenen Buch &#039;&#039;Ungeschehene Geschichte &#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Das Buch ist online auf Digitalisat verfügbar: &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00048272_00002.html?context=demandt&amp;amp;ngram=true&amp;amp;hl=scan&amp;amp;spell=true&amp;amp;fulltext=demandt&amp;amp;mode=simple&amp;lt;/nowiki&amp;gt; nachgeschlagen am 26. 11. 2020 9:00&amp;lt;/ref&amp;gt; an zahlreichen Beispielen die Fruchtbarkeit der Fragestellung aufgezeigt. Matthias Pohlig hat im DLF Gespräch mit Christiane Florin am 28. Dezember 2017 die Frage erörtert, was geschehen wäre, hätte Luther 1517 seine Thesen für sich behalten &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.deutschlandfunk.de/kontrafaktische-geschichtsforschung-was-waere-wenn-luther.886.de.html?dram:article_id=406958&amp;lt;/nowiki&amp;gt; nachgeschlagen am 26. November 2020 9:00&amp;lt;/ref&amp;gt; und an diesem Beispiel die kontrafaktische Geschichtsschreibung begründet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lthers_Thesen_zum_Ablasshandel_Folgen_der_Veröffentlichung.jpg|Die Folie fasst einige der Ereignisse der Jahre 1518 und 1519 zusammen, die mit der Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers zum Ablasshandel in Verbindung stehen.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild oben zeigt an einigen Beispielen, wie sich Luthers Thesen in Europa verbreiten und welche Reaktionen sie an verschiedenen Stellen auslösen. Man sieht, dass an vielen Stellen die Geschichte auch anders hätte weitergehen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Martin Luther fand schnell zahlreiche Unterstützer in seinem Orden und darüber hinaus. Wie hätte er sich verhalten, wenn er mit seinen Thesen weitgehend alleine da gestanden hätte?&lt;br /&gt;
*Die Dominkaner in Sachsen waren die ersten, die Luther in Rom anzeigten. Johannes Eck, der mit Luther in vielen Fragen einig war, verwendet in den Jahren 1518 bis 1520 viel Energie, um Luthers Thesen auf allen Ebenen - Briefwechsel, Disputation, Intervention in Rom - zu bekämpfen. Ganz anders Erasmus von Rotterdam, dem es nicht in den Sinn gekommen wäre, jemanden anzuschwärzen. Wie hätten sich die Dinge entwickelt, wenn Luthers innerkirchliche Gegner nachgiebiger gewesen wären?&lt;br /&gt;
*Was wäre passiert, wenn Luther Kardinal Vio (Cajetan genannt) überzeugt und dieser sich in Rom für ihn eingesetzt hätte?&lt;br /&gt;
*Im Januar 1519 erreicht der päpstliche Gesandte Karl von Miltitz von Luther Zugeständnisse und es kommt zu einer einvernehmlichen Erklärung. Wie wäre die Geschichte weitergegangen, wenn es dabei geblieben wäre?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahre 1519 und 1520 werden die angedeuteten Optionen obsolet. Martin Luther distanziert sich in der Disputation von Leipzig im Juli 1519 von der Idee des Konzils als der traditionellen Methode innerkirchlicher Konfliktüberwindung. Im August 1520 bezeichnet er den Papst als &amp;quot;Antichristus&amp;quot;. Das ist eine biblische Gestalt, die die Christen vom Glauben an Jesus Christus, den Mensch gewordenen Gottessohn, abbringen und zur Gottlosigkeit verführen wird. (1. Johannesbrief 4,3; 2. Johannesbrief V.7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht zuletzt auf Betreiben von Johannes Eck wird im Frühjahr 1520 der Prozess gegen Martin Luther -  die &#039;&#039;Causa Lutheri&#039;&#039; - wieder aufgenommen. Im Juni erklärt der Papst 41 Aussagen Luthers zu Irrlehren und droht ihm den Bann (Ausschluss aus der Kirche) an, wenn er diese Aussagen nicht widerruft. Da kein Widerruf erfolgt, ist der Kirchenausschluss am 3. Januar 1521 die logische Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Luther vor dem Kaiser==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Luther-in-Worms-auf-Rt.jpg|alternativtext=Martin Luther vor Kaiser Karl V.|zentriert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. April 1521 gegen 18 Uhr abends wird Luther zum zweiten Mal vor den Kaiser geladen und mit der Frage konfrontiert, ob er die vom Papst verurteilten Aussagen widerrufen wolle. Eine längere Rede wird schließlich unterbrochen und von Luther eine klare und kurze Antwort verlangt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin sagt er:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Weil eure kaiserliche Majestät eine schlichte Antwort begehren, so will ich eine unanstößige und unbissige Antwort geben dieser Maßen: Es sei, dass ich durch Schriftzeugnis oder durch offenbare Ursachen (denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien alleine, weil es am Tag ist, dass dieselben mehrmals geirrt und wider sich selbst geredet haben) überwunden werde. Ich bin überwunden durch die Schriften, wie angeführt, und gefangen in meinem Gewissen an dem Wort Gottes, derhalben ich nichts mag noch will widerrufen, weil wider das Gewissen handeln beschwerlich, unheilsam und gefährlich ist. Gott hilf mir! Amen.&amp;lt;ref&amp;gt;Quelle: &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://archive.org/details/deutschereichst07kommgoog/page/n590/mode/2up&amp;lt;/nowiki&amp;gt;  (nachgeschlagen am 17.09.2020 09:20)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Morgen danach fragt der Kaiser in die Runde, was jetzt zu tun sei, und da niemand das Wort ergreift, lässt er eine eigenhändig in französischer Sprache verfasste Erklärung verlesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus ein Ausschnitt in deutscher Übersetzung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Aufgrund natürlichen Rechtes und unseren Erbes werden wir bei der heiligen katholischen Religion bleiben, nach ihrem Vorbild leben und sterben als wahrhaftige Nachahmer des Beispiels unserer Vorgänger um der Gnade Gottes willen. Auch im besonderen Fall bin ich gehalten, das zu pflegen, was ich von meinen Vorläufern gesagt und woran ich mich bis heute gehalten habe. Denn nach den Beschlüssen von Konstanz und anderen ist gewiss, dass ein einzelner Bruder in seiner Meinung irrt, die sich gegen die ganze Christenheit richtet, die tausend und mehr Jahre besteht bis in die Gegenwart, zumal diese Einzelmeinung die christlichen Laien überall in den Irrtum führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb bin ich vollkommen entschieden, alle meine Königreiche und Herrschaften, meine Freunde, meinen Körper, mein Blut und meine Seele einzusetzen. Es wäre eine große Schande für mich und für Euch, die noble und berühmte deutsche Nation, einzigartig berufen zur Verteidigung und zum Schutz des katholischen Glaubens, sollte sich in unserer Zeit die Ketzerei und Schädigung des christlichen Glaubens wegen unserer Nachlässigkeit ausbreiten und wir und unsere Nachfahren für immer entehrt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Quelle: &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://archive.org/details/deutschereichst07kommgoog/page/n610/mode/2up&amp;lt;/nowiki&amp;gt; und Folgeseite (nachgeschlagen am 03.09.2020 08:16)&amp;lt;/ref&amp;gt;|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hätte Luther widerrufen können?==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=8670|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hätte der Kaiser auf die Reichsacht verzichten können?==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=8678|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wie Kaiser Karl V sich selbst verstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|Gehe bitte folgendermaßen vor:&lt;br /&gt;
# Lass dich unvoreingenommen auf [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tiziano-gloria-1554.jpg das Bild von Tizian &#039;&#039;La Gloria&#039;&#039;] ein.&lt;br /&gt;
# Formuliere erste Ideen, welchen Gesamteindruck das Bild auf dich macht und welche Elemente du spontan erkennst.&lt;br /&gt;
# Klicke unten die einzelnen Markierungen an und arbeite die Informationen zum Bild durch.&lt;br /&gt;
# Formuliere eine Gesamtinterpretation des Bildes und vergleiche sie mit der vorgeschlagenen Interprtation unten.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=8680|600px}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Interpretation|&lt;br /&gt;
Das Bild &#039;&#039;La Gloria&#039;&#039; hat Karl V. 1554 von seinem Hofmaler Tizian (1490-1576) herstellen lassen. Es soll ein ehrliches Selbstbild sein, das den Kaiser als frommen Beter und Büßer mit wenig schmeichelhaftem Aussehen zeigt. Auffallend und im Gegensatz zur Tradition sind folgende Merkmale:&lt;br /&gt;
* Der Kaiser und sein Sohn Philipp sind umgeben von Engeln und einer Unzahl namenloser Gesichter. Man sieht Karls verstorbene Frau, Philipps Mutter, aber keine damals aktuellen Heiligen, wie sie auf den Bilder der zeitgenössischen flämischen Meister als Begleiter der Stifter vorkommen.&lt;br /&gt;
* Statt dessen tauchen die wichtigsten Gestalten des Alten Bundes auf: Noah, Mose, Aaron, David und die Propheten bis hin zu Johannes dem Täufer und der Gottesmutter Maria.&lt;br /&gt;
* Kaiser Karl betont gerne das Alter der Familie und der Herrschertraditionen, in denen er steht. In diesem Bild beginnt die Tradition bei Noah und soll enden, wenn Gott alle Macht von den Menschen zurückgegeben worden sein wird.&lt;br /&gt;
* Dann soll sich erweisen, ob der Kaiser auf der richtigen Seite gekämpft hat und von Gott in Gnaden aufgenommen wird.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Folgen hätte es gehabt, wenn Luther sich 1521 mit dem Kaiser verständigt hätte?==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mögliche Auswirkungen für die Kirchenreform===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|&amp;quot;Evangelische&amp;quot; Kirchenreform|&lt;br /&gt;
An vielen Stellen in Europa beginnen in den 1520er Jahren Kirchenreformen, die durch gemeinsame Merkmale bestimmt sind:&lt;br /&gt;
* Aufhebung der Klöster, Orden und der zölibatären Lebensweise&lt;br /&gt;
* Abschaffung kirchlicher Riten, zB. der Beichte, der Fastengebote, des Heiligen- und Reliquienkultes,&lt;br /&gt;
* Konzentration auf den Glauben und auf die Bibel&lt;br /&gt;
* Gottesdienst, Predigt und Unterricht in der Landessprache&lt;br /&gt;
* Ablehnung des Papsttums&lt;br /&gt;
|Definition}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Huldrich Zwingli und die Zürcher Reformation====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Zwingli_Hans_Asper.jpeg|alternativtext=|zentriert|747x747px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zürich wurde bereits ab 1522 eine systematische Kirchenreform mit den aufgezählten Merkmalen unter Pfarrer &#039;&#039;&#039;Huldrich Zwingli&#039;&#039;&#039; (1490-1531) durchgeführt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Animationsfilm [https://www.youtube.com/watch?v=xi0nezfDhN0 &#039;&#039;Immer diese Zwinglis&#039;&#039; (10 MIN)] erinnert unterhaltsam an wichtige Stationen aus dem Leben des Reformators. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{h5p-zum|id=8844|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Kirchenreform und die Absage an das Papsttum ab 1522 in Zürich unter Huldrich Zwingli nicht stattgefunden hätten, dann wäre auch das Leben des &#039;&#039;&#039;Johannes Calvin&#039;&#039;&#039; (1509-1564) anders verlaufen. Er sah sich berufen, die Reformen Zwinglis fortzuführen und hatte dazu ab 1540 in der Stadt Genf die Gelegenheit. Eine kurze Vorstellung seines Lebens bietet ein [https://www.youtube.com/watch?v=RbwY3YPtmX8 Video (7 MIN)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Johannes Calvin und die Reformation in Genéve====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Jean_Calvin.jpg|alternativtext=|zentriert|786x786px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders als Luther und Zwingli legte Calvin seine theologischen Auffassungen in einem umfassenden Werk dar, der &#039;&#039;Institutio Christianae Religionis&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Institutio erschien 1535 erstmalig im Druck, wurde aber von Calvin mehrfach überarbeitet und erweitert. Sie ist im Internet verfügbar: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.calvin-institutio.de/display_page.php?elementId=44&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (nachgeschlagen am 29.10.2020 10:29) &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein zentrales Element seiner Theologie ist die Prädestinationslehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Stichwort &#039;&#039;&#039;Prädestinationslehre&#039;&#039;&#039;|&lt;br /&gt;
Gott hat den Menschen bereits vor seiner Geburt entweder zum Heil oder zum Verderben bestimmt. Der Mensch kann an seiner Bestimmung nichts ändern. Allerdings kann die Bestimmung des Menschen an seinem irdischen Schicksal abgeschätzt werden, da Gott denen ein tugendhaftes Leben und irdischen Wohlstand gewährt, die er für die ewige Seligkeit ausgewählt hat.&lt;br /&gt;
|Definition}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mayflower_in_Plymouth_Harbor,_by_William_Halsall.jpg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1620 flohen 102 &amp;quot;Separatisten&amp;quot;, die von Calvin beeinflusst waren, aus England vor der Verfolgung durch die Krone nach Amerika und gründeten dort eine Kolonie und vereinbarten die Grundregeln ihres Zusammenlebens in einem Vertrag, der gut 150 Jahre später zum Vorbild der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1787 wurde. Ohne die Standhaftigkeit Luthers und Zwinglis in ihren Überzeugungen wäre es dazu nicht gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Hochschätzung der Selbständigkeit jedes Einzelnen und der lokalen Gemeinde, im Misstrauen gegenüber übergeordneten Autoritäten und einem großflächigen Staatswesen, im Glauben an die Fähigkeit jedes von Gott ausersehenen Menschen, sein Glück zu machen, in der Ablehnung eines lasterhaften Lebenswandels, vor allem sexueller Verfehlungen und des Rauschmittelkonsums, kann bis heute ein Einfluss der Prädestinationslehre und der Kirchenzucht Calvins auf Grundüberzeugungen vieler US-Amerikaner, die sich gerne auch als &#039;&#039;moral majority &#039;&#039; sehen, ausgemacht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Landgraf Philipp I. von Hessen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor Johannes Bugenhagen, seit 1523 Pfarrer in Wittenberg, in Luthers Wohnort eine Kirchenordnung etablieren konnte, letztlich erst 1532, preschte Philipp I. von Hessen (1504-1567) vor und ludt alle Pfarrer seines Herrschaftsgebietes 1526 nach Homberg an der Efze zu einer Synode ein. Die Stimmen, die diese Synode für unzuständig hielten, eine Kirchenreform anzustoßen, wurden zum Schweigen gebracht. Daher wurde in Hessen als erstem deutschen Land nach den Anregungen Luthers und dem Vorbild Zwinglis eine evangelische Kirchenordnung mit den oben genannten Merkmalen durchgesetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Differenzen zwischen Zwingli und Luther versuchte Philipp dadurch zu überwinden, dass er die beiden 1529 nach Marburg zu einem Religionsgespräch nötigte. Da Luther zu keinen Zugeständnissen bereit war, musste das Marburger Religionsgespräch scheitern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die katholische Gegenreform====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Karl V. hatte seit seinem Amtsantritt 1520 hartnäckig auf ein Konzil gedrängt, das die GRAVAMINA NATIONIS GERMANIAE, die Beschwerden der Deutschen gegen den Heiligen Stuhl und die päpstliche Kurie, bearbeiten und beheben sollte. Als das Konzil 1545 endlich zusammentrat, waren die Evangelischen schon nicht mehr bereit, daran teilzunehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1541 war ein neuer Orden entstanden, die SOCIETAS IESU, die in ihr Ordensgelübde den unbedingten Gehorsam gegenüber dem Papst aufgenommen hatte, und rasch an Einfluss in der Kirche gewann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Papst Paul III. den Konzilsteilnehmern vollkommene Redefreiheit gewährte, ging doch die Stimmung dahin, dass &amp;quot;katholisch&amp;quot; sein nunmehr bedeutete, entschieden anders zu sein als die evangelischen &amp;quot;Ketzer&amp;quot;. Seit langem bestehende theologische Meinungsverschiedenheiten wurden beendet, indem das Konzil sich auf die Gegenseite der evangelischen Positionen festlegte: Man legte die Zahl der Sakramente auf sieben fest, bestimmte den Umfang der Bibel unter Einschluss der von Luther für &amp;quot;apokryph&amp;quot; erklärten Bücher, stärkte die Stellung des Papstes und des Klerus, legte einen einheitlichen lateinischen Messritus für die ganze Welt fest, um nur ein paar Beispiele zu nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassende Aufgabe====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
* Fasse die einzelnen Stationen der Kirchenreform, von denen dieses Kapitel berichtet, in einer Skizze zusammen, die Beeinflussungen und Abgrenzungen darstellt.&lt;br /&gt;
* Schildere die Gefahren, die die Entwicklung Deiner Meinung nach in sich barg.&lt;br /&gt;
* Skizziere eine alternative Geschichte, die damit beginnt, dass sich Kaiser Karl V. und Martin Luther in Worms 1521 einigen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mögliche Auswirkungen für Kriege und Aufstände===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hätte Kaiser Karl V. mit seinem Streben, das römische Reich zusammenzuhalten, erfolgreicher sein können, wenn er Martin Luther 1521 nicht verurteilt hätte? Oder hätte die Weigerung, dem Bann des Papstes die Reichsacht folgen zu lassen, eine erfolreiche Politik des Kaisers von vorneherein ausgeschlossen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Battle_of_Pavia_1525.PNG|alternativtext=|zentriert|600px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Die Schlacht von Pavia zwischen Karl V. und Franz I. von Frankreich 1525&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=8851|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sack_of_Rome_of_1527_by_Johannes_Lingelbach_17th_century.jpg|alternativtext=|zentriert|800px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;Die Plünderung Roms 1527&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bauernkriege gehören nicht nur deshalb zu den traurigsten Ereignissen der frühneuzeitlichen Geschichte, weil etwa 75.000 Menschen zu Tode kamen. Sie haben auch die Atmosphäre vergiftet, Angst, Misstrauen und Hass hinterlassen, die auch die religiösen Fragen kontaminieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fragt sich nun, was spricht &amp;lt;b&amp;gt;dafür&amp;lt;/b&amp;gt;, was spricht &amp;lt;b&amp;gt;dagegen&amp;lt;/b&amp;gt;, dass es deshalb zu den Baueraufständen kam, weil Luther vor dem Kaiser den Widerruf verweigert hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=8852|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reichstage zwischen 1526 und 1542 schieben die Regelung der Religionsfragen immer wieder auf. Die gewaltsame militärische Ordnung der Religion im Reich durch den Kaiser scheitert 1546-1547. Auf dem Reichstag in Augsburg 1555 wird eine Regelung beschlossen, die jedem Territorialherrscher in religiösen Fragen freie Hand lässt: CUIUS REGIO EIUS RELIGIO: Wer das Land hat, bestimmt über die Religion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Frieden, der in Deutschland immerhin 63 Jahre hält, ist brüchig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die brachiale Herrschaftsausübung der Spanier in den Niederlanden führt 1668 zur Erhebung der &#039;&#039;Geuzen &#039;&#039;und zur Abspaltung der Niederlande. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1618 bricht in Böhmen ein Krieg aus, der 30 Jahre lang in allen Ländern Deutschlands tobt und etwa sechs Millionen Menschen das Leben kostet. Zu den Gebietsverlusten des deutschen Reiches durch den Friedensschluss in Münster 1648 gehören die Niederlande, die Schweiz, die selbständig wurden, das Elsass, das zu Frankreich kam, während Schweden die hinzugewonnenen Gebiete in der Umgebung der Odermündung nicht dauerhaft behalten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Länder Europas europäische Union hervorgehoben.jpg|thumb|Die Karte zeigt die politische Gliederung Europas und der europäischen Union]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau Dir die Karte rechts an, die politische Gliederung der europäischen Union. (Sie lässt sich durch Klicken vergrößern.)&lt;br /&gt;
* Ergänze die Namen der Länder, die nicht zur EU gehören.&lt;br /&gt;
* Kennzeichne mehrheitlich katholische Länder mit einem Kasten um den Namen&lt;br /&gt;
* Kennzeichne mehrheitlich evangelische Länder mit einer Ellipse. um den Namen,&lt;br /&gt;
* Kennzeichne mehrheitlich orthodoxe Länder mit einer Wolke um den Namen.&lt;br /&gt;
* Welche Grenzen in Europa sind also zugleich Konfessionsgrenzen?&lt;br /&gt;
* Welche Länder werden im vorstehenden Artikel erwähnt, welche Grenzen wurden also am Ende des 30-jährigen Krieg durch den westfälischen Frieden gezogen?&lt;br /&gt;
* Schreibe ein paar Überlegungen nieder, wie Europa heute aussehen könnte, wenn sich alle Parteien beim Reichstag zu Worms 1521 gütlich geeinigt hätten und es nicht zur Reichsacht über Martin Luther gekommen wäre.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[:Datei:283443-st-article620 Aufgabe.jpg|&amp;lt;br /&amp;gt;Ein Lösungsvorgschlag zur Aufgabe]] (mit Ausnahme der letzten Teilaufgabe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frühe Neuzeit]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Rechtfertigung&amp;diff=131668</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Rechtfertigung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Rechtfertigung&amp;diff=131668"/>
		<updated>2022-11-17T11:32:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Das Rahmenproblem: Gelungenes und misslungenes Leben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Lernpfad befasst sich mit &#039;&#039;&#039;Rechtfertigung&#039;&#039;&#039; - auch Erlösung oder Befreiung -. Das ist eines der Kernthemen des {{wpde|Christentum|Christentums}}. Da Christen glauben, dass Jesus von Nazaret der Messias (gr. [[../Christus|Christus]]) im Sinne der jüdischen Hoffnung gewesen ist, müssen sie eine Antwort auf die Frage entwickeln, was sich durch diesen Menschen in der Weltgeschichte verändert hat. Was soll das heißen, wenn wir im Glaubensbekenntnis aussagen: &#039;&#039;Für uns Menschen und &#039;&#039;&#039;zu unserem Heil&#039;&#039;&#039; ist er vom Himmel herabgekommen&#039;&#039; ?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pfarrer Max Heitzer hat in seinem Pfarrbrief „dialog“ 1997 die Vielfalt biblischer Erlösungsdeutungen herausgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Pfarrbrief&amp;quot;&amp;gt;[http://www.maier-koetzting.de/kr/ab/erloesg.htm Dialog (Pfarrbrief vom 20.4.1997)]&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auf dieser Arbeit aufbauend habe ich die von ihm erarbeiteten Möglichkeiten ergänzt, mit Schriftzitaten belegt und in die mutmaßliche historische Reihenfolge gestellt. Dies bildet hier den ersten Teil: Biblische Deutungen der Leistung Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem enthält der Artikel die Zusammenfassung eines Aufsatzes von Wilfried Härle: &#039;&#039;Rechtfertigung heute&#039;&#039;.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Härle&amp;quot;&amp;gt;In: Wilfried Härle: &#039;&#039;Spurensuche nach Gott&#039;&#039; Berlin 2008 &#039;&#039;184-201&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biblische Deutungen der Leistung Christi==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Paulus===&lt;br /&gt;
Paulus deutet Erlösung als &#039;&#039;&#039;Befreiung&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!&#039;&#039; (Galater 5,1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret bedeutet das die Befreiung von den gesellschaftlichen Fesseln der Zeit und die Befreiung zu einer neuartigen Gemeinschaft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.&#039;&#039; (Galater 3,26-28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paulus bietet eine zweite Deutung der Erlösung, indem er sich auf die Gerechtigkeit bezieht. Weil es sich dann aber um die &#039;&#039;&#039;Gerechtsprechung des Ungerechten&#039;&#039;&#039;, also um eine grundlose Begnadigung handelt, bietet Paulus die Hilfsvorstellung des Begnadigungsortes (ilasterion) an, der für Juden das Allerheiligste im Tempel war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.&#039;&#039;(Römer 5,18-19)&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott als Ort der Begnadigung proklamiert, Begnadigung in seinem Blut, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt.&#039;&#039; (Römer 3,23-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markus===&lt;br /&gt;
[[Datei:Heilung.jpg|thumb|right|350px|Die Heilung des Blinden (Rembrandt Hermanesz van Rhijn, 1657)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Evangelium stellt Jesus als einen Menschen dar, der &#039;&#039;&#039;die Kranken heilt&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Er heilte viele, so dass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren.&#039;&#039; (Markus 3,10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Grundsatzerklärung stellt sich Jesus das Heilen als seine Aufgabe, erweitert den Begriff allerdings vom Bereich Krankheit auf den Bereich der Sünde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.&#039;&#039; (Markus 2,17)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer zweiten Deutung stellt Markus Jesu Tod als Zahlung eines &#039;&#039;&#039;Lösegeldes&#039;&#039;&#039; für die vielen dar. Man kann daran denken, dass damals fromme Juden Armenkassen einrichteten, um Landsleute aus der Sklaverei freizukaufen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.&#039;&#039; (Markus 10,45)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu Lebenshingabe ist drittens Voraussetzung seiner Auferstehung, die in der Sicht des Markus mit der Erlösung identisch ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.&#039;&#039; (Markus 9,31)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markus bietet ein viertes Modell an, das in gewisser Weise die anderen Modelle in sich vereinigt; die Deutung der Erlösung als  &#039;&#039;&#039;Lebensrettung&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwilllen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis könnte ein Mensch sein Leben zurückkaufen?&#039;&#039; (Markus 8,35-37)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lukas===&lt;br /&gt;
Lukas hat sein Evangelium als Wegbeschreibung Jesu mit seinen Jüngern gestaltet, Erlösung bedeutet für ihn, sich mit Jesus auf den &#039;&#039;&#039;Weg&#039;&#039;&#039; zu machen. Vor allem die auf Jesus bezogenen Voraussagen enthalten dieses Verständnis, zum Beispiel die Wahrsagung des greisen Zacharias über seinen Sohn Johannes, den Wegbereiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten. Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden. Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.&#039;&#039; (Lukas 1,76-79)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Deutung der Erlösung als Heilung wird – in Fortentwicklung von Markus und Matthäus – mit dem Thema der &#039;&#039;&#039;Vertreibung der bösen Geister&#039;&#039;&#039; verbunden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Wenn ich aber die bösen Geister durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.&#039;&#039; (Lukas 11,20)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Schüler des Paulus===&lt;br /&gt;
Unter dem Namen des Paulus sind mehrere Briefe überliefert, die nicht von ihm selbst, sondern von seinen Schülern geschrieben wurden:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Colosserbrief beschreibt Erlösung als &#039;&#039;&#039;Aufnahme aller in die Liebe Gottes&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.&#039;&#039; (Colosser 3,12)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Epheserbrief beschreibt die &#039;&#039;&#039;Verwandlung von Ferne in Nähe&#039;&#039;&#039; durch Christi Tod und die Verwandlung von Feindschaft in Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.&#039;&#039; (Epheser 2, 13-16)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Hebräerbrief===&lt;br /&gt;
[[Datei:Gnadenstuhl.jpg]]&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Sicht des Hebräerbriefes hat Christus für uns bewirkt, dass wir Gott nahe kommen, indem wir durch seine Vermittlung als ewigen Priester &#039;&#039;&#039;vor Gott hintreten&#039;&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Eine bessere Hoffnung wird eingeführt, durch die wir Gott nahe kommen.&#039;&#039; (Hebräer 7,19)&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Jesus hat, weil er auf ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum. Darum kann er auch die, die durch ihn vor Gott hintreten, für immer retten; denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten.&#039;&#039; (Hebräer 7,24-25) &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Johannes===&lt;br /&gt;
Johannes deutet die Erlösung so, dass uns Jesus Christus ermöglicht, das ewige Leben Gottes zu erwerben, &#039;&#039;&#039;Kinder Gottes&#039;&#039;&#039; zu werden als seine Erben und als Teilnehmer an seiner Lebensweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, .. aus seiner Fülle haben wir empfangen Gnade über Gnade.&#039;&#039; (Johannes 1,12.16)&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.&#039;&#039; (Johannes 17,3)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Dogma===&lt;br /&gt;
Es gibt eine kirchliche Sprachregelung, die davor schützen soll, dass die Kirche in Beliebigkeit auseinanderdriftet, weil jeder alles und jedes mit dem gleichen Anspruch auf Wahrheit sagen kann. Diese Sprachregelung ist so organisiert, dass die Bischöfe als Träger des Lehramtes Lehrsätze (Dogmen) formulieren, oft verbunden mit Bannflüchen, die diejenigen aus der Gemeinschaft der Kirche ausschließen, die etwas mit den Dogmen Unvereinbares lehren. Die Dogmen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Bekanntheitsgrades und ihrer Nähe zum Kerndogma des Christentums, der Erlösung der Menschen durch Jesus Christus. Die nach diesen Kriterien wichtigsten Dogmen sind im Glaubensbekenntnis zusammengefasst. Im „großen Glaubensbekenntnis“ heißt es knapp:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er (Jesus Christus, Gottes eingebore¬ner Sohn) vom Himmel herabgekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Synode von Quiercy definierte im Jahre 855:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Der allmächtige Gott will alle Menschen ohne Ausnahme heiligen. Es werden aber nicht alle heilig. Die Heiligung der Geheiligten ist ein Geschenk, denen, die zu Grunde gehen, geschieht, was sie verdient haben.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Denzinger Schönmetzer: Enchiridion Nr. 623 &amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzil von Trient deutet – wie Luther – Erlösung mit Paulus als Rechtfertigung und zählt in sauberer scholastischer Logik auf: deren Zielursache (die Verherrlichung Gottes und das ewige Leben), deren Wirkursache (Gottes Erbarmen), deren Werkzeug (die Taufe) und deren Form (Gottes gerecht machende Ge¬rechtigkeit). Dazwischen wird auch eine Verdienstursache angegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Die Verdienstursache&#039;&#039; &amp;lt;der Gerechtsprechung des Sünders&amp;gt; &#039;&#039;ist unser Herr Jesus Christus, der uns, als wir noch seine Feinde waren, in unergründlicher Liebe liebte und uns durch sein hochheiliges Leiden am Kreuzesholz Gerechtsprechung verdiente.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Dogmatik===&lt;br /&gt;
Eine der theologischen Wissenschaften, die Dogmatik, erforscht den logischen Zusammenhang der Dogmen der Kirche und bietet damit der kirchlichen Lehrtätigkeit in Universität, Predigt und Schule eine zeitgemäße Grundlage. Weil aber die Menschen verschieden sind und verschiedene Blickrichtungen auf das Ganze des Glaubens haben, kann und muss es mehrere Dogmatiken geben, die sich alle auf dieselben Dog¬men der Kirche beziehen. Man kann auch verbreitete Schwerpunktsetzungen der Lehre in der Kirche bedauern, unglückliche historische Entwicklungen aufzeigen und Korrekturen vorschlagen.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die Vielfalt biblischer Modelle, zu begreifen, was Jesus für die Menschheit getan hat, ist leider in der Geschichte verengt worden, als eine juristische Analogie als die maßgebliche Erlösungslehre galt. Dabei sind zwei Denkmuster miteinander verbunden worden, die gar nicht gut zusammen passen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Das Modell der Erlösung als Begnadigung, als unverdiente Gerechtsprechung.&lt;br /&gt;
*Das Modell der Begleichung einer Schuld und des Loskaufs aus Schuldknechtschaft. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beides sind in einer feudalen Zeit, in der Sklaverei existierte, sehr starke Hoffnungsbilder; Begnadigung und Loskauf aus der Sklaverei waren sicher die stärkste Befreiung, die ein Mensch für einen anderen erwirken konnte. Kombiniert man aber beide Vergleiche, dann entsteht die Vorstellung einer Begnadigung, für die jemand die verdiente Strafe anstelle des Schuldigen auf sich nimmt. Dies aber würden wir keineswegs als gerecht empfinden. Nehmen wir an, der Bruder eines Mörders würde auf¬grund eines falschen Geständnisses verurteilt und nach Verbüßung der Strafe frei gelassen. Durch verbesserte kriminaltechnische Methoden kann man aber Jahrzehnte nach der Tat dem wirklichen Mörder seine Schuld nachweisen. In diesem Fall würde der wirkliche Mörder auch verurteilt werden – und dem fälschlich verurteilten Bruder stünde Rehabilitation und Entschädigung zu.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
In unserer Rechtsordnung dient Strafe nicht der Genugtuung, sondern einerseits dem Schutz der Gesellschaft vor Straftaten, anderseits soll der Straftäter lernen, sich in ein Leben ohne weitere Straftaten hineinzufinden (wodurch ja auch der Schutz vor Straftaten bestmöglich gewährleistet wäre). Die These, bei Gott sei das eben alles anders und seine Wut auf den Sünder könne durch die Hinrichtung dessen, der ohne Sünde war, beruhigt werden, passt daher für uns nicht zu Gott als liebem Vater und treuem Bündnispartner (Römer 8,15; Hebräer 10,23).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Christ ist nicht verpflichtet, ein Deutungsmodell der Erlösung zu pflegen, das sich angesichts der Weiterentwicklung des Rechtsverständnisses heute nicht begreiflich machen lässt, ja, absurd erscheint.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liedgut===&lt;br /&gt;
[[Datei:Effigies.jpg|thumb|right|320px|Pilgerurkunde vom Besuch des Vera Effigies in Rom (19. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
In der Karwoche ist das Leiden Jesu Christi als Thema vorgegeben, und die Dichter bedienen sich nahezu aller Deutungen und Vergleiche, die Bibel und Tradition anbieten. Gelegentlich wird vorgeschlagen, beliebte Lieder wegen ihrer problematischen Gedanken ganz aus dem Liedgut der Kirche zu entfernen, zum Beispiel das Lied O Haupt voll Blut und Wunden  , das von dem evangelischen Dichter Paul Gerhardt 1656 als Übersetzung des Chorals Salve Caput Cruentatum von Arnulf von Löwen aus dem Jahr 1250 geschaffen worden ist. Johann Sebastian Bach hat das Lied mehrfach vertont. Es heißt in der vierten Strophe:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Was du Herr hast erduldet, ist alles meine Last&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Ich, ich hab es verschuldet, was du getragen hast.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Man kann diese Verse auf das Modell der stellvertretenden Strafe beziehen, man muss aber nicht. Dass einer des anderen Last – auch Schuldenlast im direkten und übertragenen Sinn - trägt, lässt sich ohne Rückgriff auf ein juridisches Erlösungsverständnis erklären. Man müsste das Lied nur weiter singen:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Not und Pein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da geht es um den Trost in der Angst durch die Nähe des Herrn, von dem auch  Epheserbrief und Hebräerbrief reden. Dies Motiv eignet sich heute in Katechese und Religionsunterricht besonders gut als Ausgangspunkt des Gesprächs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zusammenfassung===&lt;br /&gt;
In einer Tabelle sind die angebotenen Erlösungsmodelle noch einmal zusammengefasst. Dass es alleine in den kanonischen Schriften sehr viele gibt, mehr jedenfalls als in der Tabelle, zeigt schon, dass man nicht eines gegen andere ausspielen darf. &lt;br /&gt;
[[Datei:Erlösungsmodelle.jpg|thumb|center|750px|Erlösungsmodelle]]&lt;br /&gt;
Fakt ist, dass Jesus von Nazaret aufgrund eines ungerechten Urteils hingerichtet wurde und dass die Kirche Jesu Christi nach seinem Tod entstanden ist und dass viele, viele Menschen froh waren und sind, zu dieser Kirche zu gehören. Diese Fakten sind zu erklären und zwar so zu erklären, dass Menschen heute einen Zugang zur Kirche und zu Christus finden und erfahren, was Erlösung bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein Zugang zur Rechtfertigungslehre==&lt;br /&gt;
Dieser Versuch, die Rechtfertigung – Erlösung, Befreiung – des Menschen, die vom Leben und Sterben Jesu von Nazaret ausgeht, Menschen heute zu erklären, ist einer Anregung von Wilfried Härle verpflichtet &amp;lt;ref&amp;gt;siehe Anmerkung 2!&amp;lt;/ref&amp;gt; und besteht in fünf Schritten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Das Rahmenproblem: Gelungenes und misslungenes Leben&lt;br /&gt;
#Der Einfluss anderer Menschen&lt;br /&gt;
#Die Fähigkeit Bejahung anzunehmen&lt;br /&gt;
#Wie Gott ins Spiel kommt&lt;br /&gt;
#Leben und Sterben Jesu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Rahmenproblem: Gelungenes und misslungenes Leben===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter welchen Umständen würde ich sagen „Mein Leben ist gelungen?“ – oder eingestehen müssen „Mein Leben ist misslungen.“ – Kommt man mit jungen Menschen über diese Frage ins Gespräch, werden eine Reihe von Maßstäben vorgeschlagen: „wenn ich Erfolg im Beruf habe“, „wenn ich nicht auf die schiefe Bahn gerate“, „wenn das mit der Familie gut geht“, „wenn ich immer genug Geld habe“.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch wird auffallen, dass die Ziele nicht vom einzelnen allein abhängen, und dass es geschichtliche Situationen gab und gibt, in denen „Erfolg im Beruf“ (zum Beispiel als Kommandant eines Erschießungskommandos oder als Spitzel) gerade nicht für gelingendes Leben stand, sondern für Anpassung an ein System, das als ganzes „auf die schiefe Bahn geraten ist“. Und Versuchungen zu unrechter Anpassung gibt es nicht nur in diktatorischen Systemen, sondern überall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt demnach einerseits keine Garantie auf gelingendes Leben, da kann ich mich anstrengen, wie ich will. Anderseits kann ich, wenn ich mich nicht anstrenge oder verzocke, selbst die Ursache meines misslingenden Lebens werden. In diesen beiden Aussagen gründet der Stress, der von dem Thema ausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einfluss anderer Menschen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den grundlegenden Impuls für ein gelingendes Leben geben die Eltern, später die Erzieherinnen und Erzieher in der Kindertagesstätte, die Lehrerinnen und Lehrer in Schule und Universität, nicht zu vergessen die Gleichaltrigen in den Gruppen und Klassen. Wenn es gut geht, wird dem einzelnen durch viele Zeichen mitgeteilt, dass er, sie liebenswert ist und dass es gut ist, am Leben zu sein. Wenn es gut geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Fähigkeit Bejahung anzunehmen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber selbst wenn es gut geht, reicht die Mitteilung der anderen nicht aus, sondern es muss auch zum eigenen Bewusstsein werden, dass mein Leben gerechtfertigt ist. Und  dieses Bewusstsein muss sich von dem Urteil der anderen selbständig machen. Dabei gibt es Krisen, die entstehen, wenn Verluste an die Endlichkeit des Lebens erinnern; noch größere Zweifel weckt die Einsicht in die Sünde, wenn ich Anlass sehe Gewohnheiten drastisch zu verändern, umzukehren und mich von Teilen meines Lebens zu distanzieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wie Gott ins Spiel kommt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es leuchtet unmittelbar ein, dass es mir sehr helfen wird, wenn ich glauben kann, dass mein Leben von Gott, dem unendlichen Sein, gewollt ist, dass die Zuwendung der anderen und mein Bewusstsein gelingenden Lebens als endliche Zeichen zurückverweisen auf die unbedingte Bejahung meines Schöpfers.&lt;br /&gt;
Damit sind aber zwei Fragen nicht beantwortet: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
#Widerlegt die Krise nicht die Zuwendung Gottes? Liebende Eltern würden ihr Kind nicht Tod und Verlust aussetzen, wenn sie es verhindern könnten.&lt;br /&gt;
#Kann der gerechte Gott einen Sünder bejahen, hieße das nicht das Unrecht zu rechtfertigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Der erste Zweifel würde auf die Forderung zulaufen, dass nur unendliche Wesen geschaffen werden dürften, denn alle endlichen, zeitlichen, begrenzten Wesen erfahren in der Krise die Wahrheit über ihr Dasein.&lt;br /&gt;
#Der zweite Zweifel berücksichtigt nicht, dass der Sünder umkehren kann und dass es vielleicht Mittel gibt ihn dazu zu bewegen. Wir müssen aber damit rechnen, dass Gott, der in das Innerste des Menschen sieht, mehr weiß als wir mit unseren unvollkommenen Maßstäben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Überlegung hört sich logisch an. Es gibt aber einen letzten Zweifel: Könnte es aber nicht sein, dass sich der Mensch einen menschenfreundlichen Gott ausgedacht hat, um sich selbst akzeptieren zu können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leben und Sterben Jesu===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christlicher Glaube stützt sich aber nicht zuerst auf Logik, sondern auf Fakten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, unser Messias, lebte unter den Sündern, starb zwischen ihnen, verurteilt, entwürdigt, einsam, von Gott und Menschen verlassen. Auch in dieser Situation blieb er seinen Überzeugungen treu, vergab denen, die ihm die Tortur antaten. So führte er sein Leben konsequent zu Ende, denn sein Leben lang hatte er einen Gott gelehrt, der die Sünder zur Umkehr aufruft, Vergebung anbietet und aus dem Tod befreit. Schaut man auf Jesus, dann ist Gott nicht allein abstrakt existent, der menschlichen Logik mit Mühe erschließbar, sondern er schafft Fakten; er bewirkt Jesu Ja zu seinem Leben, das ein Ja zu seinem Gott ist, trotz Krise und Verurteilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das glaubt, der braucht vor dem misslingenden Leben keine Angst mehr zu haben. Dieser Stress ist überwunden, wenn die Frage der Rechtfertigung des einzelnen Lebens von Gott für den Menschen entschieden ist. Auch der Einwand, das sei ein frommes Märchen zu unserer Entlastung, scheitert an den Fakten: Wir haben Jesus Christus nicht erfunden, sondern er hat unter uns gelebt. Erst danach haben Menschen mühsam begriffen, was das für ihr Verhältnis zueinander, zu Gott und zum eigenen Dasein bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wilfried Härle: &#039;&#039;Spurensuche nach Gott&#039;&#039; Berlin 2008&lt;br /&gt;
*Denzinger Schönmetzer &#039;&#039;Enchiridion Symbolorum&#039;&#039; Editio XXXVI 1976&amp;lt;ref&amp;gt;Hinweis: Es gibt inzwischen neuere Ausgaben des Handbuches als die hier benutzte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[http://www.maier-koetzting.de/kr/ab/erloesg.htm Dialog (Pfarrbrief vom 20.4.1997)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bibel im www===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[http://www.bibleserver.com/index.php Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift] (Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.)&lt;br /&gt;
*[http://www.bibleserver.com/index.php Bibel im Netz] (Bibleserver.com)&lt;br /&gt;
*[http://www-user.uni-bremen.de/~wie/GNT/books.html THE GREEK NEW TESTAMENT] Neues Testament in [[Griechisch|Altgriechisch]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Religionskritik&amp;diff=131428</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Religionskritik</title>
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		<updated>2022-11-10T06:04:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Paul Henri Thiry D&amp;#039;Holbach (1723-1789) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt Religionskritik als Thema für den Abiturjahrgang (je nachdem Stufe 12 oder 13) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antike: Euhemeros und Lukrez==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Euhemeros (340-260 v. Chr.)===&lt;br /&gt;
Ob {{wpde|Euhemeros|Euhemeros}} tatsächlich der Vater der Religionskritik war oder für den &amp;quot;Euhemerismus&amp;quot; nur aufgrund der dürftigen Quellenlage verantwortlich gemacht wurde, ist schwer zu sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiöse Menschen verehren ihre Götter, weil sie den Menschen Gutes und Böses bringen können; das ist die Motivation &amp;quot;von innen&amp;quot;. Unter &#039;&#039;&#039;Euhemerismus&#039;&#039;&#039; versteht man nun eine alternative Erklärung, dass nämlich Menschen historische Vorbilder zu Göttern übersteigert haben und es auf diese Weise zur Verehrung der Götter gekommen sei: Das ist eine Erklärung religiöser Phänomene &amp;quot;von außen&amp;quot;, die ihre innere Motivierung relativieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lukrez (97-55 v. Chr.)===&lt;br /&gt;
Der römische Dichter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lukrez Titus Lucretius Carus] ist durch seine Lehrgedichte berühmt geworden, vor allem: &#039;&#039;De natura&#039;&#039; - &#039;&#039;Über die Natur&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Lukrez Werke sind auch [http://www.textlog.de/lukrez-natur-dinge.html in deutscher Sprache] und [http://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lsante01/Lucretius/luc_rer0.html im lateinischen Original] im Internet veröffentlicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Ideal ist die heitere Gelassenheit des Weisen, wie sie ein unbeteilgter Zuschauer einer erbitterten Schlacht oder der unbehelligte Beobachter eines Seemannes genießt, der sich in Seenot geraten abmüht. Sein Tempel ist nicht Sitz der Götter, sondern des unparteiischen Wissens, sein Vorbild ist {{wpde|Epikur|Epikur}} (341-270 v. Chr.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor den Priestern warnt Lukrez, weil sie den Menschen um dieses Glück betrügen, indem sie ihm &#039;&#039;Märchen&#039;&#039; erzählen, die &#039;&#039;mit lähmender Angst&#039;&#039; sein &#039;&#039;Glück vollständig verwirren&#039;&#039;. Die Göttergeschichten, die sie dazu verwenden, erklärt Lukrez als Träume, die fälschlich für real gehalten wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht so, dass Lukrez die Götter für nichtexistent gehalten hätte; aber es vertrug sich mit seinem Ideal heiterer Gelassenheit natürlich nicht, dass sich die Götter um den Menschen kümmern und auf seine Gebete und Gaben reagieren könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Paul Henri Thiry D&#039;Holbach (1723-1789)==&lt;br /&gt;
Für die weitere Geschichte der Religionskritik ist vor allem die französische Aufklärung entscheidend. {{wpde|Voltaire| François Marie Arouet}} (1694-1778), der sich selbst &#039;&#039;&#039;Voltaire&#039;&#039;&#039; nannte, war ein sarkastischer Romanautor. Der Vorwurf des Atheismus geht mit Sicherheit zu weit, doch zusammen mit der Forderung einer Gleichheit aller Menschen vor dem Recht kritisierte er die Beteiligung der Kirche am absolutistischen Herrschaftssystem. Manfred Lütz erzählt die Anekdote, der alte Voltaire habe stets alle seine Bediensteten fortgeschickt, wenn er seine Philosophenfreunde zum Abendessen auf seinem Schloss Fernie empfing. Er fürchtete, seine Diener könnten ihn ausrauben, wenn sie sich religionskritische Gedanken machten.&amp;lt;ref&amp;gt;Manfred Lütz: Gott, eine kleine Geschichte des Größten, München 2007, 163-164.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot Denis Diderot] (1713-1784)  baute die Aufgabe, ein englisches Lexikon zu übersetzen, zum Projekt einer umfassenden Sammlung allen Wissens seiner Zeit aus, das war die berühmte [http://de.wikipedia.org/wiki/Encyclopedie Encyclopédie]. Darin kam Gott nicht mehr vor, sondern nur noch &amp;quot;Gott&amp;quot; - als Geschichte eines an sich überflüssigen Wortes. Doch das Interesse der genannten Aufklärer an materialistischer Philosophie war eher unsystematisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ändert sich bei Paul Dietrich von Holbach, ebenfalls Mitarbeiter der Encyclopédie. In Frankreich nannte er sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Henri_Thiry_d%E2%80%99Holbach Paul Henri Thiry d&#039;Holbach]. -, und er stellt seinen Materialismus in einem eigenen Werk - System der Natur (1770) - auf eine systematische Grundlage: &lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Natur kann alles; sobald eine Sache existiert, ist es ein Beweis, dass die Natur sie hervorgebracht hat.&amp;lt;ref&amp;gt;D&#039;Holbach. System der Natur dt. Frankfurt 1978, 416&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
Die Entstehung der Religion erklärt er aus der &#039;&#039;Unkenntnis der Natur&#039;&#039;, entsprechend sagt er voraus, dass sie bald verschwinden wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Je klüger der Mensch wird, um so mehr Kräfte und Hilfsquellen wird er sich mit seinen Einsichten erschließen; die Wissenschaften, die Künste und der Fleiß helfen ihm, und die Erfahrung gibt ihm Gewissheit oder verschafft ihm Mittel, sich dem Streben vieler Ursachen zu widersetzen, die ihn nicht mehr beunruhigen, sobald er sie erkannt hat. Kurz, seine Furcht verringert sich in demselben Maße, wie sich sein Geist aufklärt. Der unterrichtete Mensch hört auf, abergläubisch zu sein,&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 317&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
und &amp;quot;Aberglauben&amp;quot; im Sinne d&#039;Holbachs ist jede Überzeugung, die sich auf etwas Übernatürliches richtet. Da macht er keinen Unterschied zwischen den Mythen der &#039;&#039;Wilden&#039;&#039;, der christlichen Theologie und den Gottesbeweisen der zeitgenössischen Philosophie. Selbst [http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton Isaak Newtons] Theologie wird bei allem Respekt vor seiner Leistung in der Physik abgelehnt. In ermüdender Wiederholung erklärt d&#039;Holbach, dass die &#039;&#039;unveränderlichen Ordnungen, die man im Universum walten sieht,&#039;&#039; zu erklären sind als &#039;&#039;notwendige Folgen der Gesetze der Materie.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 412&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss sich klar machen, dass 1770 noch wenig von den Gesetzen der Materie bekannt war, auf die sich D&#039;Holbach berief: Erst 1795 veröffentlichte James Hutton seine Theory on Earth, die Gründungsschrift der Geologie, erst ab 1800 bewies Simon de Laplace die Stabilität des Sonnensystems, erst ab 1824 baute Justus Liebig das erste aller chemischen Laboratorien in Gießen auf,&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.liebig-museum.de/dokumente/historische_staetten.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; erst 1827 schuf Ohm die Terminologie der Elektrizitätslehre. Der &#039;&#039;unterrichtete Mensch&#039;&#039; war also zu d&#039;Holbachs Zeit ausschließlich eine abstrakte Utopie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch aufgeschlossene Zeitgenossen lehnten daher das Buch ab. So schreibt [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_Goethe Johann Wolfgang Goethe] (1749-1832) im Rückblick in seiner Autobiografie &#039;&#039;Dichtung und Wahrheit&#039;&#039;:&amp;lt;ref&amp;gt;Goethes Werke sind im Internet verfügbar. Dichtung und Wahrheit ist enthalten in der Kategorie [http://de.wikisource.org/wiki/Johann_Wolfgang_von_Goethe#Prosa Prosa]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Keiner von uns hatte das Buch hinausgelesen; denn wir fanden uns in der Erwartung getäuscht in der wir es aufgeschlagen hatten. System der Natur ward angekündigt, und wir hofften also wirklich etwas von der Natur, unserer Abgöttin, zu erfahren, .. und wir hätten gerne von Sonnen und Sternen, von Planeten und Monden, von Bergen Tälern, Flüssen und Meeren und von allem, was darin lebt und webt, das Nähere und Allgemeine erfahren. Dass dabei manches wohl vorkommen müsste, was dem gemeinen Menschen als schädlich, der Geistlichkeit als gefährlich .. erscheinen möchte, daran hatten wir keinen Zweifel. .. Allein wie hohl und leer ward uns in dieser tristen atheistischen Halbnacht zumute, in welcher die Erde mit all ihren Gebilden, der Himmel mit allen seinen Gestirnen verschwand. .. Wir wären zufrieden gewesen, wenn der Verfasser wirklich aus seiner bewegenden Materie die Welt vor unseren Augen aufgebaut hätte. Aber er mochte von der Natur so wenig wissen als wir. Denn indem er einige allgemeine Begriffe hingepfahlt, verlässt er sie sogleich, um dasjenige, was .. als höhere Natur in der Natur erscheint, zur materiellen .. richtungs- und gestaltlosen Natur zu verwandeln, und glaubt dadurch recht viel gewonnen zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Wolfgang Goethe: Dichtung und Wahrheit, Insel Ausgabe Frankfurt 1975, Band II, 546-547&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Goethe mag es vielen gegangen sein; doch die Unlust das System der Natur &#039;&#039;hinauszulesen&#039;&#039; konnte nicht verhindern, dass ein neuer Maßstab der Radikalität gesetzt war, hinter den die selbsternannten &#039;&#039;freien Geister&#039;&#039; des 19. Jahrhunderts - scheinbar bestätigt durch die unerwarteten Fortschritte der Naturwissenschaften - nicht wieder zurückgehen wollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Feuerbach, Marx und Freud==&lt;br /&gt;
===Hegels Idealismus als Voraussetzung===&lt;br /&gt;
[http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Georg Friedrich Wilhelm Hegel]   (1770-1831) schuf ein philsophisches Gesamtwerk, das alle Gegenstände menschlichen Nachdenkens von der Natur bis zur Theologie, vom Geist des einzelnen bis zur Ordnung des Staates und den Abläufen der Weltgeschichte in einem System vereinigte. Zwei Merkmale seines Systems reizten diejenigen seiner Schüler und Gegner, die zu den schärfsten Kritikern der Religion wurden, besonders: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Rechtfertigung des preußischen Staates&lt;br /&gt;
*Die Rechtfertigung des Christentums als &#039;&#039;vollendete Religion&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ludwig Feuerbach (1894-1872)===&lt;br /&gt;
Für den Links- oder Junghegelianismus ist der Gedanke der &#039;&#039;Umkehrung&#039;&#039; charakteristisch, [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach Feuerbach] wollte die Religion nicht in ein philosophisches System integrieren, sondern ihr Wesen analysieren und ihre Eigenarten erklären, allerdings nicht aus dem &#039;&#039;Geiste der Theologie&#039;&#039;, sondern aus dem &#039;&#039;Geiste der Wissenschaft&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er deutet das Wesen der Religion als Reflexion, &#039;&#039;die Spiegelung des menschlichen Wesens in sich selbst.&#039;&#039; Dies ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Projektionstheorie Projektionstheorie] genannt worden. Hat der Mensch einmal erkannt, dass alle auf Gott gerichtete Zuwendung eigentlich dem Menschen zusteht, ist das für Feuerbach auch mit großen Hoffnungen verbunden für eine positive Weiterentwicklung der Menschheitsgeschichte:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Ist das Wesen des Menschen das höchste Wesen des Menschen, so muß auch praktisch das höchste und erste Gesetz die Liebe des Menschen zum Menschen sein. Homo homini Deus est - dies ist der oberste praktische Grundsatz - dies der Wendepunkt der Weltgeschichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Feuerbach: Das Wesen des Christentums, [http://home.rhein-zeitung.de/~ahipler/kritik/feuerb28.htm Schlussanwendung]&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
Darum schloss er sich später auch Karl Marx an und war begeistert für die Arbeiterbewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Karl Marx (1818-1883)===&lt;br /&gt;
====Ziele====&lt;br /&gt;
Die Gesellschaftsanalyse [[Karl Marx]]&#039; ist {{wpde|Historischer_Materialismus|der historische Materialismus}}, in dem nicht - wie bei Hegel - eine Philosophie des Geistes Priorität hat, sondern die Produktionsverhältnisse, von denen die Kultur als &#039;&#039;Überbau&#039;&#039; und Rechtfertigung des Bestehenden abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Marx System.jpg|450px|center]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Marx formuliert in diesem Rahmen eine Diagnose der bisherigen geschichtlichen Entwicklung zum {{wpde|Kapitalismus|Kapitalismus}} und eine Prognose für die Zukunft, die sozialistische Revolution und die Entwicklung der klassenlosen Gesellschaft des {{wpde|Kommunismus| Kommunismus}}. Ein Vergleich der beiden Gesellschaftsformen kann die Zielsetzungen Karl Marx&#039; daher am anschaulichsten beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Im Kapitalismus - der auf Privateigentum beruhenden Produktionsweise - verkauft der Mensch seine Arbeitskraft und leistet entfremdete Arbeit.&lt;br /&gt;
*Im Sozialismus unter Führung der Arbeiterklasse und im Kommunismus werden die Menschen (gerne) arbeiten, weil die Arbeit für sie sinnvoll ist. (sozialistisches Bewusstsein)&lt;br /&gt;
*Es ist eine Revolution erforderlich, um den Kapitalismus in den Sozialismus umschlagen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Religionskritik====&lt;br /&gt;
In das Gesellschaftsmodell des historischen Materialismus und die Zielvorstellung der klassenlosen Gesellschaft gehört auch Karl Marx&#039; Religionskritik, die in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie so wortgewaltig hervorbricht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d&#039;honneur (Ehrenpunkt), ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über einen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. [http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm Einleitung]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Logik des Gedankenganges &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Damit das Volk sein wirkliches Glück im Sozialismus finden kann, muss es einen Zustand entfremdeter Arbeit aufgeben, den man nur mithilfe von Illusionen ertragen kann.&lt;br /&gt;
*Geht die Entwicklung in den Sozialismus über, wird also die Religion, die im Kapitalismus zur Stabilisierung des Systems durch illusionäre Glücksverheißungen gebraucht wurde, überflüssig werden und von alleine verschwinden.&lt;br /&gt;
*Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Geltungsansprüchen der Theologie ist nicht mehr erforderlich, denn die Arbeit hat Ludwig Feuerbach schon abgenommen, indem er zeigte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Folgen====&lt;br /&gt;
Im Film [http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_der_Anderen Das Leben der anderen] von Florian Henckel von Donnersmark, Ulrich Mühes spätem Meisterwerk, wird die Problematik einer politischen Ideologie durchleuchtet, die den Menschen in der Dimension seines &amp;quot;Bewusstseins&amp;quot; oder seines &amp;quot;Glaubens&amp;quot; beansprucht. Das könnte unter zwei Voraussetzungen funktionieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Diagnose und Prognose stimmen im Wesentlichen mit den historischen Erfahrungen überein.&lt;br /&gt;
#Zumindest die revolutionäre Avantgarde lässt sich wirklich vom Ziel der klassenlosen Gesellschaft leiten und nicht von überholten selbstsüchtigen Leidenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beiden Voraussetzungen entsprach die Entwicklung hin zur Deutschen Demokratischen Republik nicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1917 findet die Oktoberrevolution in Russland statt, entgegen der Voraussage nicht in einem kapitalistischen Staat, in welchem die Maschinenentwicklung so weit vorangeschritten ist, dass der Mensch von entwürdigender Arbeit entlastet werden kann, sondern in einem wenig entwickelten Agrarstaat, der durch einen verlorenen Krieg gedemütigt ist.&lt;br /&gt;
*1946 wird in der DDR der Sozialismus eingeführt, und zwar vom Eroberer aufgrund des verlorenen II. Weltkriegs und nicht aus einem revolutionären Prozess heraus.&lt;br /&gt;
*Der Staat fordert von den Menschen &#039;&#039;sozialistisches Bewusstsein&#039;&#039; und &#039;&#039;Glauben an die Revolution&#039;&#039;. Das allerdings wird angesichts der Menschenrechte heute kaum mehr akzeptiert.&lt;br /&gt;
*So sieht sich der DDR-Bürger in einer dreifachen Konfrontation:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Widersprüche im DDR Sozialismus.jpg|500px|center]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Film zeigt nun, wie gerade diejenigen sich das Misstrauen der Herrschenden zuziehen, die es mit dem Sozialismus Ernst meinen und nicht wie der - von Thomas Thieme gespielte - Minister &#039;&#039;Bruno Hempf&#039;&#039; ihre Macht ganz selbstverständlich zur Absicherung ihrer Privilegien verwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigmund Freud (1856-1939)===&lt;br /&gt;
[http://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Sigmund Freud] war ein Arzt, Anhänger einer Medizin, die ausschließlich auf den Naturwissenschaften Physik und Chemie gegründet ist. Obwohl sich auf sein Werk kein politisches System berufen hat, ist seine Religionskritik vielleicht auf die Dauer noch wirksamer als die Marxsche, weil ihr gelang, woran der Sozialismus scheiterte: Die Sprache und damit das Bewusstsein der Massen zu verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Freuds Beitrag zur Religionskritik zu würdigen, ist es erforderlich Grundbegriffe der Psychoanalyse zu kennen, dann ergeben sich die religions-, ja kulturkritischen Schlussfolgerungen fast von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Psychoanalyse====&lt;br /&gt;
Die folgende Schematische Darstellung fasst die Kernbegriffe der Psychoanalyse zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Psychoanalyse.jpg|zentriert|750px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Psyche enthält viele Gedanken: Von einigen davon wissen wir; sie sind uns bewusst, an andere können wir uns vorübergehend oder dauerhaft nicht erinnern. Nach Sigmund Freud sind die unbewussten Gedanken ebenso systematisch miteinander verknüpft wie die bewussten, nur dass wir die verborgene Logik des &#039;&#039;System Ubw&#039;&#039; normalerweise nicht beachten und vielleicht sogar trotz Hinweisen nicht erkennen könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dieses &#039;&#039;System Ubw&#039;&#039; gleichwohl existiert, wird auffällig bei psychischen Störungen, unangemessener Furcht zum Beispiel. Als junger Arzt versuchte Freund nun der Ursache solcher Störungen auf den Grund zu gehen. Er studierte bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Martin_Charcot Charcot] in Paris, der unter anderem mit der [http://de.wikipedia.org/wiki/Hypnose Hypnose] experimentierte, um die Ursachen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Hysterie Hysterie] zu erforschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1890er Jahren entwickelte Freud dann seine eigene Methode, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalyse Psychoanalyse]. In seinem Hauptwerke, der Traumdeutung,&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund Freud, Die Traumdeutung, 1899 in erster Auflage erschienen, wurde von Freud bei jeder Neuauflage einer gründlichen Revision unterzogen. Das Buch ist 1961 bei Fischer in Frankfurt als Taschenbuch erschienen und erlebte zahlreiche Neuauflagen.&amp;lt;/ref&amp;gt; beschreibt er seine Forschungsergebnisse. 1904 beschrieb Freud auch alltägliche Versehen, etwa Versprecher oder Vergessen, als verschlüsselte Botschaften des Unbewussten.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens, Berlin 1904, [http://www.gutenberg.org/files/24429/24429-0.txt im Internet veröffentlicht]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Arbeit mit den verräterischen Boten des Unbewussten - psychische Erkrankungen, hypnotische Erfahrungen, Träume und alltägliche Nachlässigkeiten - glaubt sich Sigmund Freud in der Lage, Ordnung in die sporadischen Äußerungen dieses menschlichen Seelenteils zu bringen: Er geht davon aus, dass der Mensch Triebe hat wie die Tiere auch. Doch während Tiere und kleine Kinder sehr unbefangen mit ihren Trieben umgehen, schreien, wenn sie Hunger haben, in ihren Ausscheidungen wühlen, wenn ihnen danach ist, und aufeinander einprügeln, wenn sie zornig sind, verlangt man von Erwachsenen sich zu benehmen, und das bedeutet in vielen Fällen, den unmittelbaren Ausdruck der natürlichen Bedürfnisse zu unterdrücken. Die Triebenergien (&#039;&#039;&#039;das Es&#039;&#039;&#039;, wie Freud sagt) sind aber nicht verschwunden, sondern sie werden verwandelt, &#039;&#039;&#039;sublimiert&#039;&#039;&#039;: Man markiert sein Revier nicht mehr, indem man sich &#039;&#039;hinsetzt&#039;&#039; und eindeutige Geruchsmarken hinterlässt, sondern man &#039;&#039;besitzt&#039;&#039; es, und der verbriefte Besitz muss dann auch nicht mehr unbedingt eine Fläche sein, sondern kann durchaus abstraktere Formen annehmen. Der Faustkampf kann als intellektuelles Ringen ausgetragen werden, und die sexuelle Begierde stimmt als treue eheliche Liebe mit den bürgerlichen Idealen überein. So entsteht &#039;&#039;&#039;Kultur&#039;&#039;&#039;, die als &#039;&#039;&#039;Über-Ich&#039;&#039;&#039; auch die unbewussten Bestrebungen des Menschen beeinflusst. Über-Ich und Es können im Konflikt miteinander stehen, und solche Konflikte können zur Ursache schlechter Träume oder gar schlimmer psychischer Störungen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Traum, die psychische Fehlleistung und selbst die psychische Erkrankung haben einen verborgenen Sinn: &#039;&#039;&#039;Sie erfüllen Wünsche.&#039;&#039;&#039; Das können unterdrückte Triebwünsche sein oder unerfüllte Forderungen des Über-Ich. Freud sagt auf dem Höhepunkt seiner Traumdeutung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Wenn man die hier angezeigte Methode der Traumdeutung befolgt, findet man, dass der Traum wirklich einen Sinn hat und keineswegs Ausdruck einer zerbröckelten Hirntätigkeit ist. Nach vollendeter Deutungsarbeit lässt sich der Traum als eine Wunscherfüllung erkennen.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund Freud: Die Traumdeutung, Tb Ausgabe Frankfurt 1990, 109&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Psychologisch motivierte Religionskritik====&lt;br /&gt;
Der Traum ist eine Wunscherfüllung. Und ein Ziel der Traumdeutung (1899) ist es, einer &#039;&#039;vorwissenschaftlichen&#039;&#039; Auffassung vom Traum als Vorherwissen und Reise in eine übernatürliche Welt, nun erstmals eine &#039;&#039;wissenschaftliche&#039;&#039; gegenüberzustellen. Wünsche, die inopportun sind oder unrealisierbar, erscheinen im Traum als erfüllbar. Dasselbe sagt Freud von der Religion;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Universität Münster bietet [http://www.muenster.de/~wosi/Psycholo.htm#4.3 eine kurze Erklärung] der Psychologie Sigmund Freunds&amp;lt;/ref&amp;gt; sie artikuliert Wünsche, die im materiellen Dasein unerfüllbar sind. Diese Wünsche befinden sich im Inneren der Seele, werden aber als Götter und Geister nach außen projiziert. Es sind vor allem drei Kränkungen des Menschen, die durch Religion auf diese illusionäre Weise kompensiert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Sie bannt die Schrecken der Natur;&lt;br /&gt;
*sie versöhnt mit Schicksal und Tod;&lt;br /&gt;
*sie entschädigt für Leiden und Entbehrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religiöse Praktiken sind vergleichbar neurotischen Symptomen; Riten gleichen Zwangshandlungen. &lt;br /&gt;
{{Zitat|Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, ist krank, denn so etwas gibt es ja in objektiver Weise nicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund Freud, Briefe 1873 - 1939, Frankfurt a.M. 1960, S. 429&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Totem und Tabu macht sich Freud einmal selbst einen Einwand:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Weder die Angst noch die Dämonen können in der Psychologie als letzte Dinge gewertet werden, die jeder weiteren Zurückführung trotzen. Es wäre anders, wenn die Dämonen wirklich existierten. Aber wir wissen ja, sie sind wie die Götter Schöpfungen der Seelenkräfte des Menschen; sie sind von etwas und aus etwas geschaffen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Sigmund Freud, Totem und Tabu, Frankfurt 1956, 32&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie viel Mühe haben sich Menschen gegeben, Gott zu erkennen, über seine Existenz auch vor ihrer Vernunft Gewissheit zu gewinnen; Freud verwirft Jahrhunderte menschlichen Nachdenkens mit einem schlichten &#039;&#039;aber wir wissen ja&#039;&#039; und erklärt es für unsinnig, ja für krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Religionskritik aus Sicht der Theologie==&lt;br /&gt;
Zunächst ist daran zu erinnern, dass die hebräische Bibel aus dem prophetischen Protest gegen eine Religion entstanden ist, die zur Stabilisierung der Macht und des Reichtums diente. Auch das Neue Testament entstand in einer religiösen Protestbewegung innerhalb des römischen Reiches. Die Könige Hiskija und Joschija machten den Gott der Propheten zum Staatsgott Judäas, die Kaiser Konstantin und Theodosius machten das Christentum zur römischen Reichsreligion. Trotzdem ist der religionskritische Impuls aus Judentum und Christentum nie verschwunden, alle Zeiten kannten und kennen prophetische Menschen, die Auswege suchen und finden, wenn sich ihre Religion missbrauchen lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt also nicht die Frontstellung Religion und Religionskritik, sondern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Religionskritik mit Berufung auf die Wahrheit selbst, die Gott ist, disputiert gegen eine Religionskritik, die sich sicher ist, dass kein Gott ist und auch die Wahrheit keinen absoluten Grund, sondern nur kontingente Bezugspunkte hat.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden Religionskritik akzeptieren müssen, wenn sie wissenschaftlich ausgewiesen wäre. Das wäre der Fall, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*wenn die Gottesbeweiskritik stichhaltig wäre,&lt;br /&gt;
*wenn eine Politik, die den dialektischen Materialismus zugrundelegt, erkennbar erfolgreicher wäre als eine Politik, die Religionen bestehen lässt und respektiert,&lt;br /&gt;
*wenn schließlich eine Psychologie, die die Bedeutungslosigkeit religiöser Phänomene voraussetzt, deutlich bessere Heilungserfolge erzielte, als eine Psychologie, die religiöse Überzeugungen respektiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sieht so aus, als hätte weder der Sozialismus, noch die Psychoanalyse diesen Bewährungstest bestanden. Trotzdem müssen Theologie und Kirche daraus lernen, dass sie einmal so unglaubwürdig wirkten, dass die atheistische Religionskritik entstehen und viele Anhänger gewinnen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politische Selbstkritik der Kirche ist durch &#039;&#039;&#039;Johann Baptist Metz&#039;&#039;&#039; vorangebracht worden, dessen epochemachendes Werk &#039;&#039;Zur Theologie der Welt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Baptist Metz Zur Theologie der Welt, zuerst erschienen 1968, 4. Aufl. Mainz 1971&amp;lt;/ref&amp;gt; beklagt, dass die Theologie die Aufklärung abwehrt, anstatt durch sie hindurchzugehen und in ihr den Impuls Jesu wiederzuentdecken. Die These des Buches lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Weltlichkeit der Welt, wie sie im neuzeitlichen Verweltlichungsprozess entstanden ist und in global verschärfter Form uns heute anblickt, ist im Gunde, freilich nicht in ihren einzelnen geschichtlichen Ausprägungen, nicht gegen, sondern durch das Christentum entstanden; sie ist ursprünglich ein christliches Ereignis und bezeugt damit die innergesellschichtlich waltende Macht der Stunde Christi in unserer Weltsituation.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 16-17&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht gesagt: Die Kirche sollte dankbar sein, dass ihr die Macht abhanden gekommen ist, Politik und Wissenschaft zu dominieren, denn jetzt kann sie in kritischer Zeitgenossenschaft wieder den Liebesdienst an ihren Mitmenschen leisten, für den Jesus sie gegründet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzung der katholischen Theologie mit der Psychoanalyse ist von einem theologisch gebildeten Psychoanalytiker angestoßen worden: &#039;&#039;&#039;Albert Görres&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Görres, Methode und Erfahrungen der Psychoanalyse, München 1965&amp;lt;/ref&amp;gt; Er weist darauf hin, dass Freud mit der Erledigung der Sinnfrage nicht nur Religion als sekundäre Funktion des Trieblebens erklärt hat, sondern die menschliche Kultur insgesamt, Wissenschaft eingeschlossen. Sein Argument:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Es gibt keine dem Trieb als solchem eigene Logik, nach welcher dieser aus sich selbst heraus den Schritt zum Kulturwerk vollziehen könnte. Die Ähnlichkeitsmomente, die zwischen dem ersten Befriedigungsobjekt und dem zweiten bestehen, genügen in keiner Wiese, um eine solche Ablösung - das heißt aber: Entsagung - zu wecken und zu tragen. Der Trieb kann sich nur deshalb vom Gegenstand seiner unmittelbaren Erfüllung ablösen und in die kulturelle Leistung hinübergehen, weil er von dorther gerufen, angefordert, in Dienst genommen wird. Es gibt keine einseitige, rein aus der Ausgangsinstanz hervorgehende Beziehung; vollends keine, welche die Selbstaufopferung der Ausgangsenergie bedeutete. Immer muss sich das Gegenüber &amp;gt;zeigen&amp;lt;, als gültig bezeugen. Soll aber dieses gesichtet, seine Forderung empfunden und ihr Folge geleistet werden, dann muss ein Moment wirksam sein, das nicht mit dem Trieb identisch ist, sondern über ihm steht, und das ist der Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;ebd. S. 160f&amp;lt;/ref&amp;gt;|}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch dies sei am Beispiel verdeutlicht: Menschen feiern Weihnachten, weil sie in dieser trüben Jahreszeit Helligkeit verbreiten wollen, sie verehren gerade am düstersten Tag des Jahres ein neu geborenes Kind als Sohn Gottes und veneinen die materialistische Auffassung vom Menschen als Zufallsprodukt der Evolution. Es ist gut möglich, dass die Energie, die uns durch die Läden hetzt, auch aus dem Bedürfnis oraler Befriedigung stammt, dass der infantile Wunsch nach Geborgenheit uns antreibt die Wohnung zu putzen und zu schmücken; aber der Sinnzusammenhang Weihnachtsbotschaft - &amp;quot;Licht in der Finsternis&amp;quot; &amp;quot;Der Logos kam zur Welt&amp;quot; &amp;quot;Er gab uns die Macht Kinder Gottes zu werden&amp;quot; - kann auf die Kombination dieser Triebwünsche nicht reduziert werden; es ist eine Schöpfung der Kultur, des Geistes. So wird Freuds Logik umgekehrt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{blau|Es gilt nicht, dass die Kulturwerke überkochende Triebenergie &#039;&#039;&#039;sind&#039;&#039;&#039; (und sonst nichts), dass sich die Menschen also selbst missverstehen, wenn sie über den Sinn ihrer Kultur , über die Bedeutung ihrer Feiern, Bilder und Musik sprechen, sondern es gilt, dass der Geist für seine Kulturwerke die seelischen Energien in Dienst nimmt, wie wir es ja auch erleben.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesen Beispielen kann gezeigt werden, dass die Religionslehre durchaus über argumentative Ressourcen verfügt, um der atheistischen Religionskritik zu antworten; aber vielleicht ist es wichtiger, von ihr zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131125</id>
		<title>Geistesgaben</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131125"/>
		<updated>2022-10-20T07:24:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Worum es geht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Pfingsthymnen wird der Heilige Geist als &#039;&#039;Spender des siebenfachen Geschenks&#039;&#039; gewürdigt. Auf diese traditionelle Systematik greift dieser Lernpfad zurück. Es gilt, die sieben Geistesgaben im einzelnen kennen zu lernen und ihren Zusammenhang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Geistesgaben werden traditionell sieben Hauptsünden gegenübergestellt. Das wird im weiteren auch Thema sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschenke des Geistes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um Gaben (dona), Geschenke (munera) des Heiligen Geistes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sich eine Gabe nicht verschaffen, man kann wohl darum bitten, sie dankbar annehmen und pflegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die profanen Wissenschaften diskutieren, ob der Mensch seine Begabungen dem genetischen Erbe, frühkindlichen Prägungen, der Sozialisation oder kulturellem Erbe verdankt. In allen Fällen sind der planbaren Optimierung Grenzen gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht des Heiligen Thomas von Aquino (1220-1274) hängen die Sieben Geistesgaben miteinander zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Sieben Gaben des Heiligen Geistes.jpg|zentriert|mini|800x800px]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geistesgaben und Hauptsünden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den sieben Gaben des Heiligen Geistes werden traditionell sieben &#039;&#039;&#039;Hauptsünden&#039;&#039;&#039; gegenübergestellt. Auch das hilft, besser zu verstehen, was mit den Geistesgaben gemeint ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Geistesgaben und Hauptsünden.jpg|zentriert|gerahmt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aktualität des Themas - Aufbau der Artikel==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sind im Religions- oder Sakramentenunterricht die sieben Gaben des Geistes und die Hauptsünden einmal genannt worden; Kunstinteressierte wissen, dass sie in den Bildern von Pieter Brueghel (1530-1569), Hieronymus Bosch (1550-1612) und anderen zum Verständnis sehr wichtig sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bosch_7_Todsünden_1480_Prado.jpg|alternativtext=|ohne|zentriert|800x800px|Hieronymus Bosch: Tischillustration mit den sieben Tod- oder Hauptsünden der christlichen Tradition]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite: Die Gesellschaft tritt nach einer wohlbegründeten Diagnose in die Phase einer &#039;&#039;Wissensgesellschaft&#039;&#039; ein. Das bedeutet, dass seit einiger Zeit für die Arbeit an kognitiven Inhalten mehr Arbeitsvolumen eingesetzt und durch sie mehr Umsatz und Gewinn erzielt werden als für und durch die Produktion materieller Gegenstände. Das aber ist das &#039;&#039;&#039;Wirkungsspektrum der 7 Geistesgaben: Verbesserung der Arbeit an kognitiven Inhalten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theologische Tradition hilft uns durch diese Systematik, die Begabungen zu beschreiben und im Zusammenhang einzuordnen. Dazu sollen die einzelnen Gaben des Geistes in jeweils vier Unterpunkten präsentiert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Beschreibung der einzelnen Geistesgaben&lt;br /&gt;
#Beschreibung der zugeordneten Hauptsünden&lt;br /&gt;
#Aktualität der Herausforderung&lt;br /&gt;
#Passende Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) &#039;&#039;Verständig&#039;&#039; nennen wir einen Menschen, der schnell und gut begreift. Schnell denken können, hilft dabei gewiss; aber man braucht auch die Bereitschaft, sich auf die Umgebung und auf andere Menschen einzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Menschen, die sich narzisstisch selbst als Götzen betrachten, unbelehrbar und grundsätzlich im Recht, sind paradoxerweise auch leicht zu lenken und zu betrügen, weil sie ihr Ohr nicht denen leihen, die ihnen die Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm ist, sondern denen, die ihnen sagen, was sie hören wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Schon die TV-Kultur mit ihrem Überangebot an Spannung und Unterhaltung konnte Menschen dazu verführen, aus ihrem Alltag in eine Welt zu flüchten, in der Gut und Böse leicht zu unterscheiden war, Helden sich als Identifikationsfiguren anboten und das Ego des Zuschauers gestreichelt wurde. Heute ermöglichen es die vielen Kanäle der Kommunikation, sich in Filterblasen und Echokammern einzurichten, sich gegenseitig in absurden Verschwörungstheorien zu bestätigen und den Hass auf die anderen zu teilen und zu verstärken, sich eine verkehrte Welt zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem absolutistischen und autokratischen Kontext denken wenige für alle anderen, von der Mehrheit wird verlangt, zu gehorchen. In einem demokratischen Kontext trägt jeder Mitverantwortung. Die Übernahme der Perspektiven anderer verlangt eigene Einsichtsfähigkeit. Jeder muss selbst ein bisschen was von der wissenschaftlichen Grundhaltung und dem journalistischen Ethos verstehen und Nachrichten kritisch rezipieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Den Verstand gebrauchen, heißt, &#039;&#039;&#039;einer Sache auf den Grund gehen&#039;&#039;&#039;. Akademische Pflichtwerke wie Master- und Doktorarbeit, Sechswochenarbeit zur Abfassung eines Gerichtsurteils, Examensarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, Gesellen- und Meisterstücke im Handwerk dienen dazu, dass der Kandidat, die Kandidatin zeigen kann, dass er einer Sache auf den Grund gehen kann. Denke darüber nach, welchen Sinn das hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
In kleinerem Umfang bieten sich verschiedene Fragestellungen an, einer Sache auf den Grund zu gehen; Beispiele:&lt;br /&gt;
* Welche Vögel leben in deiner Straße, im Garten an deiner Wohnung, im Park in der Nähe und warum fühlen sie sich da wohl?&lt;br /&gt;
* Welche Argumente sprechen für und gegen eine politische Entscheidung? Was haben die Regierungs- und Oppositionsvertreter dazu gesagt?&lt;br /&gt;
* Wie kann man ein wiederholt auftretendes Rechenproblem mit einem Makro für ein Tabellenkalkulationsprogramm automatisch ausrechnen lassen?&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weisheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Weise ist ein Mensch, der bedacht und hilfreich urteilt. Dazu muss man wissen, worum es geht im Leben, welche Werte sich selbst begründen und welche im Dienst für andere höherrangige Werte eingesetzt werden sollten. Macht, Technik und Geld machen Eindruck, weil man viel damit anfangen kann. Im Dienste des Menschen gebraucht, sind diese Mittel sehr nützlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die gierige Haltung „Ich will mehr Geld, mehr Macht, mehr Wissen“ zerstört aber das Glück, denn gemessen an „mehr“, „möglichst viel“ ist alles, was ich an Wissen, Macht und Reichtum zusammenraffen und zusammengaunern kann, zu wenig: &#039;&#039;Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt?&#039;&#039; fragt Jesus – aber nicht mal das ist ja möglich. Und im Wettrennen um die vorderen Plätze in den Rankings bleiben notwendig viele auf der Strecke, so dass die Gier viele Leben zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Wer ist der weiseste Mensch der Gegenwart? Im Internet finden immer mal wieder entsprechende Umfragen statt. Das Rennen um den Rang des weisesten Menschen im ganzen XX. Jahrhundert hat in einer [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/103/umfrage/weisester-mensch/| Umfrage aus 2002] Albert Einstein gemacht,gefolgt von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa. Aber was wussten die Befragten schon von ihren Helden? Und von den vielen anderen Menschen, die sie abgewählt haben? Es verrät sich hier eine Neigung unserer Zeit, Argumentation, gemeinsame Arbeit am tragfähigen Urteil und Definitionsarbeit durch ein rasches Verfahren, z.B. eine Umfrage, zu ersetzen, Weisheit durch angebliche &#039;&#039;Schwarmintelligenz&#039;&#039; zu substituieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Kann man Weisheit durch Umfragen definieren?&lt;br /&gt;
* Von welchem vorbildlichen Menschen hast du etwas gelernt?&lt;br /&gt;
* Ist es eher ein Prominenter oder jemand, dem du persönlich begegnet bist, mit dem du eine gemeinsame Geschichte hast?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Persönliche Vorbilder|&lt;br /&gt;
Lege eine persönliche Liste an mit bewunderten Menschen und dem Grund der Bewunderung.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rat==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Gut beraten sind Menschen, die &#039;&#039;&#039;Verantwortung&#039;&#039;&#039; übernehmen können. Dabei geht es nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um die großen Lebensprojekte: Eine Familie gründen, einen Beruf und ein politisches Amt mit Blick auf das Gemeinwohl ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Gitte Haenning brachte es in einem Song auf ihrem Album &#039;&#039;Ungeschminkt&#039;&#039; 1982 auf den Punkt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will alles und zwar sofort.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst dir im [https://www.youtube.com/watch?v=BH3uKKK0XV4| VIDEO (4 MIN)] ansehen, wie Gitte Haening das Lied singt und den [https://www.songtexte.com/songtext/gitte-haenning/ich-will-alles-73f08ab9.html| Text] nachschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hintergrund&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gitte Haening, Jahrgang 1946, war in den Fünfzigerjahren als Kinderstar aufgebaut worden und hatte als Teenie mit dem Lied &#039;&#039;Ich will &#039;nen Cowboy als Mann&#039;&#039; einen großen Hit. Wenn du willst, kannst du dir ein [https://www.youtube.com/watch?v=nKofFs7bD4g| VIDEO aus dem Jahr 1963 (3 MIN)] ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Achtzigerjahren konnte Gitte Haenning den Mädchenstar nicht mehr glaubwürdig verkörpern und entwickelte ein rebellisches feministisches Image, mit dem sie wieder erfolgreich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Nimm dir den Text des Liedes &#039;&#039;Ich will alles&#039;&#039; vor und markiere die Textstellen, für die du aufgrund der Hintergrundinformationen Verständnis aufbringst, und in einer anderen Form die Textstellen, die einfach kindisch und trotzig rüberkommen.&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Die Gelegenheit zur Ausschweifung, das Angebot an Drogen, Unterhaltung, Party, völlige Vereinnahmung durch Sport, Spekulation, kreative und spannende Tätigkeiten nimmt stetig zu, Celebritäten leben Exzesse vor. Rücksicht nehmen auf die Gemeinschaft und auf die Zukunft wird zusätzlich schwer gemacht, weil die Maßstäbe vom Einzelnen erarbeitet werden müssen und sich nicht mehr einfach aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du zur Zeit der Verrentung sagen, dass dein Leben im Großen und Ganzen gelungen ist?&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du dir selbst Versagen vorwerfen müssen?&lt;br /&gt;
* Welchen Rat würdest du dir selbst heute geben, um das Gelingen des Lebens wahrscheinlicher zu machen?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaft==&lt;br /&gt;
(1) Wir kennen &#039;&#039;&#039;die Wissenschaften&#039;&#039;&#039; heute im Plural: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Medizin, Sozial- und Kulturwissenschaften usw. haben nicht nur erstaunlich viel über die Welt herausgefunden, sondern sind auch die Grundlage der &#039;&#039;&#039;modernen Technik&#039;&#039;&#039;, die dem Menschen eine nie gekannte Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Lebensdauer, Mobilität und Kommunikation ermöglicht haben. Kenntnis, &#039;&#039;&#039;Wissenschaft im Singular&#039;&#039;&#039; bedeutet, sich auszukennen, die Möglichkeiten und ihren Nutzen für das eigene Leben abschätzen zu können und so die Technik zum Glück für sich und die anderen in den Alltag zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Für das Leben ist es eine entscheidende Frage, ob die Möglichkeiten bestimmen, was gemacht wird, ohne an übergeordneten Zielen Maß zu nehmen, oder ob Werte wie Frieden, Glück und Menschenwürde bestimmen, welche Möglichkeiten entwickelt und verwirklicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man liest gelegentlich das geflügelte Wort &#039;&#039;Was technisch möglich ist, wird irgendwann auch gemacht&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fabian Scheidler hat dazu eine interessante [https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/dezember/der-digitalisierte-mensch-unser-leben-in-der-matrix| Reflexion] geschrieben.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Einige aktuelle Ereignisse - zum Beispiel das voreilige und leichtfertige [https://www.nzz.ch/wissenschaft/genetisch-veraenderte-babys-he-jiankui-hatte-eine-vision-ld.1440685| Experiment des Chinesen He Jiankui] - scheinen dem Spruch Recht zu geben, anderseits stellen wir fest:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Noch wurde keine Wasserstoffbombe im Krieg eingesetzt.&lt;br /&gt;
*Noch versorgen wir uns nicht durch Offshore-Windanlagen oder Solaranlagen in der Wüste mit Strom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;{{Box|Nicht verwirklichte technische Möglichkeiten|&lt;br /&gt;
* Benenne einige technische Möglichkeiten, die noch nicht verwirklicht sind.&lt;br /&gt;
* Beurteile, ob dir das gut oder schlecht erscheint.&lt;br /&gt;
* Ermittle die Gründe, warum bestimmte Techniken nicht umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Wie gehst du vor, wenn du dir etwas anschaffst?&lt;br /&gt;
* Machst du dir zuerst bewusst, was du nötig hast,&lt;br /&gt;
* um dann zu entscheiden, welches Produkt es sein soll. &lt;br /&gt;
* Oder liebst du die Kataloge und lässt dich faszinieren von den Möglichkeiten?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt, was die anderen haben?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Beziehung zur Person==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier Gaben des Geistes betreffen entsprechend der Systematik des Heiligen Thomas die Beziehungen des einzelnen Menschen zu seiner menschlichen und außermenschlichen Umwelt: Welche Gaben sind nötig, um die Situation richtig zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen drei Gaben des Geistes betreffen das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, darin enthalten die Beziehung zum Geist Gottes und die Frage, wer oder was treibende Kraft im Menschen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frömmigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen und könnte das auch gar nicht. Er nimmt sein Leben in Empfang, kann dafür danken und sich daran freuen und es zuletzt vertrauensvoll zurückgeben. Die Grundhaltungen der Dankbarkeit, Freude und des Vertrauens entlasten vom Stress der Selbsterhaltung und Sicherung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die Gegenposition hat Friedrich Nietzsche (1844-1900) in der Schlussfolgerung zum Ausdruck gebracht: &#039;&#039;wenn es Götter gäbe, wie hielte ich&#039;s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.&#039;&#039; ([http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Also+sprach+Zarathustra/Zweiter+Teil.+Also+sprach+Zarathustra/Auf+den+gl%C3%BCckseligen+Inseln| &#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Zweiter Teil: &#039;&#039;Auf den glückseligen Inseln&#039;&#039;]) Dass außer ihm noch anderes existiert, beweist dem Gottlosen die Endlichkeit der eigenen Existenz, die ihm verhasst ist und für die er sich an den Mitgeschöpfen rächt, vor allem an denen, die er als Konkurrenten um Lebensmöglichkeiten und als Bedrohung für seine Sicherheit definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) In der Lebenszeit der jetzt heranwachsenden Generation dürfte die Menschheit in der zweiten Hälfte des laufenden Jahrhunderts den Zenit bei etwa 10 Milliarden zugleich lebenden Menschen erreichen. Wir sind sehr viele und werden immer noch mehr, und leicht lässt sich die Konkurrenz um knappe Ressourcen inszenieren: Wohnraum in begehrten Gebieten ist knapp, Arbeitsplätze scheinen knapp zu sein, obwohl es nicht an Aufgaben fehlt; [https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/corona-krise-warum-es-zu-wenig-beatmungsgeraete-in-den-usa-gibt-a-1305896-2.html| jüngst erlebten wir, dass Beatmungsgeräte knapp sein können]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt die Knappheit durch Innovation und Kooperation zu überwinden, scheint es einfacher, Hass und Rachsucht auf die anderen zu richten. Es ist aber im Kern der Hass des Menschen auf das Menschsein selbst, das eben nicht Gottheit ist, jedenfalls nicht aus eigener Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Hass ist eine wirksame Macht, die Gewalt provoziert und Wahrergebnisse beeinflusst.&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
Informiere Dich über Kundgebungen des Hasses und der Rachsucht in politischen Äußerungen, Kommunikationsnetzen usw. Nimm Dir einzelne Beispiele vor und untersuche sorgfältig das Menschenbild, das dort zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Gegengifte, Dankbarkeit und Vertrauen, bleiben sehr abstrakt, wenn sie sich nicht in Zeichen und Ritualen äußern. Frömmigkeit wird daher gerne so verstanden, dass man Gott Zeit zur Verfügung stellt, um ihm zu danken und durch Bitten sein Vertrauen zu ihm auszudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelm_Maria_Hubertus_Leibl_008.jpg|550px|center|Wilhelm Leibl: Drei Frauen in der Kirche (1881)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses weltberühmte Bild von Wilhelm Leibl aus dem Jahre 1881 zeigt drei Frauen in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Bildinterpretation|&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild genau an: &lt;br /&gt;
* Was haben die drei Frauen gemeinsam?&lt;br /&gt;
* Wie unterscheidet sich ihre Haltung in der Kirche?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf diese Weise einen eigenen Zugang zu dem Bild gesucht hast, kannst du unten durch Klick auf die &amp;quot;Hotspots&amp;quot; weitere Informationen zur Erschließung des Bildes bekommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=4616|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Fömmigkeit differenzierter zu beschreiben, gibt es einige Begriffe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; ist ein Gespräch mit Gott. Beten kann jeder für sich, und man kann gemeinsam im Sprechchor ein Gebet sprechen oder singen, zum Beispiel im Rahmen einer Messe.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gesten&#039;&#039;&#039; können Worte begleiten wie das &#039;&#039;&#039;Kreuzzeichen&#039;&#039;&#039; und das &#039;&#039;&#039;Händefalten&#039;&#039;&#039; oder wortlos ausgeführt werden, zum Beispiel die &#039;&#039;&#039;Kniebeuge&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Askese&#039;&#039;&#039; weist darauf hin, dass Frömmigkeit mit &#039;&#039;&#039;Verzicht&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Disziplin&#039;&#039;&#039; verbunden ist, mindestens mit dem Verzicht auf die Zeit, die man Gott zur Verfügung stellt, die man auch anders verwenden könnte.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Andacht&#039;&#039;&#039; markiert einen Unterschied: Man kann Worte nur so dahinsagen und Gesten gedankenlos verrichten oder sich darauf konzentrieren, mit innerer Beteiligung dabeisein, andächtig sein.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Mystik&#039;&#039;&#039; ist ein Begriff für Versuche, mit dem Übernatürlichen Kontakt aufzunehmen, mit Gott, der eigenen Seele, dem Weltganzen, oder mit den Heiligen, den Engeln, den Verstorbenen. Im Begriff Mystik wird das Individuelle und Geheimnisvolle der Frömmigkeit ausgedrückt.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039; bedeutet &#039;&#039;&#039;Konzentration&#039;&#039;&#039; auf einen bestimmten Punkt, das kann ein Bild sein, das betrachtet wird, oder ein Punkt, der fixiert wird, oder ein imaginiertes Symbol oder ein abstrakter Gedanke, der festgehalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Versuche die Begriffe, mit denen Frömmigkeit differenzierter beschrieben wird, in dem Bild von Wilhelm Leibl zu verifizieren.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stärke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Im christlichen Sinn beruht die Stärke auf zwei Überzeugungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Es lohnt sich etwas zu tun, barmherzig zu sein, sich zu engagieren. Es gibt Ziele, die die Mühe wert sind, und jeder Mensch mit seinen begrenzten Ressourcen wird gebraucht. In diesem Sinn fordert Papst Franziskus in seiner [http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html| Enzyklika &#039;&#039;Laudato Si&#039;&#039;]: &#039;&#039;Ergreifen wir ein klein wenig die Initiative.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Die zweite Überzeugung: Du bist nicht allein. Gott inspiriert viele Menschen, sammelt sie, führt sie zu gemeinsamem Engagement zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Trägheit und Faulheit können sehr geschäftig sein. Es geht nicht immer darum, Bewegung zu meiden, sondern es geht um Ausweichen vor der Auseinandersetzung. Die Opposition anderer ist bei jedem Engagement unvermeidlich; noch schwerer zu führen ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, den eingefahrenen Denkmustern und Gewohnheiten. Das tut sich der Drückeberger nicht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Seit dem Zweiten Weltkrieg findet ein Bereich zunehmende Beachtung, der mit den klassischen Vergemeinschaftungsformen der Menschen wie Staaten, Unternehmen, Familien, Religionsgemeinschaften, &amp;quot;Milieus&amp;quot; nicht übereinstimmt: Die Nichtregierungsorganisation, also Menschen, die sich ausschließlich für ein gemeinsames Projekt zusammentun, um sich gemeinsam sichtbarer und wirkungsvoller zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) &lt;br /&gt;
{{Box|Recherche|&lt;br /&gt;
Informiere dich über die Möglichkeiten, sich für Natur, Klimaschutz, Menschenrechte, Notleidende und Arme zu engagieren.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gottesfurcht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Verluste machen Angst, aber nur ein Verlust ist wirklich schlimm: &#039;&#039;&#039;Der Verlust der Liebe&#039;&#039;&#039;. Die Liebe der Mitmenschen mir gegenüber und die Liebe zu den anderen integrieren mich nach christlicher Auffassung in einen Strom, der von Gott ausgeht und zu ihm zurückführt. Das Königtum Gottes ist eine Herrschaft der Barmherzigkeit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Inklusion. Die Angst, aus dieser Gemeinschaft herauszufallen, wird konkret in der Angst vor der Schande, in der Angst um das eigene und fremde Leben und den anderen Verlustängsten. Sie wäre unerträglich groß, würde die Zugehörigkeit zu Gott von meinen eigenen Leistungen abhängen. Christen sind aber davon überzeugt, dass sich Gott auch die an die bindet, die es nicht verdient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Dazu im Gegensatz steht die lähmende Furcht, zu kurz zu kommen. Auch Menschen, denen es im Vergleich zur überwältigenden Mehrheit vergleichsweise gut geht, schielen auf die wenigen Reicheren und Leistungsfähigeren, fühlen sich ungerecht zurückgesetzt, verweigern ihr Engagement und reagieren mit Hass und Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;Das große Los zu ziehen&#039;&#039; ist eine Metapher des Glücks, obwohl es empirisch gar nicht belegbar ist, dass der plötzliche Zugang zu exklusiven und teuren Gütern tatsächlich dauerhaft glücklich macht. Von Castingshows bis zur Regenbogenpresse bedienen zahllose, der sich mehr und mehr vervielfätigenden Kommunikationskanäle den neidischen Blick, der so gerne in Häme umschlägt dem gegenüber, der hoch gekommen war und tief abstürzt: &#039;&#039;You’re Fired&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
* Schau dir die Auslage eines Zeitschriftenkiosk an: Wie hoch ist der Anteil der Titelbilder, die neidisch machen können?&lt;br /&gt;
* Befasse dich mit prominenten Fällen von persönlichen Abstürzen von bekannten Politikern oder Wirtschaftsbossen.&lt;br /&gt;
* Analysiere die Kommentare daraufhin, inwiefern sie die Häme und Schadenfreude bedienen.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131124</id>
		<title>Geistesgaben</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131124"/>
		<updated>2022-10-20T07:21:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Gottesfurcht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Worum es geht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Pfingsthymnen wird der Heilige Geist als &#039;&#039;Spender des siebenfachen Geschenks&#039;&#039; gewürdigt. Auf diese traditionelle Systematik greift dieser Lernpfad zurück. Es gilt, die sieben Geistesgaben im einzelnen kennen zu lernen und ihren Zusammenhang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Geistesgaben werden traditionell sieben Hauptsünden gegenübergestellt. Das wird im weiteren auch Thema sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschenke des Geistes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um Gaben (dona), Geschenke (munera) des Heiligen Geistes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sich eine Gabe nicht verschaffen, man kann wohl darum bitten, sie dankbar annehmen und pflegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die profanen Wissenschaften diskutieren, ob der Mensch seine Begabungen dem genetischen Erbe, frühkindlichen Prägungen, der Sozialisation oder kulturellem Erbe verdankt. In allen Fällen sind der planbaren Optimierung Grenzen gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht des Heiligen Thomas von Aquino (1220-1274) hängen die Sieben Geistesgaben miteinander zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Sieben Gaben des Heiligen Geistes.jpg|zentriert|mini|800x800px]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geistesgaben und Hauptsünden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den sieben Gaben des Heiligen Geistes werden traditionell sieben &#039;&#039;&#039;Hauptsünden&#039;&#039;&#039; gegenübergestellt. Auch das hilft, besser zu verstehen, was mit den Geistesgaben gemeint ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Geistesgaben und Hauptsünden.jpg|zentriert|gerahmt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aktualität des Themas - Aufbau der Artikel==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sind im Religions- oder Sakramentenunterricht die sieben Gaben des Geistes und die Hauptsünden einmal genannt worden; Kunstinteressierte wissen, dass sie in den Bildern von Pieter Brueghel (1530-1569), Hieronymus Bosch (1550-1612) und anderen zum Verständnis sehr wichtig sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bosch_7_Todsünden_1480_Prado.jpg|alternativtext=|ohne|zentriert|800x800px|Hieronymus Bosch: Tischillustration mit den sieben Tod- oder Hauptsünden der christlichen Tradition]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite: Die Gesellschaft tritt nach einer wohlbegründeten Diagnose in die Phase einer &#039;&#039;Wissensgesellschaft&#039;&#039; ein. Das bedeutet, dass seit einiger Zeit für die Arbeit an kognitiven Inhalten mehr Arbeitsvolumen eingesetzt und durch sie mehr Umsatz und Gewinn erzielt werden als für und durch die Produktion materieller Gegenstände. Das aber ist das &#039;&#039;&#039;Wirkungsspektrum der 7 Geistesgaben: Verbesserung der Arbeit an kognitiven Inhalten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theologische Tradition hilft uns durch diese Systematik, die Begabungen zu beschreiben und im Zusammenhang einzuordnen. Dazu sollen die einzelnen Gaben des Geistes in jeweils vier Unterpunkten präsentiert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Beschreibung der einzelnen Geistesgaben&lt;br /&gt;
#Beschreibung der zugeordneten Hauptsünden&lt;br /&gt;
#Aktualität der Herausforderung&lt;br /&gt;
#Passende Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) &#039;&#039;Verständig&#039;&#039; nennen wir einen Menschen, der schnell und gut begreift. Schnell denken können, hilft dabei gewiss; aber man braucht auch die Bereitschaft, sich auf die Umgebung und auf andere Menschen einzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Menschen, die sich narzisstisch selbst als Götzen betrachten, unbelehrbar und grundsätzlich im Recht, sind paradoxerweise auch leicht zu lenken und zu betrügen, weil sie ihr Ohr nicht denen leihen, die ihnen die Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm ist, sondern denen, die ihnen sagen, was sie hören wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Schon die TV-Kultur mit ihrem Überangebot an Spannung und Unterhaltung konnte Menschen dazu verführen, aus ihrem Alltag in eine Welt zu flüchten, in der Gut und Böse leicht zu unterscheiden war, Helden sich als Identifikationsfiguren anboten und das Ego des Zuschauers gestreichelt wurde. Heute ermöglichen es die vielen Kanäle der Kommunikation, sich in Filterblasen und Echokammern einzurichten, sich gegenseitig in absurden Verschwörungstheorien zu bestätigen und den Hass auf die anderen zu teilen und zu verstärken, sich eine verkehrte Welt zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem absolutistischen und autokratischen Kontext denken wenige für alle anderen, von der Mehrheit wird verlangt, zu gehorchen. In einem demokratischen Kontext trägt jeder Mitverantwortung. Die Übernahme der Perspektiven anderer verlangt eigene Einsichtsfähigkeit. Jeder muss selbst ein bisschen was von der wissenschaftlichen Grundhaltung und dem journalistischen Ethos verstehen und Nachrichten kritisch rezipieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Den Verstand gebrauchen, heißt, &#039;&#039;&#039;einer Sache auf den Grund gehen&#039;&#039;&#039;. Akademische Pflichtwerke wie Master- und Doktorarbeit, Sechswochenarbeit zur Abfassung eines Gerichtsurteils, Examensarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, Gesellen- und Meisterstücke im Handwerk dienen dazu, dass der Kandidat, die Kandidatin zeigen kann, dass er einer Sache auf den Grund gehen kann. Denke darüber nach, welchen Sinn das hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
In kleinerem Umfang bieten sich verschiedene Fragestellungen an, einer Sache auf den Grund zu gehen; Beispiele:&lt;br /&gt;
* Welche Vögel leben in deiner Straße, im Garten an deiner Wohnung, im Park in der Nähe und warum fühlen sie sich da wohl?&lt;br /&gt;
* Welche Argumente sprechen für und gegen eine politische Entscheidung? Was haben die Regierungs- und Oppositionsvertreter dazu gesagt?&lt;br /&gt;
* Wie kann man ein wiederholt auftretendes Rechenproblem mit einem Makro für ein Tabellenkalkulationsprogramm automatisch ausrechnen lassen?&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weisheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Weise ist ein Mensch, der bedacht und hilfreich urteilt. Dazu muss man wissen, worum es geht im Leben, welche Werte sich selbst begründen und welche im Dienst für andere höherrangige Werte eingesetzt werden sollten. Macht, Technik und Geld machen Eindruck, weil man viel damit anfangen kann. Im Dienste des Menschen gebraucht, sind diese Mittel sehr nützlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die gierige Haltung „Ich will mehr Geld, mehr Macht, mehr Wissen“ zerstört aber das Glück, denn gemessen an „mehr“, „möglichst viel“ ist alles, was ich an Wissen, Macht und Reichtum zusammenraffen und zusammengaunern kann, zu wenig: &#039;&#039;Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt?&#039;&#039; fragt Jesus – aber nicht mal das ist ja möglich. Und im Wettrennen um die vorderen Plätze in den Rankings bleiben notwendig viele auf der Strecke, so dass die Gier viele Leben zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Wer ist der weiseste Mensch der Gegenwart? Im Internet finden immer mal wieder entsprechende Umfragen statt. Das Rennen um den Rang des weisesten Menschen im ganzen XX. Jahrhundert hat in einer [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/103/umfrage/weisester-mensch/| Umfrage aus 2002] Albert Einstein gemacht,gefolgt von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa. Aber was wussten die Befragten schon von ihren Helden? Und von den vielen anderen Menschen, die sie abgewählt haben? Es verrät sich hier eine Neigung unserer Zeit, Argumentation, gemeinsame Arbeit am tragfähigen Urteil und Definitionsarbeit durch ein rasches Verfahren, z.B. eine Umfrage, zu ersetzen, Weisheit durch angebliche &#039;&#039;Schwarmintelligenz&#039;&#039; zu substituieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Kann man Weisheit durch Umfragen definieren?&lt;br /&gt;
* Von welchem vorbildlichen Menschen hast du etwas gelernt?&lt;br /&gt;
* Ist es eher ein Prominenter oder jemand, dem du persönlich begegnet bist, mit dem du eine gemeinsame Geschichte hast?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Persönliche Vorbilder|&lt;br /&gt;
Lege eine persönliche Liste an mit bewunderten Menschen und dem Grund der Bewunderung.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rat==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Gut beraten sind Menschen, die &#039;&#039;&#039;Verantwortung&#039;&#039;&#039; übernehmen können. Dabei geht es nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um die großen Lebensprojekte: Eine Familie gründen, einen Beruf und ein politisches Amt mit Blick auf das Gemeinwohl ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Gitte Haenning brachte es in einem Song auf ihrem Album &#039;&#039;Ungeschminkt&#039;&#039; 1982 auf den Punkt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will alles und zwar sofort.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst dir im [https://www.youtube.com/watch?v=BH3uKKK0XV4| VIDEO (4 MIN)] ansehen, wie Gitte Haening das Lied singt und den [https://www.songtexte.com/songtext/gitte-haenning/ich-will-alles-73f08ab9.html| Text] nachschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hintergrund&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gitte Haening, Jahrgang 1946, war in den Fünfzigerjahren als Kinderstar aufgebaut worden und hatte als Teenie mit dem Lied &#039;&#039;Ich will &#039;nen Cowboy als Mann&#039;&#039; einen großen Hit. Wenn du willst, kannst du dir ein [https://www.youtube.com/watch?v=nKofFs7bD4g| VIDEO aus dem Jahr 1963 (3 MIN)] ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Achtzigerjahren konnte Gitte Haenning den Mädchenstar nicht mehr glaubwürdig verkörpern und entwickelte ein rebellisches feministisches Image, mit dem sie wieder erfolgreich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Nimm dir den Text des Liedes &#039;&#039;Ich will alles&#039;&#039; vor und markiere die Textstellen, für die du aufgrund der Hintergrundinformationen Verständnis aufbringst, und in einer anderen Form die Textstellen, die einfach kindisch und trotzig rüberkommen.&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Die Gelegenheit zur Ausschweifung, das Angebot an Drogen, Unterhaltung, Party, völlige Vereinnahmung durch Sport, Spekulation, kreative und spannende Tätigkeiten nimmt stetig zu, Celebritäten leben Exzesse vor. Rücksicht nehmen auf die Gemeinschaft und auf die Zukunft wird zusätzlich schwer gemacht, weil die Maßstäbe vom Einzelnen erarbeitet werden müssen und sich nicht mehr einfach aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du zur Zeit der Verrentung sagen, dass dein Leben im Großen und Ganzen gelungen ist?&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du dir selbst Versagen vorwerfen müssen?&lt;br /&gt;
* Welchen Rat würdest du dir selbst heute geben, um das Gelingen des Lebens wahrscheinlicher zu machen?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaft==&lt;br /&gt;
(1) Wir kennen &#039;&#039;&#039;die Wissenschaften&#039;&#039;&#039; heute im Plural: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Medizin, Sozial- und Kulturwissenschaften usw. haben nicht nur erstaunlich viel über die Welt herausgefunden, sondern sind auch die Grundlage der &#039;&#039;&#039;modernen Technik&#039;&#039;&#039;, die dem Menschen eine nie gekannte Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Lebensdauer, Mobilität und Kommunikation ermöglicht haben. Kenntnis, &#039;&#039;&#039;Wissenschaft im Singular&#039;&#039;&#039; bedeutet, sich auszukennen, die Möglichkeiten und ihren Nutzen für das eigene Leben abschätzen zu können und so die Technik zum Glück für sich und die anderen in den Alltag zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Für das Leben ist es eine entscheidende Frage, ob die Möglichkeiten bestimmen, was gemacht wird, ohne an übergeordneten Zielen Maß zu nehmen, oder ob Werte wie Frieden, Glück und Menschenwürde bestimmen, welche Möglichkeiten entwickelt und verwirklicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man liest gelegentlich das geflügelte Wort &#039;&#039;Was technisch möglich ist, wird irgendwann auch gemacht&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fabian Scheidler hat dazu eine interessante [https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/dezember/der-digitalisierte-mensch-unser-leben-in-der-matrix| Reflexion] geschrieben.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Einige aktuelle Ereignisse - zum Beispiel das voreilige und leichtfertige [https://www.nzz.ch/wissenschaft/genetisch-veraenderte-babys-he-jiankui-hatte-eine-vision-ld.1440685| Experiment des Chinesen He Jiankui] - scheinen dem Spruch Recht zu geben, anderseits stellen wir fest:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Noch wurde keine Wasserstoffbombe im Krieg eingesetzt.&lt;br /&gt;
*Noch versorgen wir uns nicht durch Offshore-Windanlagen oder Solaranlagen in der Wüste mit Strom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;{{Box|Nicht verwirklichte technische Möglichkeiten|&lt;br /&gt;
* Benenne einige technische Möglichkeiten, die noch nicht verwirklicht sind.&lt;br /&gt;
* Beurteile, ob dir das gut oder schlecht erscheint.&lt;br /&gt;
* Ermittle die Gründe, warum bestimmte Techniken nicht umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Wie gehst du vor, wenn du dir etwas anschaffst?&lt;br /&gt;
* Machst du dir zuerst bewusst, was du nötig hast,&lt;br /&gt;
* um dann zu entscheiden, welches Produkt es sein soll. &lt;br /&gt;
* Oder liebst du die Kataloge und lässt dich faszinieren von den Möglichkeiten?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt, was die anderen haben?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Beziehung zur Person==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier Gaben des Geistes betreffen entsprechend der Systematik des Heiligen Thomas die Beziehungen des einzelnen Menschen zu seiner menschlichen und außermenschlichen Umwelt: Welche Gaben sind nötig, um die Situation richtig zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen drei Gaben des Geistes betreffen das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, darin enthalten die Beziehung zum Geist Gottes und die Frage, wer oder was treibende Kraft im Menschen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frömmigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen und könnte das auch gar nicht. Er nimmt sein Leben in Empfang, kann dafür danken und sich daran freuen und es zuletzt vertrauensvoll zurückgeben. Die Grundhaltungen der Dankbarkeit, Freude und des Vertrauens entlasten vom Stress der Selbsterhaltung und Sicherung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die Gegenposition hat Friedrich Nietzsche (1844-1900) in der Schlussfolgerung zum Ausdruck gebracht: &#039;&#039;wenn es Götter gäbe, wie hielte ich&#039;s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.&#039;&#039; ([http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Also+sprach+Zarathustra/Zweiter+Teil.+Also+sprach+Zarathustra/Auf+den+gl%C3%BCckseligen+Inseln| &#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Zweiter Teil: &#039;&#039;Auf den glückseligen Inseln&#039;&#039;]) Dass außer ihm noch anderes existiert, beweist dem Gottlosen die Endlichkeit der eigenen Existenz, die ihm verhasst ist und für die er sich an den Mitgeschöpfen rächt, vor allem an denen, die er als Konkurrenten um Lebensmöglichkeiten und als Bedrohung für seine Sicherheit definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) In der Lebenszeit der jetzt heranwachsenden Generation dürfte die Menschheit in der zweiten Hälfte des laufenden Jahrhunderts den Zenit bei etwa 10 Milliarden zugleich lebenden Menschen erreichen. Wir sind sehr viele und werden immer noch mehr, und leicht lässt sich die Konkurrenz um knappe Ressourcen inszenieren: Wohnraum in begehrten Gebieten ist knapp, Arbeitsplätze scheinen knapp zu sein, obwohl es nicht an Aufgaben fehlt; [https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/corona-krise-warum-es-zu-wenig-beatmungsgeraete-in-den-usa-gibt-a-1305896-2.html| jüngst erlebten wir, dass Beatmungsgeräte knapp sein können]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt die Knappheit durch Innovation und Kooperation zu überwinden, scheint es einfacher, Hass und Rachsucht auf die anderen zu richten. Es ist aber im Kern der Hass des Menschen auf das Menschsein selbst, das eben nicht Gottheit ist, jedenfalls nicht aus eigener Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Hass ist eine wirksame Macht, die Gewalt provoziert und Wahrergebnisse beeinflusst.&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
Informiere Dich über Kundgebungen des Hasses und der Rachsucht in politischen Äußerungen, Kommunikationsnetzen usw. Nimm Dir einzelne Beispiele vor und untersuche sorgfältig das Menschenbild, das dort zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Gegengifte, Dankbarkeit und Vertrauen, bleiben sehr abstrakt, wenn sie sich nicht in Zeichen und Ritualen äußern. Frömmigkeit wird daher gerne so verstanden, dass man Gott Zeit zur Verfügung stellt, um ihm zu danken und durch Bitten sein Vertrauen zu ihm auszudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelm_Maria_Hubertus_Leibl_008.jpg|550px|center|Wilhelm Leibl: Drei Frauen in der Kirche (1881)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses weltberühmte Bild von Wilhelm Leibl aus dem Jahre 1881 zeigt drei Frauen in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Bildinterpretation|&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild genau an: &lt;br /&gt;
* Was haben die drei Frauen gemeinsam?&lt;br /&gt;
* Wie unterscheidet sich ihre Haltung in der Kirche?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf diese Weise einen eigenen Zugang zu dem Bild gesucht hast, kannst du unten durch Klick auf die &amp;quot;Hotspots&amp;quot; weitere Informationen zur Erschließung des Bildes bekommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=4616|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Fömmigkeit differenzierter zu beschreiben, gibt es einige Begriffe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; ist ein Gespräch mit Gott. Beten kann jeder für sich, und man kann gemeinsam im Sprechchor ein Gebet sprechen oder singen, zum Beispiel im Rahmen einer Messe.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gesten&#039;&#039;&#039; können Worte begleiten wie das &#039;&#039;&#039;Kreuzzeichen&#039;&#039;&#039; und das &#039;&#039;&#039;Händefalten&#039;&#039;&#039; oder wortlos ausgeführt werden, zum Beispiel die &#039;&#039;&#039;Kniebeuge&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Askese&#039;&#039;&#039; weist darauf hin, dass Frömmigkeit mit &#039;&#039;&#039;Verzicht&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Disziplin&#039;&#039;&#039; verbunden ist, mindestens mit dem Verzicht auf die Zeit, die man Gott zur Verfügung stellt, die man auch anders verwenden könnte.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Andacht&#039;&#039;&#039; markiert einen Unterschied: Man kann Worte nur so dahinsagen und Gesten gedankenlos verrichten oder sich darauf konzentrieren, mit innerer Beteiligung dabeisein, andächtig sein.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Mystik&#039;&#039;&#039; ist ein Begriff für Versuche, mit dem Übernatürlichen Kontakt aufzunehmen, mit Gott, der eigenen Seele, dem Weltganzen, oder mit den Heiligen, den Engeln, den Verstorbenen. Im Begriff Mystik wird das Individuelle und Geheimnisvolle der Frömmigkeit ausgedrückt.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039; bedeutet &#039;&#039;&#039;Konzentration&#039;&#039;&#039; auf einen bestimmten Punkt, das kann ein Bild sein, das betrachtet wird, oder ein Punkt, der fixiert wird, oder ein imaginiertes Symbol oder ein abstrakter Gedanke, der festgehalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Versuche die Begriffe, mit denen Frömmigkeit differenzierter beschrieben wird, in dem Bild von Wilhelm Leibl zu verifizieren.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stärke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Im christlichen Sinn beruht die Stärke auf zwei Überzeugungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Es lohnt sich etwas zu tun, barmherzig zu sein, sich zu engagieren. Es gibt Ziele, die die Mühe wert sind, und jeder Mensch mit seinen begrenzten Ressourcen wird gebraucht. In diesem Sinn fordert Papst Franziskus in seiner [http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html| Enzyklika &#039;&#039;Laudato Si&#039;&#039;]: &#039;&#039;Ergreifen wir ein klein wenig die Initiative.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Die zweite Überzeugung: Du bist nicht allein. Gott inspiriert viele Menschen, sammelt sie, führt sie zu gemeinsamem Engagement zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Trägheit und Faulheit können sehr geschäftig sein. Es geht nicht immer darum, Bewegung zu meiden, sondern es geht um Ausweichen vor der Auseinandersetzung. Die Opposition anderer ist bei jedem Engagement unvermeidlich; noch schwerer zu führen ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, den eingefahrenen Denkmustern und Gewohnheiten. Das tut sich der Drückeberger nicht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Seit dem Zweiten Weltkrieg findet ein Bereich zunehmende Beachtung, der mit den klassischen Vergemeinschaftungsformen der Menschen wie Staaten, Unternehmen, Familien, Religionsgemeinschaften, &amp;quot;Milieus&amp;quot; nicht übereinstimmt: Die Nichtregierungsorganisation, also Menschen, die sich ausschließlich für ein gemeinsames Projekt zusammentun, um sich gemeinsam sichtbarer und wirkungsvoller zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) &lt;br /&gt;
{{Box|Recherche|&lt;br /&gt;
Informiere dich über die Möglichkeiten, sich für Natur, Klimaschutz, Mnschenrechte, Notleidende und Arme zu engagieren.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gottesfurcht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Verluste machen Angst, aber nur ein Verlust ist wirklich schlimm: &#039;&#039;&#039;Der Verlust der Liebe&#039;&#039;&#039;. Die Liebe der Mitmenschen mir gegenüber und die Liebe zu den anderen integrieren mich nach christlicher Auffassung in einen Strom, der von Gott ausgeht und zu ihm zurückführt. Das Königtum Gottes ist eine Herrschaft der Barmherzigkeit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Inklusion. Die Angst, aus dieser Gemeinschaft herauszufallen, wird konkret in der Angst vor der Schande, in der Angst um das eigene und fremde Leben und den anderen Verlustängsten. Sie wäre unerträglich groß, würde die Zugehörigkeit zu Gott von meinen eigenen Leistungen abhängen. Christen sind aber davon überzeugt, dass sich Gott auch die an die bindet, die es nicht verdient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Dazu im Gegensatz steht die lähmende Furcht, zu kurz zu kommen. Auch Menschen, denen es im Vergleich zur überwältigenden Mehrheit vergleichsweise gut geht, schielen auf die wenigen Reicheren und Leistungsfähigeren, fühlen sich ungerecht zurückgesetzt, verweigern ihr Engagement und reagieren mit Hass und Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;Das große Los zu ziehen&#039;&#039; ist eine Metapher des Glücks, obwohl es empirisch gar nicht belegbar ist, dass der plötzliche Zugang zu exklusiven und teuren Gütern tatsächlich dauerhaft glücklich macht. Von Castingshows bis zur Regenbogenpresse bedienen zahllose, der sich mehr und mehr vervielfätigenden Kommunikationskanäle den neidischen Blick, der so gerne in Häme umschlägt dem gegenüber, der hoch gekommen war und tief abstürzt: &#039;&#039;You’re Fired&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
* Schau dir die Auslage eines Zeitschriftenkiosk an: Wie hoch ist der Anteil der Titelbilder, die neidisch machen können?&lt;br /&gt;
* Befasse dich mit prominenten Fällen von persönlichen Abstürzen von bekannten Politikern oder Wirtschaftsbossen.&lt;br /&gt;
* Analysiere die Kommentare daraufhin, inwiefern sie die Häme und Schadenfreude bedienen.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131123</id>
		<title>Geistesgaben</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131123"/>
		<updated>2022-10-20T07:17:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Frömmigkeit */ Korrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Worum es geht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Pfingsthymnen wird der Heilige Geist als &#039;&#039;Spender des siebenfachen Geschenks&#039;&#039; gewürdigt. Auf diese traditionelle Systematik greift dieser Lernpfad zurück. Es gilt, die sieben Geistesgaben im einzelnen kennen zu lernen und ihren Zusammenhang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Geistesgaben werden traditionell sieben Hauptsünden gegenübergestellt. Das wird im weiteren auch Thema sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschenke des Geistes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um Gaben (dona), Geschenke (munera) des Heiligen Geistes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sich eine Gabe nicht verschaffen, man kann wohl darum bitten, sie dankbar annehmen und pflegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die profanen Wissenschaften diskutieren, ob der Mensch seine Begabungen dem genetischen Erbe, frühkindlichen Prägungen, der Sozialisation oder kulturellem Erbe verdankt. In allen Fällen sind der planbaren Optimierung Grenzen gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht des Heiligen Thomas von Aquino (1220-1274) hängen die Sieben Geistesgaben miteinander zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Sieben Gaben des Heiligen Geistes.jpg|zentriert|mini|800x800px]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geistesgaben und Hauptsünden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den sieben Gaben des Heiligen Geistes werden traditionell sieben &#039;&#039;&#039;Hauptsünden&#039;&#039;&#039; gegenübergestellt. Auch das hilft, besser zu verstehen, was mit den Geistesgaben gemeint ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Geistesgaben und Hauptsünden.jpg|zentriert|gerahmt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aktualität des Themas - Aufbau der Artikel==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sind im Religions- oder Sakramentenunterricht die sieben Gaben des Geistes und die Hauptsünden einmal genannt worden; Kunstinteressierte wissen, dass sie in den Bildern von Pieter Brueghel (1530-1569), Hieronymus Bosch (1550-1612) und anderen zum Verständnis sehr wichtig sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bosch_7_Todsünden_1480_Prado.jpg|alternativtext=|ohne|zentriert|800x800px|Hieronymus Bosch: Tischillustration mit den sieben Tod- oder Hauptsünden der christlichen Tradition]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite: Die Gesellschaft tritt nach einer wohlbegründeten Diagnose in die Phase einer &#039;&#039;Wissensgesellschaft&#039;&#039; ein. Das bedeutet, dass seit einiger Zeit für die Arbeit an kognitiven Inhalten mehr Arbeitsvolumen eingesetzt und durch sie mehr Umsatz und Gewinn erzielt werden als für und durch die Produktion materieller Gegenstände. Das aber ist das &#039;&#039;&#039;Wirkungsspektrum der 7 Geistesgaben: Verbesserung der Arbeit an kognitiven Inhalten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theologische Tradition hilft uns durch diese Systematik, die Begabungen zu beschreiben und im Zusammenhang einzuordnen. Dazu sollen die einzelnen Gaben des Geistes in jeweils vier Unterpunkten präsentiert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Beschreibung der einzelnen Geistesgaben&lt;br /&gt;
#Beschreibung der zugeordneten Hauptsünden&lt;br /&gt;
#Aktualität der Herausforderung&lt;br /&gt;
#Passende Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) &#039;&#039;Verständig&#039;&#039; nennen wir einen Menschen, der schnell und gut begreift. Schnell denken können, hilft dabei gewiss; aber man braucht auch die Bereitschaft, sich auf die Umgebung und auf andere Menschen einzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Menschen, die sich narzisstisch selbst als Götzen betrachten, unbelehrbar und grundsätzlich im Recht, sind paradoxerweise auch leicht zu lenken und zu betrügen, weil sie ihr Ohr nicht denen leihen, die ihnen die Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm ist, sondern denen, die ihnen sagen, was sie hören wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Schon die TV-Kultur mit ihrem Überangebot an Spannung und Unterhaltung konnte Menschen dazu verführen, aus ihrem Alltag in eine Welt zu flüchten, in der Gut und Böse leicht zu unterscheiden war, Helden sich als Identifikationsfiguren anboten und das Ego des Zuschauers gestreichelt wurde. Heute ermöglichen es die vielen Kanäle der Kommunikation, sich in Filterblasen und Echokammern einzurichten, sich gegenseitig in absurden Verschwörungstheorien zu bestätigen und den Hass auf die anderen zu teilen und zu verstärken, sich eine verkehrte Welt zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem absolutistischen und autokratischen Kontext denken wenige für alle anderen, von der Mehrheit wird verlangt, zu gehorchen. In einem demokratischen Kontext trägt jeder Mitverantwortung. Die Übernahme der Perspektiven anderer verlangt eigene Einsichtsfähigkeit. Jeder muss selbst ein bisschen was von der wissenschaftlichen Grundhaltung und dem journalistischen Ethos verstehen und Nachrichten kritisch rezipieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Den Verstand gebrauchen, heißt, &#039;&#039;&#039;einer Sache auf den Grund gehen&#039;&#039;&#039;. Akademische Pflichtwerke wie Master- und Doktorarbeit, Sechswochenarbeit zur Abfassung eines Gerichtsurteils, Examensarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, Gesellen- und Meisterstücke im Handwerk dienen dazu, dass der Kandidat, die Kandidatin zeigen kann, dass er einer Sache auf den Grund gehen kann. Denke darüber nach, welchen Sinn das hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
In kleinerem Umfang bieten sich verschiedene Fragestellungen an, einer Sache auf den Grund zu gehen; Beispiele:&lt;br /&gt;
* Welche Vögel leben in deiner Straße, im Garten an deiner Wohnung, im Park in der Nähe und warum fühlen sie sich da wohl?&lt;br /&gt;
* Welche Argumente sprechen für und gegen eine politische Entscheidung? Was haben die Regierungs- und Oppositionsvertreter dazu gesagt?&lt;br /&gt;
* Wie kann man ein wiederholt auftretendes Rechenproblem mit einem Makro für ein Tabellenkalkulationsprogramm automatisch ausrechnen lassen?&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weisheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Weise ist ein Mensch, der bedacht und hilfreich urteilt. Dazu muss man wissen, worum es geht im Leben, welche Werte sich selbst begründen und welche im Dienst für andere höherrangige Werte eingesetzt werden sollten. Macht, Technik und Geld machen Eindruck, weil man viel damit anfangen kann. Im Dienste des Menschen gebraucht, sind diese Mittel sehr nützlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die gierige Haltung „Ich will mehr Geld, mehr Macht, mehr Wissen“ zerstört aber das Glück, denn gemessen an „mehr“, „möglichst viel“ ist alles, was ich an Wissen, Macht und Reichtum zusammenraffen und zusammengaunern kann, zu wenig: &#039;&#039;Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt?&#039;&#039; fragt Jesus – aber nicht mal das ist ja möglich. Und im Wettrennen um die vorderen Plätze in den Rankings bleiben notwendig viele auf der Strecke, so dass die Gier viele Leben zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Wer ist der weiseste Mensch der Gegenwart? Im Internet finden immer mal wieder entsprechende Umfragen statt. Das Rennen um den Rang des weisesten Menschen im ganzen XX. Jahrhundert hat in einer [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/103/umfrage/weisester-mensch/| Umfrage aus 2002] Albert Einstein gemacht,gefolgt von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa. Aber was wussten die Befragten schon von ihren Helden? Und von den vielen anderen Menschen, die sie abgewählt haben? Es verrät sich hier eine Neigung unserer Zeit, Argumentation, gemeinsame Arbeit am tragfähigen Urteil und Definitionsarbeit durch ein rasches Verfahren, z.B. eine Umfrage, zu ersetzen, Weisheit durch angebliche &#039;&#039;Schwarmintelligenz&#039;&#039; zu substituieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Kann man Weisheit durch Umfragen definieren?&lt;br /&gt;
* Von welchem vorbildlichen Menschen hast du etwas gelernt?&lt;br /&gt;
* Ist es eher ein Prominenter oder jemand, dem du persönlich begegnet bist, mit dem du eine gemeinsame Geschichte hast?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Persönliche Vorbilder|&lt;br /&gt;
Lege eine persönliche Liste an mit bewunderten Menschen und dem Grund der Bewunderung.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rat==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Gut beraten sind Menschen, die &#039;&#039;&#039;Verantwortung&#039;&#039;&#039; übernehmen können. Dabei geht es nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um die großen Lebensprojekte: Eine Familie gründen, einen Beruf und ein politisches Amt mit Blick auf das Gemeinwohl ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Gitte Haenning brachte es in einem Song auf ihrem Album &#039;&#039;Ungeschminkt&#039;&#039; 1982 auf den Punkt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will alles und zwar sofort.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst dir im [https://www.youtube.com/watch?v=BH3uKKK0XV4| VIDEO (4 MIN)] ansehen, wie Gitte Haening das Lied singt und den [https://www.songtexte.com/songtext/gitte-haenning/ich-will-alles-73f08ab9.html| Text] nachschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hintergrund&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gitte Haening, Jahrgang 1946, war in den Fünfzigerjahren als Kinderstar aufgebaut worden und hatte als Teenie mit dem Lied &#039;&#039;Ich will &#039;nen Cowboy als Mann&#039;&#039; einen großen Hit. Wenn du willst, kannst du dir ein [https://www.youtube.com/watch?v=nKofFs7bD4g| VIDEO aus dem Jahr 1963 (3 MIN)] ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Achtzigerjahren konnte Gitte Haenning den Mädchenstar nicht mehr glaubwürdig verkörpern und entwickelte ein rebellisches feministisches Image, mit dem sie wieder erfolgreich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Nimm dir den Text des Liedes &#039;&#039;Ich will alles&#039;&#039; vor und markiere die Textstellen, für die du aufgrund der Hintergrundinformationen Verständnis aufbringst, und in einer anderen Form die Textstellen, die einfach kindisch und trotzig rüberkommen.&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Die Gelegenheit zur Ausschweifung, das Angebot an Drogen, Unterhaltung, Party, völlige Vereinnahmung durch Sport, Spekulation, kreative und spannende Tätigkeiten nimmt stetig zu, Celebritäten leben Exzesse vor. Rücksicht nehmen auf die Gemeinschaft und auf die Zukunft wird zusätzlich schwer gemacht, weil die Maßstäbe vom Einzelnen erarbeitet werden müssen und sich nicht mehr einfach aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du zur Zeit der Verrentung sagen, dass dein Leben im Großen und Ganzen gelungen ist?&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du dir selbst Versagen vorwerfen müssen?&lt;br /&gt;
* Welchen Rat würdest du dir selbst heute geben, um das Gelingen des Lebens wahrscheinlicher zu machen?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaft==&lt;br /&gt;
(1) Wir kennen &#039;&#039;&#039;die Wissenschaften&#039;&#039;&#039; heute im Plural: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Medizin, Sozial- und Kulturwissenschaften usw. haben nicht nur erstaunlich viel über die Welt herausgefunden, sondern sind auch die Grundlage der &#039;&#039;&#039;modernen Technik&#039;&#039;&#039;, die dem Menschen eine nie gekannte Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Lebensdauer, Mobilität und Kommunikation ermöglicht haben. Kenntnis, &#039;&#039;&#039;Wissenschaft im Singular&#039;&#039;&#039; bedeutet, sich auszukennen, die Möglichkeiten und ihren Nutzen für das eigene Leben abschätzen zu können und so die Technik zum Glück für sich und die anderen in den Alltag zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Für das Leben ist es eine entscheidende Frage, ob die Möglichkeiten bestimmen, was gemacht wird, ohne an übergeordneten Zielen Maß zu nehmen, oder ob Werte wie Frieden, Glück und Menschenwürde bestimmen, welche Möglichkeiten entwickelt und verwirklicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man liest gelegentlich das geflügelte Wort &#039;&#039;Was technisch möglich ist, wird irgendwann auch gemacht&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fabian Scheidler hat dazu eine interessante [https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/dezember/der-digitalisierte-mensch-unser-leben-in-der-matrix| Reflexion] geschrieben.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Einige aktuelle Ereignisse - zum Beispiel das voreilige und leichtfertige [https://www.nzz.ch/wissenschaft/genetisch-veraenderte-babys-he-jiankui-hatte-eine-vision-ld.1440685| Experiment des Chinesen He Jiankui] - scheinen dem Spruch Recht zu geben, anderseits stellen wir fest:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Noch wurde keine Wasserstoffbombe im Krieg eingesetzt.&lt;br /&gt;
*Noch versorgen wir uns nicht durch Offshore-Windanlagen oder Solaranlagen in der Wüste mit Strom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;{{Box|Nicht verwirklichte technische Möglichkeiten|&lt;br /&gt;
* Benenne einige technische Möglichkeiten, die noch nicht verwirklicht sind.&lt;br /&gt;
* Beurteile, ob dir das gut oder schlecht erscheint.&lt;br /&gt;
* Ermittle die Gründe, warum bestimmte Techniken nicht umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Wie gehst du vor, wenn du dir etwas anschaffst?&lt;br /&gt;
* Machst du dir zuerst bewusst, was du nötig hast,&lt;br /&gt;
* um dann zu entscheiden, welches Produkt es sein soll. &lt;br /&gt;
* Oder liebst du die Kataloge und lässt dich faszinieren von den Möglichkeiten?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt, was die anderen haben?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Beziehung zur Person==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier Gaben des Geistes betreffen entsprechend der Systematik des Heiligen Thomas die Beziehungen des einzelnen Menschen zu seiner menschlichen und außermenschlichen Umwelt: Welche Gaben sind nötig, um die Situation richtig zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen drei Gaben des Geistes betreffen das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, darin enthalten die Beziehung zum Geist Gottes und die Frage, wer oder was treibende Kraft im Menschen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frömmigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen und könnte das auch gar nicht. Er nimmt sein Leben in Empfang, kann dafür danken und sich daran freuen und es zuletzt vertrauensvoll zurückgeben. Die Grundhaltungen der Dankbarkeit, Freude und des Vertrauens entlasten vom Stress der Selbsterhaltung und Sicherung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die Gegenposition hat Friedrich Nietzsche (1844-1900) in der Schlussfolgerung zum Ausdruck gebracht: &#039;&#039;wenn es Götter gäbe, wie hielte ich&#039;s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.&#039;&#039; ([http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Also+sprach+Zarathustra/Zweiter+Teil.+Also+sprach+Zarathustra/Auf+den+gl%C3%BCckseligen+Inseln| &#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Zweiter Teil: &#039;&#039;Auf den glückseligen Inseln&#039;&#039;]) Dass außer ihm noch anderes existiert, beweist dem Gottlosen die Endlichkeit der eigenen Existenz, die ihm verhasst ist und für die er sich an den Mitgeschöpfen rächt, vor allem an denen, die er als Konkurrenten um Lebensmöglichkeiten und als Bedrohung für seine Sicherheit definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) In der Lebenszeit der jetzt heranwachsenden Generation dürfte die Menschheit in der zweiten Hälfte des laufenden Jahrhunderts den Zenit bei etwa 10 Milliarden zugleich lebenden Menschen erreichen. Wir sind sehr viele und werden immer noch mehr, und leicht lässt sich die Konkurrenz um knappe Ressourcen inszenieren: Wohnraum in begehrten Gebieten ist knapp, Arbeitsplätze scheinen knapp zu sein, obwohl es nicht an Aufgaben fehlt; [https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/corona-krise-warum-es-zu-wenig-beatmungsgeraete-in-den-usa-gibt-a-1305896-2.html| jüngst erlebten wir, dass Beatmungsgeräte knapp sein können]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt die Knappheit durch Innovation und Kooperation zu überwinden, scheint es einfacher, Hass und Rachsucht auf die anderen zu richten. Es ist aber im Kern der Hass des Menschen auf das Menschsein selbst, das eben nicht Gottheit ist, jedenfalls nicht aus eigener Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Hass ist eine wirksame Macht, die Gewalt provoziert und Wahrergebnisse beeinflusst.&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
Informiere Dich über Kundgebungen des Hasses und der Rachsucht in politischen Äußerungen, Kommunikationsnetzen usw. Nimm Dir einzelne Beispiele vor und untersuche sorgfältig das Menschenbild, das dort zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Gegengifte, Dankbarkeit und Vertrauen, bleiben sehr abstrakt, wenn sie sich nicht in Zeichen und Ritualen äußern. Frömmigkeit wird daher gerne so verstanden, dass man Gott Zeit zur Verfügung stellt, um ihm zu danken und durch Bitten sein Vertrauen zu ihm auszudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelm_Maria_Hubertus_Leibl_008.jpg|550px|center|Wilhelm Leibl: Drei Frauen in der Kirche (1881)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses weltberühmte Bild von Wilhelm Leibl aus dem Jahre 1881 zeigt drei Frauen in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Bildinterpretation|&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild genau an: &lt;br /&gt;
* Was haben die drei Frauen gemeinsam?&lt;br /&gt;
* Wie unterscheidet sich ihre Haltung in der Kirche?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf diese Weise einen eigenen Zugang zu dem Bild gesucht hast, kannst du unten durch Klick auf die &amp;quot;Hotspots&amp;quot; weitere Informationen zur Erschließung des Bildes bekommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=4616|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Fömmigkeit differenzierter zu beschreiben, gibt es einige Begriffe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; ist ein Gespräch mit Gott. Beten kann jeder für sich, und man kann gemeinsam im Sprechchor ein Gebet sprechen oder singen, zum Beispiel im Rahmen einer Messe.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gesten&#039;&#039;&#039; können Worte begleiten wie das &#039;&#039;&#039;Kreuzzeichen&#039;&#039;&#039; und das &#039;&#039;&#039;Händefalten&#039;&#039;&#039; oder wortlos ausgeführt werden, zum Beispiel die &#039;&#039;&#039;Kniebeuge&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Askese&#039;&#039;&#039; weist darauf hin, dass Frömmigkeit mit &#039;&#039;&#039;Verzicht&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Disziplin&#039;&#039;&#039; verbunden ist, mindestens mit dem Verzicht auf die Zeit, die man Gott zur Verfügung stellt, die man auch anders verwenden könnte.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Andacht&#039;&#039;&#039; markiert einen Unterschied: Man kann Worte nur so dahinsagen und Gesten gedankenlos verrichten oder sich darauf konzentrieren, mit innerer Beteiligung dabeisein, andächtig sein.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Mystik&#039;&#039;&#039; ist ein Begriff für Versuche, mit dem Übernatürlichen Kontakt aufzunehmen, mit Gott, der eigenen Seele, dem Weltganzen, oder mit den Heiligen, den Engeln, den Verstorbenen. Im Begriff Mystik wird das Individuelle und Geheimnisvolle der Frömmigkeit ausgedrückt.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039; bedeutet &#039;&#039;&#039;Konzentration&#039;&#039;&#039; auf einen bestimmten Punkt, das kann ein Bild sein, das betrachtet wird, oder ein Punkt, der fixiert wird, oder ein imaginiertes Symbol oder ein abstrakter Gedanke, der festgehalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Versuche die Begriffe, mit denen Frömmigkeit differenzierter beschrieben wird, in dem Bild von Wilhelm Leibl zu verifizieren.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stärke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Im christlichen Sinn beruht die Stärke auf zwei Überzeugungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Es lohnt sich etwas zu tun, barmherzig zu sein, sich zu engagieren. Es gibt Ziele, die die Mühe wert sind, und jeder Mensch mit seinen begrenzten Ressourcen wird gebraucht. In diesem Sinn fordert Papst Franziskus in seiner [http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html| Enzyklika &#039;&#039;Laudato Si&#039;&#039;]: &#039;&#039;Ergreifen wir ein klein wenig die Initiative.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Die zweite Überzeugung: Du bist nicht allein. Gott inspiriert viele Menschen, sammelt sie, führt sie zu gemeinsamem Engagement zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Trägheit und Faulheit können sehr geschäftig sein. Es geht nicht immer darum, Bewegung zu meiden, sondern es geht um Ausweichen vor der Auseinandersetzung. Die Opposition anderer ist bei jedem Engagement unvermeidlich; noch schwerer zu führen ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, den eingefahrenen Denkmustern und Gewohnheiten. Das tut sich der Drückeberger nicht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Seit dem Zweiten Weltkrieg findet ein Bereich zunehmende Beachtung, der mit den klassischen Vergemeinschaftungsformen der Menschen wie Staaten, Unternehmen, Familien, Religionsgemeinschaften, &amp;quot;Milieus&amp;quot; nicht übereinstimmt: Die Nichtregierungsorganisation, also Menschen, die sich ausschließlich für ein gemeinsames Projekt zusammentun, um sich gemeinsam sichtbarer und wirkungsvoller zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) &lt;br /&gt;
{{Box|Recherche|&lt;br /&gt;
Informiere dich über die Möglichkeiten, sich für Natur, Klimaschutz, Mnschenrechte, Notleidende und Arme zu engagieren.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gottesfurcht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Verluste machen Angst, aber nur ein Verlust ist wirklich schlimm: &#039;&#039;&#039;Der Verlust der Liebe&#039;&#039;&#039;. Die Liebe der Mitmenschen mir gegenüber und die Liebe zu den anderen integrieren mich nach christlicher Auffassung in einen Strom, der von Gott ausgeht und zu ihm zurückführt. Das Königtum Gottes ist eine Herrschaft der Barmherzigkeit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Inklusion. Die Angst, aus dieser Gemeinschaft herauszufallen, wird konkret in der Angst vor der Schande, in der Angst um das eigene und fremde Leben und den anderen Verlustängsten. Sie wäre unerträglich groß, würde die Zugehörigkeit zu Gott von meinen eigenen Leistungen abhängen. Christen sind aber davon überzeugt, dass sich Gott auch die an die bindet, die es nicht verdient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Dazu im Gegensatz steht die lähmende Furcht, zu kurz zu kommen. Auch Menschen, denen es im Vergleich zur überwältigenden Mehrheit vergleichsweise gut geht, schielen auf die wenigen Reicheren und Leistungsfähigeren, fühlen sich ungerecht zurückgesetzt, verweigern ihr Engagement und reagieren mit Hass und Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;Das große Los zu ziehen&#039;&#039; ist eine Metapher des Glücks, obwohl es empirisch gar nicht belegbar ist, dass der plötzliche Zugang zu exklusiven und teuren Gütern tatsächlich dauerhaft glücklich macht. Von Castingshows bis zu Regenbogenpresse bedienen zahllose, der sich mehr und mehr vervielfätigenden Kommunikationskanäle den neidischen Blick, der so gerne in Häme umschlägt demgegenüber, der hoch gekommen war und tief abstürzt: &#039;&#039;You’re Fired&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
* Schau dir die Auslage eines Zeitschriftenkiosk an: Wie hoch ist der Anteil der Titelbilder, die neidisch machen können?&lt;br /&gt;
* Befasse dich mit prominenten Fällen von persönlichen Abstürzen von bekannten Politikern oder Wirtschaftsbossen.&lt;br /&gt;
* Analysiere die Kommentare daraufhin, inwiefern sie die Häme und Schadenfreude bedienen.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131122</id>
		<title>Geistesgaben</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131122"/>
		<updated>2022-10-20T07:08:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: Kleine Korrekturen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Worum es geht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Pfingsthymnen wird der Heilige Geist als &#039;&#039;Spender des siebenfachen Geschenks&#039;&#039; gewürdigt. Auf diese traditionelle Systematik greift dieser Lernpfad zurück. Es gilt, die sieben Geistesgaben im einzelnen kennen zu lernen und ihren Zusammenhang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Geistesgaben werden traditionell sieben Hauptsünden gegenübergestellt. Das wird im weiteren auch Thema sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschenke des Geistes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um Gaben (dona), Geschenke (munera) des Heiligen Geistes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sich eine Gabe nicht verschaffen, man kann wohl darum bitten, sie dankbar annehmen und pflegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die profanen Wissenschaften diskutieren, ob der Mensch seine Begabungen dem genetischen Erbe, frühkindlichen Prägungen, der Sozialisation oder kulturellem Erbe verdankt. In allen Fällen sind der planbaren Optimierung Grenzen gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht des Heiligen Thomas von Aquino (1220-1274) hängen die Sieben Geistesgaben miteinander zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Sieben Gaben des Heiligen Geistes.jpg|zentriert|mini|800x800px]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geistesgaben und Hauptsünden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den sieben Gaben des Heiligen Geistes werden traditionell sieben &#039;&#039;&#039;Hauptsünden&#039;&#039;&#039; gegenübergestellt. Auch das hilft, besser zu verstehen, was mit den Geistesgaben gemeint ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Geistesgaben und Hauptsünden.jpg|zentriert|gerahmt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aktualität des Themas - Aufbau der Artikel==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sind im Religions- oder Sakramentenunterricht die sieben Gaben des Geistes und die Hauptsünden einmal genannt worden; Kunstinteressierte wissen, dass sie in den Bildern von Pieter Brueghel (1530-1569), Hieronymus Bosch (1550-1612) und anderen zum Verständnis sehr wichtig sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bosch_7_Todsünden_1480_Prado.jpg|alternativtext=|ohne|zentriert|800x800px|Hieronymus Bosch: Tischillustration mit den sieben Tod- oder Hauptsünden der christlichen Tradition]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite: Die Gesellschaft tritt nach einer wohlbegründeten Diagnose in die Phase einer &#039;&#039;Wissensgesellschaft&#039;&#039; ein. Das bedeutet, dass seit einiger Zeit für die Arbeit an kognitiven Inhalten mehr Arbeitsvolumen eingesetzt und durch sie mehr Umsatz und Gewinn erzielt werden als für und durch die Produktion materieller Gegenstände. Das aber ist das &#039;&#039;&#039;Wirkungsspektrum der 7 Geistesgaben: Verbesserung der Arbeit an kognitiven Inhalten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theologische Tradition hilft uns durch diese Systematik, die Begabungen zu beschreiben und im Zusammenhang einzuordnen. Dazu sollen die einzelnen Gaben des Geistes in jeweils vier Unterpunkten präsentiert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Beschreibung der einzelnen Geistesgaben&lt;br /&gt;
#Beschreibung der zugeordneten Hauptsünden&lt;br /&gt;
#Aktualität der Herausforderung&lt;br /&gt;
#Passende Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) &#039;&#039;Verständig&#039;&#039; nennen wir einen Menschen, der schnell und gut begreift. Schnell denken können, hilft dabei gewiss; aber man braucht auch die Bereitschaft, sich auf die Umgebung und auf andere Menschen einzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Menschen, die sich narzisstisch selbst als Götzen betrachten, unbelehrbar und grundsätzlich im Recht, sind paradoxerweise auch leicht zu lenken und zu betrügen, weil sie ihr Ohr nicht denen leihen, die ihnen die Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm ist, sondern denen, die ihnen sagen, was sie hören wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Schon die TV-Kultur mit ihrem Überangebot an Spannung und Unterhaltung konnte Menschen dazu verführen, aus ihrem Alltag in eine Welt zu flüchten, in der Gut und Böse leicht zu unterscheiden war, Helden sich als Identifikationsfiguren anboten und das Ego des Zuschauers gestreichelt wurde. Heute ermöglichen es die vielen Kanäle der Kommunikation, sich in Filterblasen und Echokammern einzurichten, sich gegenseitig in absurden Verschwörungstheorien zu bestätigen und den Hass auf die anderen zu teilen und zu verstärken, sich eine verkehrte Welt zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem absolutistischen und autokratischen Kontext denken wenige für alle anderen, von der Mehrheit wird verlangt, zu gehorchen. In einem demokratischen Kontext trägt jeder Mitverantwortung. Die Übernahme der Perspektiven anderer verlangt eigene Einsichtsfähigkeit. Jeder muss selbst ein bisschen was von der wissenschaftlichen Grundhaltung und dem journalistischen Ethos verstehen und Nachrichten kritisch rezipieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Den Verstand gebrauchen, heißt, &#039;&#039;&#039;einer Sache auf den Grund gehen&#039;&#039;&#039;. Akademische Pflichtwerke wie Master- und Doktorarbeit, Sechswochenarbeit zur Abfassung eines Gerichtsurteils, Examensarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, Gesellen- und Meisterstücke im Handwerk dienen dazu, dass der Kandidat, die Kandidatin zeigen kann, dass er einer Sache auf den Grund gehen kann. Denke darüber nach, welchen Sinn das hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
In kleinerem Umfang bieten sich verschiedene Fragestellungen an, einer Sache auf den Grund zu gehen; Beispiele:&lt;br /&gt;
* Welche Vögel leben in deiner Straße, im Garten an deiner Wohnung, im Park in der Nähe und warum fühlen sie sich da wohl?&lt;br /&gt;
* Welche Argumente sprechen für und gegen eine politische Entscheidung? Was haben die Regierungs- und Oppositionsvertreter dazu gesagt?&lt;br /&gt;
* Wie kann man ein wiederholt auftretendes Rechenproblem mit einem Makro für ein Tabellenkalkulationsprogramm automatisch ausrechnen lassen?&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weisheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Weise ist ein Mensch, der bedacht und hilfreich urteilt. Dazu muss man wissen, worum es geht im Leben, welche Werte sich selbst begründen und welche im Dienst für andere höherrangige Werte eingesetzt werden sollten. Macht, Technik und Geld machen Eindruck, weil man viel damit anfangen kann. Im Dienste des Menschen gebraucht, sind diese Mittel sehr nützlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die gierige Haltung „Ich will mehr Geld, mehr Macht, mehr Wissen“ zerstört aber das Glück, denn gemessen an „mehr“, „möglichst viel“ ist alles, was ich an Wissen, Macht und Reichtum zusammenraffen und zusammengaunern kann, zu wenig: &#039;&#039;Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt?&#039;&#039; fragt Jesus – aber nicht mal das ist ja möglich. Und im Wettrennen um die vorderen Plätze in den Rankings bleiben notwendig viele auf der Strecke, so dass die Gier viele Leben zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Wer ist der weiseste Mensch der Gegenwart? Im Internet finden immer mal wieder entsprechende Umfragen statt. Das Rennen um den Rang des weisesten Menschen im ganzen XX. Jahrhundert hat in einer [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/103/umfrage/weisester-mensch/| Umfrage aus 2002] Albert Einstein gemacht,gefolgt von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa. Aber was wussten die Befragten schon von ihren Helden? Und von den vielen anderen Menschen, die sie abgewählt haben? Es verrät sich hier eine Neigung unserer Zeit, Argumentation, gemeinsame Arbeit am tragfähigen Urteil und Definitionsarbeit durch ein rasches Verfahren, z.B. eine Umfrage, zu ersetzen, Weisheit durch angebliche &#039;&#039;Schwarmintelligenz&#039;&#039; zu substituieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Kann man Weisheit durch Umfragen definieren?&lt;br /&gt;
* Von welchem vorbildlichen Menschen hast du etwas gelernt?&lt;br /&gt;
* Ist es eher ein Prominenter oder jemand, dem du persönlich begegnet bist, mit dem du eine gemeinsame Geschichte hast?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Persönliche Vorbilder|&lt;br /&gt;
Lege eine persönliche Liste an mit bewunderten Menschen und dem Grund der Bewunderung.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rat==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Gut beraten sind Menschen, die &#039;&#039;&#039;Verantwortung&#039;&#039;&#039; übernehmen können. Dabei geht es nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um die großen Lebensprojekte: Eine Familie gründen, einen Beruf und ein politisches Amt mit Blick auf das Gemeinwohl ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Gitte Haenning brachte es in einem Song auf ihrem Album &#039;&#039;Ungeschminkt&#039;&#039; 1982 auf den Punkt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will alles und zwar sofort.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst dir im [https://www.youtube.com/watch?v=BH3uKKK0XV4| VIDEO (4 MIN)] ansehen, wie Gitte Haening das Lied singt und den [https://www.songtexte.com/songtext/gitte-haenning/ich-will-alles-73f08ab9.html| Text] nachschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hintergrund&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gitte Haening, Jahrgang 1946, war in den Fünfzigerjahren als Kinderstar aufgebaut worden und hatte als Teenie mit dem Lied &#039;&#039;Ich will &#039;nen Cowboy als Mann&#039;&#039; einen großen Hit. Wenn du willst, kannst du dir ein [https://www.youtube.com/watch?v=nKofFs7bD4g| VIDEO aus dem Jahr 1963 (3 MIN)] ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Achtzigerjahren konnte Gitte Haenning den Mädchenstar nicht mehr glaubwürdig verkörpern und entwickelte ein rebellisches feministisches Image, mit dem sie wieder erfolgreich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Nimm dir den Text des Liedes &#039;&#039;Ich will alles&#039;&#039; vor und markiere die Textstellen, für die du aufgrund der Hintergrundinformationen Verständnis aufbringst, und in einer anderen Form die Textstellen, die einfach kindisch und trotzig rüberkommen.&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Die Gelegenheit zur Ausschweifung, das Angebot an Drogen, Unterhaltung, Party, völlige Vereinnahmung durch Sport, Spekulation, kreative und spannende Tätigkeiten nimmt stetig zu, Celebritäten leben Exzesse vor. Rücksicht nehmen auf die Gemeinschaft und auf die Zukunft wird zusätzlich schwer gemacht, weil die Maßstäbe vom Einzelnen erarbeitet werden müssen und sich nicht mehr einfach aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du zur Zeit der Verrentung sagen, dass dein Leben im Großen und Ganzen gelungen ist?&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du dir selbst Versagen vorwerfen müssen?&lt;br /&gt;
* Welchen Rat würdest du dir selbst heute geben, um das Gelingen des Lebens wahrscheinlicher zu machen?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaft==&lt;br /&gt;
(1) Wir kennen &#039;&#039;&#039;die Wissenschaften&#039;&#039;&#039; heute im Plural: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Medizin, Sozial- und Kulturwissenschaften usw. haben nicht nur erstaunlich viel über die Welt herausgefunden, sondern sind auch die Grundlage der &#039;&#039;&#039;modernen Technik&#039;&#039;&#039;, die dem Menschen eine nie gekannte Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Lebensdauer, Mobilität und Kommunikation ermöglicht haben. Kenntnis, &#039;&#039;&#039;Wissenschaft im Singular&#039;&#039;&#039; bedeutet, sich auszukennen, die Möglichkeiten und ihren Nutzen für das eigene Leben abschätzen zu können und so die Technik zum Glück für sich und die anderen in den Alltag zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Für das Leben ist es eine entscheidende Frage, ob die Möglichkeiten bestimmen, was gemacht wird, ohne an übergeordneten Zielen Maß zu nehmen, oder ob Werte wie Frieden, Glück und Menschenwürde bestimmen, welche Möglichkeiten entwickelt und verwirklicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man liest gelegentlich das geflügelte Wort &#039;&#039;Was technisch möglich ist, wird irgendwann auch gemacht&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fabian Scheidler hat dazu eine interessante [https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/dezember/der-digitalisierte-mensch-unser-leben-in-der-matrix| Reflexion] geschrieben.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Einige aktuelle Ereignisse - zum Beispiel das voreilige und leichtfertige [https://www.nzz.ch/wissenschaft/genetisch-veraenderte-babys-he-jiankui-hatte-eine-vision-ld.1440685| Experiment des Chinesen He Jiankui] - scheinen dem Spruch Recht zu geben, anderseits stellen wir fest:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Noch wurde keine Wasserstoffbombe im Krieg eingesetzt.&lt;br /&gt;
*Noch versorgen wir uns nicht durch Offshore-Windanlagen oder Solaranlagen in der Wüste mit Strom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;{{Box|Nicht verwirklichte technische Möglichkeiten|&lt;br /&gt;
* Benenne einige technische Möglichkeiten, die noch nicht verwirklicht sind.&lt;br /&gt;
* Beurteile, ob dir das gut oder schlecht erscheint.&lt;br /&gt;
* Ermittle die Gründe, warum bestimmte Techniken nicht umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Wie gehst du vor, wenn du dir etwas anschaffst?&lt;br /&gt;
* Machst du dir zuerst bewusst, was du nötig hast,&lt;br /&gt;
* um dann zu entscheiden, welches Produkt es sein soll. &lt;br /&gt;
* Oder liebst du die Kataloge und lässt dich faszinieren von den Möglichkeiten?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt, was die anderen haben?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Beziehung zur Person==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier Gaben des Geistes betreffen entsprechend der Systematik des Heiligen Thomas die Beziehungen des einzelnen Menschen zu seiner menschlichen und außermenschlichen Umwelt: Welche Gaben sind nötig, um die Situation richtig zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen drei Gaben des Geistes betreffen das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, darin enthalten die Beziehung zum Geist Gottes und die Frage, wer oder was treibende Kraft im Menschen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frömmigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen und könnte das auch gar nicht. Er nimmt sein Leben in Empfang, kann dafür danken und sich daran freuen und es zuletzt vertrauensvoll zurückgeben. Die Grundhaltungen der Dankbarkeit, Freude und des Vertrauens entlasten vom Stress der Selbsterhaltung und Sicherung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die Gegenposition hat Friedrich Nietzsche (1844-1900) in der Schlussfolgerung zum Ausdruck gebracht: &#039;&#039;wenn es Götter gäbe, wie hielte ich&#039;s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.&#039;&#039; ([http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Also+sprach+Zarathustra/Zweiter+Teil.+Also+sprach+Zarathustra/Auf+den+gl%C3%BCckseligen+Inseln| &#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Zweiter Teil: &#039;&#039;Auf den glückseligen Inseln&#039;&#039;]) Dass außer ihm noch anderes existiert, beweist dem Gottlosen die Endlichkeit der eigenen Existenz, die ihm verhasst ist und für die er sich an den Mitgeschöpfen rächt, vor allem an denen, die er als Konkurrenten um Lebensmöglichkeiten und als Bedrohung für seine Sicherheit definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) In der Lebenszeit der jetzt heranwachsenden Generation dürfte die Menschheit in der zweiten Hälfte des laufenden Jahrhunderts den Zenit bei etwa 10 Milliarden zugleich lebenden Menschen erreichen. Wir sind sehr viele und werden immer noch mehr, und leicht lässt sich die Konkurrenz um knappe Ressourcen inszenieren: Wohnraum in begehrten Gebieten ist knapp, Arbeitsplätze scheinen knapp zu sein, obwohl es nicht an Aufgaben fehlt; [https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/corona-krise-warum-es-zu-wenig-beatmungsgeraete-in-den-usa-gibt-a-1305896-2.html| jüngst erlebten wir, dass Beatmungsgeräte knapp sein können]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt die Knappheit durch Innovation und Kooperation zu überwinden, scheint es einfacher, Hass und Rachsucht auf die anderen zu richten. Es ist aber im Kern der Hass des Menschen auf das Menschsein selbst, das eben nicht Gottheit ist, jedenfalls nicht aus eigener Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Hass ist eine wirksame Macht, die Gewalt provoziert und Wahrergebnisse beeinflusst.&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
Informiere Dich über Kundgebungen des Hasses und der Rachsucht in politischen Äußerungen, Kommunikationsnetzen usw. Nehmen Sie sich einzelne Beispiele vor und untersuche sorgfältig das Menschenbild, das dort zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Gegengifte, Dankbarkeit und Vertrauen, bleiben sehr abstrakt, wenn sie sich nicht in Zeichen und Ritualen äußern. Frömmigkeit wird daher gerne so verstanden, dass man Gott Zeit zur Verfügung stellt, um ihm zu danken und durch Bitten sein Vertrauen zu ihm auszudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelm_Maria_Hubertus_Leibl_008.jpg|550px|center|Wilhelm Leibl: Drei Frauen in der Kirche (1881)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses weltberühmte Bild von Wilhelm Leibl aus dem Jahre 1881 zeigt drei Frauen in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Bildinterpretation|&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild genau an: &lt;br /&gt;
* Was haben die drei Frauen gemeinsam?&lt;br /&gt;
* Wie unterscheidet sich ihre Haltung in der Kirche?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf diese Weise einen eigenen Zugang zu dem Bild gesucht hast, kannst du unten durch Klick auf die &amp;quot;Hotspots&amp;quot; weitere Informationen zur Erschließung des Bildes bekommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=4616|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Fömmigkeit differenzierter zu beschreiben, gibt es einige Begriffe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; ist ein Gespräch mit Gott. Beten kann jeder für sich, und man kann gemeinsam im Sprechchor ein Gebet sprechen oder singen, zum Beispiel im Rahmen einer Messe.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gesten&#039;&#039;&#039; können Worte begleiten wie das &#039;&#039;&#039;Kreuzzeichen&#039;&#039;&#039; und das &#039;&#039;&#039;Händefalten&#039;&#039;&#039; oder wortlos ausgeführt werden, zum Beispiel die &#039;&#039;&#039;Kniebeuge&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Askese&#039;&#039;&#039; weist darauf hin, dass Frömmigkeit mit &#039;&#039;&#039;Verzicht&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Disziplin&#039;&#039;&#039; verbunden ist, mindestens mit dem Verzicht auf die Zeit, die man Gott zur Verfügung stellt, die man auch anders verwenden könnte.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Andacht&#039;&#039;&#039; markiert einen Unterschied: Man kann Worte nur so dahinsagen und Gesten gedankenlos verrichten oder sich darauf konzentrieren, mit innerer Beteiligung dabeisein, andächtig sein.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Mystik&#039;&#039;&#039; ist ein Begriff für Versuche, mit dem Übernatürlichen Kontakt aufzunehmen, mit Gott, der eigenen Seele, dem Weltganzen, oder mit den Heiligen, den Engeln, den Verstorbenen. Im Begriff Mystik wird das Individuelle und Geheimnisvolle der Frömmigkeit ausgedrückt.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039; bedeutet &#039;&#039;&#039;Konzentration&#039;&#039;&#039; auf einen bestimmten Punkt, das kann ein Bild sein, das betrachtet wird, oder ein Punkt, der fixiert wird, oder ein imaginiertes Symbol oder ein abstrakter Gedanke, der festgehalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Versuche die Begriffe, mit denen Frömmigkeit differenzierter beschrieben wird, in dem Bild von Wilhelm Leibl zu verifizieren.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stärke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Im christlichen Sinn beruht die Stärke auf zwei Überzeugungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Es lohnt sich etwas zu tun, barmherzig zu sein, sich zu engagieren. Es gibt Ziele, die die Mühe wert sind, und jeder Mensch mit seinen begrenzten Ressourcen wird gebraucht. In diesem Sinn fordert Papst Franziskus in seiner [http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html| Enzyklika &#039;&#039;Laudato Si&#039;&#039;]: &#039;&#039;Ergreifen wir ein klein wenig die Initiative.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Die zweite Überzeugung: Du bist nicht allein. Gott inspiriert viele Menschen, sammelt sie, führt sie zu gemeinsamem Engagement zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Trägheit und Faulheit können sehr geschäftig sein. Es geht nicht immer darum, Bewegung zu meiden, sondern es geht um Ausweichen vor der Auseinandersetzung. Die Opposition anderer ist bei jedem Engagement unvermeidlich; noch schwerer zu führen ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, den eingefahrenen Denkmustern und Gewohnheiten. Das tut sich der Drückeberger nicht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Seit dem Zweiten Weltkrieg findet ein Bereich zunehmende Beachtung, der mit den klassischen Vergemeinschaftungsformen der Menschen wie Staaten, Unternehmen, Familien, Religionsgemeinschaften, &amp;quot;Milieus&amp;quot; nicht übereinstimmt: Die Nichtregierungsorganisation, also Menschen, die sich ausschließlich für ein gemeinsames Projekt zusammentun, um sich gemeinsam sichtbarer und wirkungsvoller zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) &lt;br /&gt;
{{Box|Recherche|&lt;br /&gt;
Informiere dich über die Möglichkeiten, sich für Natur, Klimaschutz, Mnschenrechte, Notleidende und Arme zu engagieren.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gottesfurcht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Verluste machen Angst, aber nur ein Verlust ist wirklich schlimm: &#039;&#039;&#039;Der Verlust der Liebe&#039;&#039;&#039;. Die Liebe der Mitmenschen mir gegenüber und die Liebe zu den anderen integrieren mich nach christlicher Auffassung in einen Strom, der von Gott ausgeht und zu ihm zurückführt. Das Königtum Gottes ist eine Herrschaft der Barmherzigkeit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Inklusion. Die Angst, aus dieser Gemeinschaft herauszufallen, wird konkret in der Angst vor der Schande, in der Angst um das eigene und fremde Leben und den anderen Verlustängsten. Sie wäre unerträglich groß, würde die Zugehörigkeit zu Gott von meinen eigenen Leistungen abhängen. Christen sind aber davon überzeugt, dass sich Gott auch die an die bindet, die es nicht verdient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Dazu im Gegensatz steht die lähmende Furcht, zu kurz zu kommen. Auch Menschen, denen es im Vergleich zur überwältigenden Mehrheit vergleichsweise gut geht, schielen auf die wenigen Reicheren und Leistungsfähigeren, fühlen sich ungerecht zurückgesetzt, verweigern ihr Engagement und reagieren mit Hass und Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;Das große Los zu ziehen&#039;&#039; ist eine Metapher des Glücks, obwohl es empirisch gar nicht belegbar ist, dass der plötzliche Zugang zu exklusiven und teuren Gütern tatsächlich dauerhaft glücklich macht. Von Castingshows bis zu Regenbogenpresse bedienen zahllose, der sich mehr und mehr vervielfätigenden Kommunikationskanäle den neidischen Blick, der so gerne in Häme umschlägt demgegenüber, der hoch gekommen war und tief abstürzt: &#039;&#039;You’re Fired&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
* Schau dir die Auslage eines Zeitschriftenkiosk an: Wie hoch ist der Anteil der Titelbilder, die neidisch machen können?&lt;br /&gt;
* Befasse dich mit prominenten Fällen von persönlichen Abstürzen von bekannten Politikern oder Wirtschaftsbossen.&lt;br /&gt;
* Analysiere die Kommentare daraufhin, inwiefern sie die Häme und Schadenfreude bedienen.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131121</id>
		<title>Geistesgaben</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Geistesgaben&amp;diff=131121"/>
		<updated>2022-10-20T07:07:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: kleine Ergänzung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Worum es geht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Pfingsthymnen wird der Heilige Geist als &#039;&#039;Spender des siebenfachen Geschenks&#039;&#039; gewürdigt. Auf diese traditionelle Systematik greift dieser Lernpfad zurück. Es gilt, die sieben Geistesgaben im einzelnen kennen zu lernen und ihren Zusammenhang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Geistesgaben werden traditionell sieben Hauptsünden gegenübergestellt. Das wird im weiteren auch Thema sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschenke des Geistes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um Gaben (dona), Geschenke (munera) des Heiligen Geistes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann sich eine Gabe nicht verschaffen, man kann wohl darum bitten, sie dankbar annehmen und pflegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die profanen Wissenschaften diskutieren, ob der Mensch seine Begabungen dem genetischen Erbe, frühkindlichen Prägungen, der Sozialisation oder kulturellem Erbe verdankt. In allen Fällen sind der planbaren Optimierung Grenzen gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Sicht des Heiligen Thomas von Aquino (1220-1274) hängen die Sieben Geistesgaben miteinander zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Sieben Gaben des Heiligen Geistes.jpg|zentriert|mini|800x800px]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geistesgaben und Hauptsünden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den sieben Gaben des Heiligen Geistes werden traditionell sieben &#039;&#039;&#039;Hauptsünden&#039;&#039;&#039; gegenübergestellt. Auch das hilft, besser zu verstehen, was mit den Geistesgaben gemeint ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Geistesgaben und Hauptsünden.jpg|zentriert|gerahmt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aktualität des Themas - Aufbau der Artikel==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht sind im Religions- oder Sakramentenunterricht die sieben Gaben des Geistes und die Hauptsünden einmal genannt worden; Kunstinteressierte wissen, dass sie in den Bildern von Pieter Brueghel (1530-1569), Hieronymus Bosch (1550-1612) und anderen zum Verständnis sehr wichtig sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bosch_7_Todsünden_1480_Prado.jpg|alternativtext=|ohne|zentriert|800x800px|Hieronymus Bosch: Tischillustration mit den sieben Tod- oder Hauptsünden der christlichen Tradition]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite: Die Gesellschaft tritt nach einer wohlbegründeten Diagnose in die Phase einer &#039;&#039;Wissensgesellschaft&#039;&#039; ein. Das bedeutet, dass seit einiger Zeit für die Arbeit an kognitiven Inhalten mehr Arbeitsvolumen eingesetzt und durch sie mehr Umsatz und Gewinn erzielt werden als für und durch die Produktion materieller Gegenstände. Das aber ist das &#039;&#039;&#039;Wirkungsspektrum der 7 Geistesgaben: Verbesserung der Arbeit an kognitiven Inhalten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theologische Tradition hilft uns durch diese Systematik, die Begabungen zu beschreiben und im Zusammenhang einzuordnen. Dazu sollen die einzelnen Gaben des Geistes in jeweils vier Unterpunkten präsentiert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Beschreibung der einzelnen Geistesgaben&lt;br /&gt;
#Beschreibung der zugeordneten Hauptsünden&lt;br /&gt;
#Aktualität der Herausforderung&lt;br /&gt;
#Passende Aufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) &#039;&#039;Verständig&#039;&#039; nennen wir einen Menschen, der schnell und gut begreift. Schnell denken können, hilft dabei gewiss; aber man braucht auch die Bereitschaft, sich auf die Umgebung und auf andere Menschen einzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Menschen, die sich narzisstisch selbst als Götzen betrachten, unbelehrbar und grundsätzlich im Recht, sind paradoxerweise auch leicht zu lenken und zu betrügen, weil sie ihr Ohr nicht denen leihen, die ihnen die Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm ist, sondern denen, die ihnen sagen, was sie hören wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Schon die TV-Kultur mit ihrem Überangebot an Spannung und Unterhaltung konnte Menschen dazu verführen, aus ihrem Alltag in eine Welt zu flüchten, in der Gut und Böse leicht zu unterscheiden war, Helden sich als Identifikationsfiguren anboten und das Ego des Zuschauers gestreichelt wurde. Heute ermöglichen es die vielen Kanäle der Kommunikation, sich in Filterblasen und Echokammern einzurichten, sich gegenseitig in absurden Verschwörungstheorien zu bestätigen und den Hass auf die anderen zu teilen und zu verstärken, sich eine verkehrte Welt zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem absolutistischen und autokratischen Kontext denken wenige für alle anderen, von der Mehrheit wird verlangt, zu gehorchen. In einem demokratischen Kontext trägt jeder Mitverantwortung. Die Übernahme der Perspektiven anderer verlangt eigene Einsichtsfähigkeit. Jeder muss selbst ein bisschen was von der wissenschaftlichen Grundhaltung und dem journalistischen Ethos verstehen und Nachrichten kritisch rezipieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Den Verstand gebrauchen, heißt, &#039;&#039;&#039;einer Sache auf den Grund gehen&#039;&#039;&#039;. Akademische Pflichtwerke wie Master- und Doktorarbeit, Sechswochenarbeit zur Abfassung eines Gerichtsurteils, Examensarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, Gesellen- und Meisterstzücke im Handwerk dienen dazu, dass der Kandidat, die Kandidatin zeigen kann, dass er einer Sache auf den Grund gehen kann. Denke darüber nach, welchen Sinn das hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
In kleinerem Umfang bieten sich verschiedene Fragestellungen an, einer Sache auf den Grund zu gehen; Beispiele:&lt;br /&gt;
* Welche Vögel leben in deiner Straße, im Garten an deiner Wohnung, im Park in der Nähe und warum fühlen sie sich da wohl?&lt;br /&gt;
* Welche Argumente sprechen für und gegen eine politische Entscheidung? Was haben die Regierungs- und Oppositionsvertreter dazu gesagt?&lt;br /&gt;
* Wie kann man ein wiederholt auftretendes Rechenproblem mit einem Makro für ein Tabellenkalkulationsprogramm automatisch ausrechnen lassen?&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weisheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Weise ist ein Mensch, der bedacht und hilfreich urteilt. Dazu muss man wissen, worum es geht im Leben, welche Werte sich selbst begründen und welche im Dienst für andere höherrangige Werte eingesetzt werden sollten. Macht, Technik und Geld machen Eindruck, weil man viel damit anfangen kann. Im Dienste des Menschen gebraucht, sind diese Mittel sehr nützlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die gierige Haltung „Ich will mehr Geld, mehr Macht, mehr Wissen“ zerstört aber das Glück, denn gemessen an „mehr“, „möglichst viel“ ist alles, was ich an Wissen, Macht und Reichtum zusammenraffen und zusammengaunern kann, zu wenig: &#039;&#039;Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt?&#039;&#039; fragt Jesus – aber nicht mal das ist ja möglich. Und im Wettrennen um die vorderen Plätze in den Rankings bleiben notwendig viele auf der Strecke, so dass die Gier viele Leben zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Wer ist der weiseste Mensch der Gegenwart? Im Internet finden immer mal wieder entsprechende Umfragen statt. Das Rennen um den Rang des weisesten Menschen im ganzen XX. Jahrhundert hat in einer [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/103/umfrage/weisester-mensch/| Umfrage aus 2002] Albert Einstein gemacht,gefolgt von Mahatma Gandhi und Mutter Teresa. Aber was wussten die Befragten schon von ihren Helden? Und von den vielen anderen Menschen, die sie abgewählt haben? Es verrät sich hier eine Neigung unserer Zeit, Argumentation, gemeinsame Arbeit am tragfähigen Urteil und Definitionsarbeit durch ein rasches Verfahren, z.B. eine Umfrage, zu ersetzen, Weisheit durch angebliche &#039;&#039;Schwarmintelligenz&#039;&#039; zu substituieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Kann man Weisheit durch Umfragen definieren?&lt;br /&gt;
* Von welchem vorbildlichen Menschen hast du etwas gelernt?&lt;br /&gt;
* Ist es eher ein Prominenter oder jemand, dem du persönlich begegnet bist, mit dem du eine gemeinsame Geschichte hast?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Persönliche Vorbilder|&lt;br /&gt;
Lege eine persönliche Liste an mit bewunderten Menschen und dem Grund der Bewunderung.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rat==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Gut beraten sind Menschen, die &#039;&#039;&#039;Verantwortung&#039;&#039;&#039; übernehmen können. Dabei geht es nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um die großen Lebensprojekte: Eine Familie gründen, einen Beruf und ein politisches Amt mit Blick auf das Gemeinwohl ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Gitte Haenning brachte es in einem Song auf ihrem Album &#039;&#039;Ungeschminkt&#039;&#039; 1982 auf den Punkt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will alles und zwar sofort.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst dir im [https://www.youtube.com/watch?v=BH3uKKK0XV4| VIDEO (4 MIN)] ansehen, wie Gitte Haening das Lied singt und den [https://www.songtexte.com/songtext/gitte-haenning/ich-will-alles-73f08ab9.html| Text] nachschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hintergrund&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gitte Haening, Jahrgang 1946, war in den Fünfzigerjahren als Kinderstar aufgebaut worden und hatte als Teenie mit dem Lied &#039;&#039;Ich will &#039;nen Cowboy als Mann&#039;&#039; einen großen Hit. Wenn du willst, kannst du dir ein [https://www.youtube.com/watch?v=nKofFs7bD4g| VIDEO aus dem Jahr 1963 (3 MIN)] ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Achtzigerjahren konnte Gitte Haenning den Mädchenstar nicht mehr glaubwürdig verkörpern und entwickelte ein rebellisches feministisches Image, mit dem sie wieder erfolgreich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Nimm dir den Text des Liedes &#039;&#039;Ich will alles&#039;&#039; vor und markiere die Textstellen, für die du aufgrund der Hintergrundinformationen Verständnis aufbringst, und in einer anderen Form die Textstellen, die einfach kindisch und trotzig rüberkommen.&lt;br /&gt;
|Arbeitsmethode}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Die Gelegenheit zur Ausschweifung, das Angebot an Drogen, Unterhaltung, Party, völlige Vereinnahmung durch Sport, Spekulation, kreative und spannende Tätigkeiten nimmt stetig zu, Celebritäten leben Exzesse vor. Rücksicht nehmen auf die Gemeinschaft und auf die Zukunft wird zusätzlich schwer gemacht, weil die Maßstäbe vom Einzelnen erarbeitet werden müssen und sich nicht mehr einfach aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du zur Zeit der Verrentung sagen, dass dein Leben im Großen und Ganzen gelungen ist?&lt;br /&gt;
* Unter welchen Umständen würdest du dir selbst Versagen vorwerfen müssen?&lt;br /&gt;
* Welchen Rat würdest du dir selbst heute geben, um das Gelingen des Lebens wahrscheinlicher zu machen?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaft==&lt;br /&gt;
(1) Wir kennen &#039;&#039;&#039;die Wissenschaften&#039;&#039;&#039; heute im Plural: Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Medizin, Sozial- und Kulturwissenschaften usw. haben nicht nur erstaunlich viel über die Welt herausgefunden, sondern sind auch die Grundlage der &#039;&#039;&#039;modernen Technik&#039;&#039;&#039;, die dem Menschen eine nie gekannte Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Lebensdauer, Mobilität und Kommunikation ermöglicht haben. Kenntnis, &#039;&#039;&#039;Wissenschaft im Singular&#039;&#039;&#039; bedeutet, sich auszukennen, die Möglichkeiten und ihren Nutzen für das eigene Leben abschätzen zu können und so die Technik zum Glück für sich und die anderen in den Alltag zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Für das Leben ist es eine entscheidende Frage, ob die Möglichkeiten bestimmen, was gemacht wird, ohne an übergeordneten Zielen Maß zu nehmen, oder ob Werte wie Frieden, Glück und Menschenwürde bestimmen, welche Möglichkeiten entwickelt und verwirklicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man liest gelegentlich das geflügelte Wort &#039;&#039;Was technisch möglich ist, wird irgendwann auch gemacht&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Fabian Scheidler hat dazu eine interessante [https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/dezember/der-digitalisierte-mensch-unser-leben-in-der-matrix| Reflexion] geschrieben.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Einige aktuelle Ereignisse - zum Beispiel das voreilige und leichtfertige [https://www.nzz.ch/wissenschaft/genetisch-veraenderte-babys-he-jiankui-hatte-eine-vision-ld.1440685| Experiment des Chinesen He Jiankui] - scheinen dem Spruch Recht zu geben, anderseits stellen wir fest:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Noch wurde keine Wasserstoffbombe im Krieg eingesetzt.&lt;br /&gt;
*Noch versorgen wir uns nicht durch Offshore-Windanlagen oder Solaranlagen in der Wüste mit Strom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;{{Box|Nicht verwirklichte technische Möglichkeiten|&lt;br /&gt;
* Benenne einige technische Möglichkeiten, die noch nicht verwirklicht sind.&lt;br /&gt;
* Beurteile, ob dir das gut oder schlecht erscheint.&lt;br /&gt;
* Ermittle die Gründe, warum bestimmte Techniken nicht umgesetzt werden.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Fragen|&lt;br /&gt;
* Wie gehst du vor, wenn du dir etwas anschaffst?&lt;br /&gt;
* Machst du dir zuerst bewusst, was du nötig hast,&lt;br /&gt;
* um dann zu entscheiden, welches Produkt es sein soll. &lt;br /&gt;
* Oder liebst du die Kataloge und lässt dich faszinieren von den Möglichkeiten?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt, was die anderen haben?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Von der Beziehung zur Person==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier Gaben des Geistes betreffen entsprechend der Systematik des Heiligen Thomas die Beziehungen des einzelnen Menschen zu seiner menschlichen und außermenschlichen Umwelt: Welche Gaben sind nötig, um die Situation richtig zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen drei Gaben des Geistes betreffen das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, darin enthalten die Beziehung zum Geist Gottes und die Frage, wer oder was treibende Kraft im Menschen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frömmigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen und könnte das auch gar nicht. Er nimmt sein Leben in Empfang, kann dafür danken und sich daran freuen und es zuletzt vertrauensvoll zurückgeben. Die Grundhaltungen der Dankbarkeit, Freude und des Vertrauens entlasten vom Stress der Selbsterhaltung und Sicherung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Die Gegenposition hat Friedrich Nietzsche (1844-1900) in der Schlussfolgerung zum Ausdruck gebracht: &#039;&#039;wenn es Götter gäbe, wie hielte ich&#039;s aus, kein Gott zu sein! Also gibt es keine Götter.&#039;&#039; ([http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Also+sprach+Zarathustra/Zweiter+Teil.+Also+sprach+Zarathustra/Auf+den+gl%C3%BCckseligen+Inseln| &#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Zweiter Teil: &#039;&#039;Auf den glückseligen Inseln&#039;&#039;]) Dass außer ihm noch anderes existiert, beweist dem Gottlosen die Endlichkeit der eigenen Existenz, die ihm verhasst ist und für die er sich an den Mitgeschöpfen rächt, vor allem an denen, die er als Konkurrenten um Lebensmöglichkeiten und als Bedrohung für seine Sicherheit definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) In der Lebenszeit der jetzt heranwachsenden Generation dürfte die Menschheit in der zweiten Hälfte des laufenden Jahrhunderts den Zenit bei etwa 10 Milliarden zugleich lebenden Menschen erreichen. Wir sind sehr viele und werden immer noch mehr, und leicht lässt sich die Konkurrenz um knappe Ressourcen inszenieren: Wohnraum in begehrten Gebieten ist knapp, Arbeitsplätze scheinen knapp zu sein, obwohl es nicht an Aufgaben fehlt; [https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/corona-krise-warum-es-zu-wenig-beatmungsgeraete-in-den-usa-gibt-a-1305896-2.html| jüngst erlebten wir, dass Beatmungsgeräte knapp sein können]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Statt die Knappheit durch Innovation und Kooperation zu überwinden, scheint es einfacher, Hass und Rachsucht auf die anderen zu richten. Es ist aber im Kern der Hass des Menschen auf das Menschsein selbst, das eben nicht Gottheit ist, jedenfalls nicht aus eigener Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Hass ist eine wirksame Macht, die Gewalt provoziert und Wahrergebnisse beeinflusst.&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
Informiere Dich über Kundgebungen des Hasses und der Rachsucht in politischen Äußerungen, Kommunikationsnetzen usw. Nehmen Sie sich einzelne Beispiele vor und untersuche sorgfältig das Menschenbild, das dort zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Gegengifte, Dankbarkeit und Vertrauen, bleiben sehr abstrakt, wenn sie sich nicht in Zeichen und Ritualen äußern. Frömmigkeit wird daher gerne so verstanden, dass man Gott Zeit zur Verfügung stellt, um ihm zu danken und durch Bitten sein Vertrauen zu ihm auszudrücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelm_Maria_Hubertus_Leibl_008.jpg|550px|center|Wilhelm Leibl: Drei Frauen in der Kirche (1881)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses weltberühmte Bild von Wilhelm Leibl aus dem Jahre 1881 zeigt drei Frauen in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Bildinterpretation|&lt;br /&gt;
Schau Dir das Bild genau an: &lt;br /&gt;
* Was haben die drei Frauen gemeinsam?&lt;br /&gt;
* Wie unterscheidet sich ihre Haltung in der Kirche?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Du auf diese Weise einen eigenen Zugang zu dem Bild gesucht hast, kannst du unten durch Klick auf die &amp;quot;Hotspots&amp;quot; weitere Informationen zur Erschließung des Bildes bekommen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{H5p-zum|id=4616|height=600}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Fömmigkeit differenzierter zu beschreiben, gibt es einige Begriffe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; ist ein Gespräch mit Gott. Beten kann jeder für sich, und man kann gemeinsam im Sprechchor ein Gebet sprechen oder singen, zum Beispiel im Rahmen einer Messe.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Gesten&#039;&#039;&#039; können Worte begleiten wie das &#039;&#039;&#039;Kreuzzeichen&#039;&#039;&#039; und das &#039;&#039;&#039;Händefalten&#039;&#039;&#039; oder wortlos ausgeführt werden, zum Beispiel die &#039;&#039;&#039;Kniebeuge&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Askese&#039;&#039;&#039; weist darauf hin, dass Frömmigkeit mit &#039;&#039;&#039;Verzicht&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Disziplin&#039;&#039;&#039; verbunden ist, mindestens mit dem Verzicht auf die Zeit, die man Gott zur Verfügung stellt, die man auch anders verwenden könnte.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Andacht&#039;&#039;&#039; markiert einen Unterschied: Man kann Worte nur so dahinsagen und Gesten gedankenlos verrichten oder sich darauf konzentrieren, mit innerer Beteiligung dabeisein, andächtig sein.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Mystik&#039;&#039;&#039; ist ein Begriff für Versuche, mit dem Übernatürlichen Kontakt aufzunehmen, mit Gott, der eigenen Seele, dem Weltganzen, oder mit den Heiligen, den Engeln, den Verstorbenen. Im Begriff Mystik wird das Individuelle und Geheimnisvolle der Frömmigkeit ausgedrückt.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039; bedeutet &#039;&#039;&#039;Konzentration&#039;&#039;&#039; auf einen bestimmten Punkt, das kann ein Bild sein, das betrachtet wird, oder ein Punkt, der fixiert wird, oder ein imaginiertes Symbol oder ein abstrakter Gedanke, der festgehalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Versuche die Begriffe, mit denen Frömmigkeit differenzierter beschrieben wird, in dem Bild von Wilhelm Leibl zu verifizieren.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stärke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Im christlichen Sinn beruht die Stärke auf zwei Überzeugungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Es lohnt sich etwas zu tun, barmherzig zu sein, sich zu engagieren. Es gibt Ziele, die die Mühe wert sind, und jeder Mensch mit seinen begrenzten Ressourcen wird gebraucht. In diesem Sinn fordert Papst Franziskus in seiner [http://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html| Enzyklika &#039;&#039;Laudato Si&#039;&#039;]: &#039;&#039;Ergreifen wir ein klein wenig die Initiative.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Die zweite Überzeugung: Du bist nicht allein. Gott inspiriert viele Menschen, sammelt sie, führt sie zu gemeinsamem Engagement zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Trägheit und Faulheit können sehr geschäftig sein. Es geht nicht immer darum, Bewegung zu meiden, sondern es geht um Ausweichen vor der Auseinandersetzung. Die Opposition anderer ist bei jedem Engagement unvermeidlich; noch schwerer zu führen ist die Auseinandersetzung mit sich selbst, den eingefahrenen Denkmustern und Gewohnheiten. Das tut sich der Drückeberger nicht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Seit dem Zweiten Weltkrieg findet ein Bereich zunehmende Beachtung, der mit den klassischen Vergemeinschaftungsformen der Menschen wie Staaten, Unternehmen, Familien, Religionsgemeinschaften, &amp;quot;Milieus&amp;quot; nicht übereinstimmt: Die Nichtregierungsorganisation, also Menschen, die sich ausschließlich für ein gemeinsames Projekt zusammentun, um sich gemeinsam sichtbarer und wirkungsvoller zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) &lt;br /&gt;
{{Box|Recherche|&lt;br /&gt;
Informiere dich über die Möglichkeiten, sich für Natur, Klimaschutz, Mnschenrechte, Notleidende und Arme zu engagieren.&lt;br /&gt;
|Lösung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gottesfurcht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Verluste machen Angst, aber nur ein Verlust ist wirklich schlimm: &#039;&#039;&#039;Der Verlust der Liebe&#039;&#039;&#039;. Die Liebe der Mitmenschen mir gegenüber und die Liebe zu den anderen integrieren mich nach christlicher Auffassung in einen Strom, der von Gott ausgeht und zu ihm zurückführt. Das Königtum Gottes ist eine Herrschaft der Barmherzigkeit, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Inklusion. Die Angst, aus dieser Gemeinschaft herauszufallen, wird konkret in der Angst vor der Schande, in der Angst um das eigene und fremde Leben und den anderen Verlustängsten. Sie wäre unerträglich groß, würde die Zugehörigkeit zu Gott von meinen eigenen Leistungen abhängen. Christen sind aber davon überzeugt, dass sich Gott auch die an die bindet, die es nicht verdient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Dazu im Gegensatz steht die lähmende Furcht, zu kurz zu kommen. Auch Menschen, denen es im Vergleich zur überwältigenden Mehrheit vergleichsweise gut geht, schielen auf die wenigen Reicheren und Leistungsfähigeren, fühlen sich ungerecht zurückgesetzt, verweigern ihr Engagement und reagieren mit Hass und Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) &#039;&#039;Das große Los zu ziehen&#039;&#039; ist eine Metapher des Glücks, obwohl es empirisch gar nicht belegbar ist, dass der plötzliche Zugang zu exklusiven und teuren Gütern tatsächlich dauerhaft glücklich macht. Von Castingshows bis zu Regenbogenpresse bedienen zahllose, der sich mehr und mehr vervielfätigenden Kommunikationskanäle den neidischen Blick, der so gerne in Häme umschlägt demgegenüber, der hoch gekommen war und tief abstürzt: &#039;&#039;You’re Fired&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4)&lt;br /&gt;
{{Box|Meinungsbild|&lt;br /&gt;
* Schau dir die Auslage eines Zeitschriftenkiosk an: Wie hoch ist der Anteil der Titelbilder, die neidisch machen können?&lt;br /&gt;
* Befasse dich mit prominenten Fällen von persönlichen Abstürzen von bekannten Politikern oder Wirtschaftsbossen.&lt;br /&gt;
* Analysiere die Kommentare daraufhin, inwiefern sie die Häme und Schadenfreude bedienen.&lt;br /&gt;
|Meinung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Lernpfad]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130697</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130697"/>
		<updated>2022-09-26T19:50:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Jesus als Arzt */ korrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am {{wpde|Jom Kippur|Versöhnungstag}} vollzog der Priester rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: &#039;&#039;An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.&#039;&#039; (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: &#039;&#039;Wir haben keinen König außer dem Kaiser.&#039;&#039; (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.&#039;&#039; (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu {{wpde|Pfingsten}} – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: &#039;&#039;Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: &#039;&#039;Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. &#039;&#039;(Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen,&#039;&#039; verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Macht -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der {{wpde|Stoa|stoischen}} Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und {{wpde|Orakel}} innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den {{wpde|Dalai Lama}}, {{wpde|Johannes Paul II}}, {{wpde|Mutter Teresa}} von Kalkutta, {{wpde|Martin Luther King}}, {{wpde|Mahatma Gandhi}}, {{wpde|Peter Benenson}} als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie {{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130471</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130471"/>
		<updated>2022-09-22T15:49:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am {{wpde|Jom Kippur|Versöhnungstag}} vollzog der Priester rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: &#039;&#039;An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.&#039;&#039; (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: &#039;&#039;Wir haben keinen König außer dem Kaiser.&#039;&#039; (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.&#039;&#039; (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu {{wpde|Pfingsten}} – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: &#039;&#039;Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
* Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: &#039;&#039;Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. &#039;&#039;(Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Macht -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der {{wpde|Stoa|stoischen}} Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und {{wpde|Orakel}} innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den {{wpde|Dalai Lama}}, {{wpde|Johannes Paul II}}, {{wpde|Mutter Teresa}} von Kalkutta, {{wpde|Martin Luther King}}, {{wpde|Mahatma Gandhi}}, {{wpde|Peter Benenson}} als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie {{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130470</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130470"/>
		<updated>2022-09-22T15:46:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Jesus als Lamm */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am {{wpde|Jom Kippur|Versöhnungstag}} vollzog der Priester rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: &#039;&#039;An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.&#039;&#039; (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: &#039;&#039;Wir haben keinen König außer dem Kaiser.&#039;&#039; (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.&#039;&#039; (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu {{wpde|Pfingsten}} – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: &#039;&#039;Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
* Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: &#039;&#039;Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. &#039;&#039;(Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Macht -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der {{wpde|Stoa|stoischen}} Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und {{wpde|Orakel}} innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den {{wpde|Dalai Lama}}, {{wpde|Johannes Paul II}}, {{wpde|Mutter Teresa}} von Kalkutta, {{wpde|Martin Luther King}}, {{wpde|Mahatma Gandhi}}, {{wpde|Peter Benenson}} als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130469</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130469"/>
		<updated>2022-09-22T15:44:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am {{wpde|Jom Kippur|Versöhnungstag}} vollzog der Priester rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: &#039;&#039;An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.&#039;&#039; (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: &#039;&#039;Wir haben keinen König außer dem Kaiser.&#039;&#039; (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.&#039;&#039; (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu {{wpde|Pfingsten}} – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: &#039;&#039;Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
* Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: &#039;&#039;Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. &#039;&#039;(Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Macht -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der {{wpde|Stoa|stoischen}} Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und {{wpde|Orakel}} innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den {{wpde|Dalai Lama}}, {{wpde|Johannes Paul II}}, {{wpde|Mutter Teresa}} von Kalkutta, {{wpde|Martin Luther King}}, {{wpde|Mahatma Gandhi}}, {{wpde|George Benenson}} als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130468</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130468"/>
		<updated>2022-09-22T15:33:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Das Sündopfer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am {{wpde|Jom Kippur|Versöhnungstag}} vollzog der Priester rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: &#039;&#039;An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.&#039;&#039; (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: &#039;&#039;Wir haben keinen König außer dem Kaiser.&#039;&#039; (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.&#039;&#039; (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130467</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
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		<updated>2022-09-22T15:29:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Der stellvertretend Gestrafte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – &#039;&#039;Schreib, er habe gesagt, er sei König.&#039;&#039; – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten, wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten {{wpde|Jesaia}} ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130466</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130466"/>
		<updated>2022-09-22T15:26:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Der stellvertretend Gestrafte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{wpde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine [https://de.wikipedia.org/wiki/INRI#Reliquie|Schrifttafel] gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130465</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130465"/>
		<updated>2022-09-22T15:26:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Der stellvertretend Gestrafte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche {{epde|Santa Croce in Gerusalemme}} wird eine [[https://de.wikipedia.org/wiki/INRI#Reliquie|Schrifttafel]] gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: &#039;&#039;Jeschu Nazara Melekem&#039;&#039;; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130464</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
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		<updated>2022-09-22T15:19:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Deutekategorien: Strafe und Opfer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das {{wpde|Opfer}}&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der {{wpde|Religionsgeschichte}} so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130463</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130463"/>
		<updated>2022-09-22T15:17:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Fakten zur Kreuzigung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130462</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130462"/>
		<updated>2022-09-22T15:16:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Fakten zur Kreuzigung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den {{wpde|Synoptiker|Synoptikern}} (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &#039;&#039;staurousin auton&#039;&#039;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der &#039;&#039;stauros&#039;&#039; (Pfahl, Balken) zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (&#039;&#039;fragellosas&#039;&#039;) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus bietet eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aktualisierung|&lt;br /&gt;
* Was geht dir bei der Schilderung der Todesumstände Jesu durch den Kopf?&lt;br /&gt;
* Wo werden Menschen heute gefoltert und gedemütigt und mit welchen Methoden?&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
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		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130461</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
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		<updated>2022-09-22T15:11:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Fakten zum Prozess */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und {{wpde|Prophet|Propheten}} vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt {{wpde|Jerusalem}} Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130460</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130460"/>
		<updated>2022-09-22T15:09:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Fakten zum Prozess */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der {{wpde|Prokurator}} {{wpde|Pontius Pilatus}} wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130459</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130459"/>
		<updated>2022-09-22T15:07:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Die Fragen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der {{wpde|Kanzel}} der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers des Kapitels die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130458</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
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		<updated>2022-09-22T15:05:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Die Fragen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu {{wpde|Steinbergkirche}} in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Datei:Kreuz_Steinkirchen_Kanzel.jpg&amp;diff=130457</id>
		<title>Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg</title>
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		<updated>2022-09-22T15:03:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Information&lt;br /&gt;
|description = Das Kreuz befindet sich an der Kanzel der Kirche zu Steinbergkirche in Schleswig Holstein. Es ist im Stil barock (18. Jhd.) und trägt den Hinweis auf Römerbrief Kapitel 4. Die Darstellung ist ein Element einer Serie, die die wichtigsten Stationen des Lebens Jesu umfasst.&lt;br /&gt;
|source = Eigene Arbeit&lt;br /&gt;
|author = [[User:Antonius|Antonius]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lizenz==&lt;br /&gt;
{{Bild-CC-by-sa/4.0/de}}&lt;br /&gt;
[[Category:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130456</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130456"/>
		<updated>2022-09-22T15:00:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Die Fragen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der {{wpde|Evangelium|Evangelien}} und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser {{wpde|Messias}}, ist am {{wpde|Kreuz}} gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130455</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130455"/>
		<updated>2022-09-22T14:55:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weihnachtliche Deutung: Der Tod gehört zum Leben dazu.===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Das Wunder besteht darin, dass überhaupt Menschen geboren werden und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Das man in der Welt Vertrauen haben und für die Welt hoffen darf ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: &#039;&#039;Euch ist ein Kind geboren.&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt; Hannah Arendt, zitiert bei Klaas Huizing: Lebenslehre, Göttingen 2022, Seite 334&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz aber nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle Welt hinaustragen würden. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Region im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130454</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130454"/>
		<updated>2022-09-22T14:38:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die &#039;&#039;Denkanstöße&#039;&#039; durchliest und deine Gedanken mit dem Gelesenen vergleichst. &lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8] Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle welt hinausgetragen haben. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Reguion im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den der Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130453</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130453"/>
		<updated>2022-09-22T14:37:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;{{Box|Aufgabe|&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die Denkanstöße durchliest und deine Gedanken mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8] Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Anatoljewitsch Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle welt hinausgetragen haben. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Reguion im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den der Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130452</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130452"/>
		<updated>2022-09-22T14:36:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Aufgabe|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|Aufgabe&lt;br /&gt;
Trotzdem habe ich an diese Deutung zwei Anfragen. Bitte denke zuerst eigenständig über die Anfragen nach, bevor du die Denkanstöße durchliest und deine Gedanken mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten oder hat er auch den Gesunden etwas zu bieten?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Leben aus den Wunden wächst,&#039;&#039; soll nicht kleingeredet werden; aber ich denke, Christen möchten mit Christus und miteinander auch ihre Freude teilen; es gibt nicht nur Psalmen der Gottverlassenheit [Psalm 22], sondern auch Jubellieder, die voller Begeisterung an die Grenze der Albernheit gehen: &#039;&#039;In die Hände klatschen sollen die Ströme.&#039;&#039; [Psalm 98,8] Jesus hat, bevor er gestorben ist, gefeiert, gegessen und getrunken; er hat das Himmelreich mit einer fröhlichen Mahlzeit verglichen, mit dem Erwerb einer kostbaren Perle oder einem Schatzfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, patriotisch zu seinem Volk stehen und das Risiko der Misshandlung in Kauf nehmen wie &amp;lt;nowiki&amp;gt;{{wpde|Alexei Nawalny}}&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, das bedeutet ja nicht, sich das Leiden zu wünschen oder in ihm irgenetwas Gutes zu sehen. Gewalt ist und bleibt ein Übel, man setzt sich ihr nicht aus leichtfertigkeit aus, sondern wenn man an ein Ziel, einen Sinn des eigenen Handelns fest glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Anfrage|&lt;br /&gt;
Ist Jesus gescheitert?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denkanstoß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus gilt als der einflussreichste Mensch der Weltgeschichte. Seine Ideen über Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Vergebung, Nächsten- und Feindesliebe werden auch von Menschen gekannt und gegebenenfalls von den Christen eingefordert, die sich selbst gar nicht mehr als Christen lesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Jesu Lebensgeschichte lässt sich das Kreuz nicht herausschneiden. Als er nach Jerusalem wanderte, wusste er genau, welches Risiko er einging, und er hat es in Kauf genommen, weil er die Idee der Feindesliebe da vortragen musste, wo die Feindseligkeit zwischen Römern und Juden sowie verschiedenen jüdischen Strömungen am gefährlichsten war, wo außerdem Pilger aus aller Welt zusammenkamen, die Jesu Ideen kurze Zeit später in alle welt hinausgetragen haben. Man muss sich ja nur mal vorstellen, die starren Fronten hätten sich bewegen lassen: Wieviel Blutvergießen wäre der Reguion im auf Jesu Tod folgenden Jahrhundert erspart geblieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen, in, an und auf den Kirchen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten ganz selbstverständlich den Gott, den der Jesus Christus seinen „Vater“ nannte, unabhängig davon, ob sie sich zu ihm bekennen oder das ablehnen. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat - in guten wie in leidvollen Tagen. Aus dem Beispiel etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130451</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130451"/>
		<updated>2022-09-22T13:59:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}}; {{wpde|Von Menschen und Göttern}}&amp;lt;/ref&amp;gt; So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Befreit Jesus nur die Verwundeten?&lt;br /&gt;
|Anfrage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten von uns ganz selbstverständlich den Gott, den der Gekreuzigte seinen „Vater“ nannte. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat. Daraus etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130450</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130450"/>
		<updated>2022-09-22T13:54:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: Zitat&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation!&#039;&#039; (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: &#039;&#039;Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.&#039;&#039; (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: &#039;&#039;Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.&#039;&#039; (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: &#039;&#039;Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen.&#039;&#039; (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. &#039;&#039;Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt&#039;&#039;. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: &#039;&#039;Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst&#039;&#039;! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi, George Benenson als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist es möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüge der Deutung:   &lt;br /&gt;
Verwundungen sind oft die Ursache neuer Gewalt; dasselbe gilt verstärkt von der Angst vor Verwundungen. Aus der Sicht Schambecks wird dieser Zusammenhang durch die Auferstehung des am Kreuz gescheiterten Jesus aufgehoben. Und das hat Folgen bis in unsere Tage, denn viele christliche Märtyrer im römischen Reich haben ihren Glauben an die Auferstehung dadurch bezeugt, dass sie lieber gestorben sind als sich Befehlen zu unterwerfen, die mit ihrem christlichen Ethos nicht vereinbar waren. Bis in unsere Tage halten Menschen aus diesem Glauben der Angst vor Verwundung stand. &amp;lt;ref&amp;gt;Filmempfehlungen: {{wpde|Der neunte Tag}} So haben diejenigen, die Jesus zum Opfer machten, unwillentlich die Wende in der Geschichte der Gewalt eingeleitet, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten von uns ganz selbstverständlich den Gott, den der Gekreuzigte seinen „Vater“ nannte. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat. Daraus etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive=&amp;quot;0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
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		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130449</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
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		<updated>2022-09-22T13:27:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt. (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen. (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist das möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;ref&amp;gt;Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;lt;/ref&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten von uns ganz selbstverständlich den Gott, den der Gekreuzigte seinen „Vater“ nannte. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat. Daraus etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130448</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130448"/>
		<updated>2022-09-22T13:25:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Nutzen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt. (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen. (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage|&lt;br /&gt;
Ein entscheidender Punkt ist noch nicht geklärt:&lt;br /&gt;
* Wie ist das möglich, dass Ereignisse, die 2000 Jahre zurückliegen, mit meinem Leben noch irgendetwas zu tun haben?&lt;br /&gt;
* Wie kann es sein, dass die Hinrichtung eines Menschen in der Römerzeit, irgendetwas mit meiner Erlösung, Befreiung, Sündenvergebung zu tun hat?&lt;br /&gt;
|Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu möchte ich zwei Vorschläge machen, die an zwei große Feste der Kirche anknüpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Österliche Deutung: Neue Perspektiven in der Verwundbarkeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Zitat|&lt;br /&gt;
Der gescheiterte Jesus wird zur Einladung, den eigenen Wunden nicht zu entfliehen, sondern sich ihnen zu stellen, zugleich aber nicht verzweifeln zu müssen. Nicht die Resignation und das Zugrundgehen an den Wunden müssen das letzte Wort über das Leben haben. Weil Gott den gescheiterten nicht im Abgrund ließ, sondern ihm das Leben zusprach, dürfen auch wir hoffen, dass uns das Leben gilt, das aus den Wunden wächst.&lt;br /&gt;
[Miriam Schambeck &amp;lt;references /Miriam Schmbeck: Von Gott, Jesus, Religion und so, Freiburg 2022, Seite 230&amp;gt;]&lt;br /&gt;
|Zitat}}&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten von uns ganz selbstverständlich den Gott, den der Gekreuzigte seinen „Vater“ nannte. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat. Daraus etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130447</id>
		<title>Katholische Religionslehre/Kreuz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zumunterrichten.idea-sketch.com/index.php?title=Katholische_Religionslehre/Kreuz&amp;diff=130447"/>
		<updated>2022-09-22T13:10:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Antonius: /* Nutzen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite, ein Bestandteil der [[Katholische Religionslehre|Katholischen Religionslehre]], behandelt das Kreuz als theologisches Thema, das für den Oberstufenunterricht in Katholischer Religion geeignet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Argumentation folgt teilweise dem Buch: René Girard: Ich sah den Teufel vom Himmel fallen wie einen Blitz (1999), deutsch Wien 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fragen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreuz Steinkirchen Kanzel.jpg|right]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus von Nazaret ist der Held der Evangelien und die Erlöserfigur des Christentums. Seine Lebensgeschichten, die Evangelien, sind so zusammengestellt, dass sie von Anfang an auf den Kreuzestod Jesu hinauslaufen. [Matthäus 2,11.16-18; Lukas 2,34-35] Zwei zentrale christliche Glaubenstatsachen gehören also unmittelbar zusammen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus, unser Messias, ist am Kreuz gestorben“, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jesus hat uns erlöst“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Relief an der Kanzel der Kirche zu Steinkirchen in Schleswig Holstein (oben) weist auf die Legende hin, dass Christi Kreuz auf dem Grab des Adam errichtet wurde (Gebeine zu Füßen des Kreuzes). Als Hinweis auf die Deutung ist die Schriftstelle Römerbrief Kapitel 4 angegeben. Vom Kreuz Christi ist aber nur in einem Vers die Rede: &#039;&#039;Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben; wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.&#039;&#039; (Römer 4,25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Viel besser zum Relief passt die Gegenüberstellung von Adam und Christus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlage bitte in der Bibel nach: Römerbrief 5,12-21.&lt;br /&gt;
* Trage in eine Gegenüberstellung ein, was Paulus über Adam (den sündigen Menschen) und über Christus sagt.&lt;br /&gt;
* Stelle in einer Grafik dar, wie die zentralen Begriffe einander zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
|Recherche}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Faktum==&lt;br /&gt;
7. April 30: Jesus wird als Opfer eines Justizmordes durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zum Prozess===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verurteilung durch einen Römer ist gewiss, denn Juden hätten ihn nicht gekreuzigt, sondern gesteinigt. Das Verbrechen, das man ihm zur Last legte, Umsturz und Aufruhr, hat Jesus nicht begangen. Der Prokurator Pontius Pilatus wusste das, denn sonst hätte er nicht Jesus umgebracht und seine Leute laufen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pilatusstein.jpg|thumb|right|350px]]&lt;br /&gt;
Die Römer sind nicht auf eigene Initiative tätig geworden, sondern jüdische Behörden klagten Jesus bei ihnen an. Die Evangelien berichten, dass alle beteiligten Autoritäten (der Hohe Rat der Juden, der römische Prokurator Pilatus, König Herodes) zögern, das Todesurteil gegen Jesus zu verhängen. Unter Druck willigt Pilatus in die Kreuzigung ein. (Markus 15,11-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist historisch plausibel: Die Beteiligten haben Angst vor Intrigen, Übergriffen und spontanen Gewaltausbrüchen. Pilatus wird sechs Jahre nach der Kreuzigung Jesu sein Amt aufgrund von Denunziationen verlieren; und dreißig Jahre später werden Aufstände ausbrechen, die den Untergang der Reichsprovinz Iudaia heraufbeschwören. Das begründet die Nervosität der Verantwortlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, dem der Ruf eines Wunderheilers und Propheten vorauseilt, wollte kein politischer Führer sein. Doch trotzdem könnte alleine die Anwesenheit eines Propheten in der überfüllten Wallfahrtsstadt Jerusalem Unruhen auslösen; darum muss er verschwinden. Zugleich ist zu befürchten, dass sich der Hass der von Jesus begeisterten Menschen an dem abreagieren wird, der ihn tötet. Aus diesem Dilemma suchen die zuständigen Instanzen ihren Ausweg. Jesus wird nach den Berichten der Evangelien in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet (Markus 14,43-52), von den jüdischen Autoritäten verhört, schließlich bei Pilatus angeklagt und verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fakten zur Kreuzigung===&lt;br /&gt;
Bei den Synoptikern (z.B. Markus 15, 24.27) heißt es &amp;lt;span dir=&amp;quot;ltr&amp;quot; lang=&amp;quot;grc&amp;quot;&amp;gt;staurousin auton&amp;lt;/span&amp;gt;, wenn von Jesu Hinrichtung die Rede ist. Das Verb kann bedeuten: &#039;&#039;Sie schlugen einen Pfosten ein&#039;&#039;; aber da es mit einem personalen Objekt verbunden ist, muss es um eine Hinrichtungsmethode gehen, die mit einem in den Boden gerammten Pfahl verbunden ist. Dass es einen Querbalken gab, lässt sich indirekt daraus schließen, dass der stauros zur Hinrichtungsstätte geschleppt werden musste, im Markusevangelium die Aufgabe des Simon (Markus 15,21). Da die aufwändige Verankerung des senkrechten Holzes im Boden wohl nicht für jede Hinrichtung erneut durchgeführt wurde, sondern die Pfähle an den ausgesuchten Hinrichtungsstätten dauerhaft stehen blieben, muss das üblicherweise vom Delinquenten herbeigetragene Holz dazu dienen, die Arme zu fixieren und auf den im Boden stehenden Pfahl aufgesetzt zu werden. Die einzige Stelle, aus der hervorgeht, dass teure Nägel (hloi) zum Einsatz kamen anstelle von billigeren Stricken, ist die Geschichte von Thomas, dem Nachzügler im Johannesevangelium (20,25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung am Holz war als besonders schmerzhafte und demütigende Hinrichtungsart von Persern erfunden worden. Der Todeskampf des Hingerichteten konnte sich tagelang hinziehen, und währenddessen war er nackt den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt und konnte sich gegen Umwelteinflüsse (Sonne, Insekten, ..) und Übergriffe nicht wehren, bevor er letztlich erstickte. Wenn Jesus zu schwach war, um den Kreuzbalken zu tragen, dann könnte das damit erklärt werden, dass er gegeißelt worden war (fragellosas) und viel Blut verloren hatte (Markus 15,15). Die Zeitangaben des Markus ergeben, dass Jesus nur drei Stunden am Kreuz hing (Markus 15,25.33), bevor der Tod eintrat, was zu der eben geschilderten Vorgeschichte passt. Die Darstellung des Markus ergibt eine plausible Vorstellung, wie römische Soldaten mit einem Gefangenen umgingen, den sie nicht als ebenbürtigen Mitmenschen ansahen, sondern als Angehörigen eines unterworfenen und rebellischen Volkes mit einer Kultur, der sie sich überlegen fühlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutekategorien: Strafe und Opfer==&lt;br /&gt;
Das Böse zerstört; es tut dem Leben Gewalt an. Wenn das Böse sich als Gewalttat eines einzelnen Schuldigen zeigt, fällt es auf, ist es nicht zu übersehen. Die Schuld ist aber auch Symptom eines Prozesses, der langfristig auf die Störung und Zerstörung des Lebens gerichtet ist, weil wir uns gegenseitig nachahmen. Wir teilen aggressive Emotionen, nehmen teil an der Steigerung des Hasses, der Verachtung, und wir sind beteiligt an Handlungen, die das Leben entwürdigen, für wertlos erklären und dann auch physisch vernichten, wir sind Teil der Eskalation, die uns über den Kopf wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Menschen würden die zerstörerischen Prozesse gerne stoppen, die stärker geworden sind als wir selbst. Dazu fallen uns zunächst mal zwei Möglichkeiten ein: Strafen und Opfern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Strafe&#039;&#039;&#039; versucht den zu vernichten oder wenigstens aus der Gemeinschaft auszuschließen, der Gewalttaten begangen hat und dem man eine Ursächlichkeit für Prozesse der Vernichtung zurechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Opfer&#039;&#039;&#039; besteht in der Vernichtung hochwertiger Wirtschaftsgüter zu Ehren der Transzendenz. Es bringt unmittelbar Macht, Reichtum, Verfügungsgewalt zum Ausdruck und stabilisiert einen status quo. Darum sind Opfer in der Religionsgeschichte so prominent. Offenbar beseitigen sie nicht die sichtbaren Gewaltursachen, die Schuldigen. Es geht viel mehr um Manipulation von Ursachen irdischer Vernichtungsprozesse, denen sich die Menschen unterlegen fühlen und die sie deshalb als übernatürlich erleben: Man möchte die beteiligten Götter und Geister umstimmen. Ein Tier und vor allem einen Menschen zu opfern bedeutet nicht an dessen Schuld zu glauben, im Gegenteil, es werden oft Opfergaben ausgesucht, die in besonderer Weise Unschuld symbolisieren – ein fehlerfreies Lamm (Exodus 12,5) -, aber es ist in Ordnung vor den Göttern, es muss sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frühe Deutungsmuster==&lt;br /&gt;
===Der stellvertretend Gestrafte===&lt;br /&gt;
Wofür ist Jesus bestraft worden? – Als er starb, stand, so sagt es die Bibel, über seinem Kopf eine Inschrift in aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – abgekürzt „INRI“ –, so wird die Inschrift auf unseren Kreuzesdarstellungen wiedergegeben. Zu deutsch: &#039;&#039;Jesus, Nazarener, König der Juden&#039;&#039; In der Kirche Santa Croce di Jerusaleme wird eine Schrifttafel gezeigt mit einer aramäischen Aufschrift bestehend aus den Buchstaben &amp;quot;J SCH U N Z R M M&amp;quot;. Das liest sich so: Jeschu Nazara Melekem; übersetzt:&#039;&#039; Jesus Nazarener euer König.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Evangelien weigert sich Pilatus, die Inschrift dahingehend zu verändern, dass Jesus Anmaßung vorgeworfen wird – Schreib, er habe gesagt, er sei König. – (Johannes 19,21-22). Pilatus lässt Jesus als Repräsentanten eines Volkes kreuzigen, das in seinen Augen für Auflehnung und Widerstand steht. In dem, was die Evangelien aus den Prozessen vor dem Hohen Rat und vor dem Statthalter berichten, kommt mit keinem Wort zur Sprache, was man Jesus als Übergriff am ehesten hätte vorwerfen können: Sein provozierender Einzug in Jerusalem, seine Angriffe auf die religiösen Autoritäten oder die Tempelreinigung. Alle Verhandlungen kreisen darum, ob Jesus „König“, „Messias“ oder gar „Sohn Gottes“ zu sein beansprucht habe. Es ist also in keiner Weise die Gewaltbereitschaft Jesu, die ihn ans Kreuz bringt, sondern ausschließlich die Gewaltbereitschaft derer, die einen solchen gewaltverneinenden König nicht akzeptieren können. Die verstörende vollständige Weigerung Jesu sich zu verteidigen, auf Gewalt mit Gegenwehr zu antworten wird im Rückgriff auf ein Wort des Propheten Jesaia ausgedrückt: &#039;&#039;Wie ein Lamm verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.&#039;&#039; (Apostelgeschichte 8,32; vgl. Jesaia 53,7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Sündopfer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Amos und Hosea die Religion der Könige Israels hart angegriffen hatten und die Geschichte Israels, Exil und Rückkehr, der alternativen Religion der Propheten zum Durchbruch verholfen hatte, blieb im Frühjudentum bis zur Zerstörung des Tempels das Tieropfer doch in Gebrauch, auch in der Gestalt des Sündopfers, das der Entschuldung dient: Aaron darf nur so in das Heiligtum kommen: mit einem Jungstier und einem Widder für ein Sündopfer und Brandopfer. (Levitikus 16,3) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versöhnungstag vollzog rituell die Übertragung aller Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend zu Azazel, also in die Wüste geschickt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politisch Verantwortlichen hätten gerne Jesus dem Volk als Sündopfer präsentiert. Dann wäre es irgendwie in Ordnung gewesen ihn hinzurichten. Der Hohe Priester Kaiaphas sagt, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. (Johannes 11,50). Jesus ist nicht wirklich die Ursache des Aufruhrs. Aber er ist anders als die anderen, von ihm geht eine Macht aus, die – auch wenn sie heilend in Erscheinung tritt - Ruhe und Ordnung stört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jesus stirbt, scheint der Sündopfermechanismus tatsächlich zu funktionieren: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. (Lukas 23,12). Die Hohenpriester antworten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. (Johannes 19,15) Noch am Abend wird die Hinrichtungsstätte aufgeräumt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. (Joh 19, 31) Rechtzeitig zum Fest bricht die große Einigkeit aus. Sogar Jesus bekommt ein vornehmes Grab; darüber versöhnen sich die, die einander zuvor spinnefeind gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte menschlicher Gewalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Pfingsten – 50 Tage nach der Folter und Hinrichtung Jesu - zerbricht eine kleine Schar von Jesusgetreuen den faulen Frieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. (Apostelgeschichte 2,22-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht alles in einem anderen Licht: Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort des Petrus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! (Apg 2, 37.40)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange im Umgang mit der Gewalt nur zwei Varianten der Gegengewalt ins Auge gefasst werden, Strafe und Opfer, muss man Folgendes in Kauf nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Zerstörung des Lebens um der Zerstörung willen (böse Gewalt) und Zerstörung des Lebens mit der Absicht der Zerstörung des Zerstörungsprozesses (gute Gewalt: Opfer oder Strafe) sehen einander zum Verwechseln ähnlich, und das gilt auch von allen begleitenden Emotionen und Kommunikationen. Gewalttäter können sich immer damit rechtfertigen nur Gegengewalt auszuüben, so stellen sie sich als Wohltäter dar, und sie finden damit gewöhnlich Anklang bei Gleichgesinnten.&lt;br /&gt;
*Wenn im realen Leben gute und böse Gewalt so schwer zu unterscheiden sind, gibt es eine hohe psychologische Prämie darauf sich überhaupt rauszuhalten aus allem, sich fernzuhalten von Gewalt und Gegengewalt, allenfalls aus der Ferne zuzusehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Beliebtheit dieses Motives hat Hans Blumenberg eine metaphorologische Studie gewidmet: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt 1986, wieder aufgelegt Frankfurt 2005&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Es gibt keinerlei Impuls eigene Schuld einzugestehen. Denn das würde ja nur zur Folge haben, die Vernichtung des eigenen Lebens zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Strategien der Gegengewalt richten sich also vor allem gegen eine Ressource, der mehr als den anderen die Überwindung der zerstörerischen Prozesse wirklich zugetraut werden kann: Die klare Einsicht in den eigenen Anteil an Schuld und die geduldige Überwindung der Emotionen und Kommunikationen, die alle Menschen an Prozessen der Lebenszerstörung teilnehmen lassen. Und den Durchbruch zu dieser Ressource eröffnet uns Jesus bereits vor seinem grausamen Tod auf drei Weisen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus wusste, was im Menschen ist. (Johannes 2,25)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat die Mechanismen der Verschleierung und Verdrängung insbesondere in seinen Gleichnissen exakt angesprochen: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. (Mt 7,4-5) Natürlich durchkreuzt der Vergleich die Rationalität des Verhaltens, Schuld bei den anderen zu suchen; denn der belustigte Zuhörer Jesu fragt unweigerlich, ob ein Balken im Auge nicht stört und man ihn deshalb so schnell wie möglich los werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Arzt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesu irdisches Wirken lässt sich mehr als durch irgendeine andere Metapher als das eines Arztes verstehen nach dem programmatischen Wort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Es sind zwei Stellen aus dem Alten Testament, auf die Jesus zurückgreifen kann: Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt. (Exodus 15,26) und für den Zusammenhang zwischen Schuld und Therapie: Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, muss die Hilfe des Arztes in Anspruch nehmen. (Sirach 38,15) Jesu therapeutische Leistung richtet sich also nicht nur und nicht zentral gegen körperliche Gebrechen, sondern gegen die Schuld. Jesu Selbstbeschreibung als Arzt steht in direktem Zusammenhang mit seinem Tod. Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen, verhöhnen ihn die Schriftgelehrten, als er am Kreuz hängt. (Mk 15,31) Und damit bestätigen sie Jesu eigene Voraussage: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! (Lk 4,23) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Jesus braucht keine Heilung, weil er gesund ist. Weder seine Menschenliebe, noch sein Gottesverhältnis nehmen durch die ihm angetane Brutalität Schaden, er betet für seine Peiniger und behält sein Gottvertrauen in letzter Verlassenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jesus als Lamm===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir unsere Schuld zu verschweigen pflegen, weil wir die Strafe fürchten, verschweigt Jesus seine Unschuld. Er verzichtet darauf für sich zu sprechen und sich zu rechtfertigen, weil er daran glaubt, dass ihm selbst die Todesstrafe nichts anhaben kann: &#039;&#039;Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.&#039;&#039; (Mt 10,28)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Symbol des Lammes enthält beide Aspekte dieses revolutionären Verhaltens: Als Symbol der Unschuld bringt es zum Ausdruck, dass auch noch der geringste Verdacht der Gegengewalt bei Jesus wegfällt; als klassisches Opfertier deutet es an, wie sich das grausame Geschehen mit unfehlbarer Gewissheit gerade an dem austobt, der die ihm zur Verfügung stehende Gewalt -  &#039;&#039;mehr als zwölf Legionen Engel&#039;&#039; (Mt 26,53) – nicht in Anspruch nimmt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugang zur Therapie hat nur, wer sich einer wahrhaftigen Diagnose öffnet, nur wer seine Schuld geduldig erforscht und sich auch um Hilfe bemüht, hat eine Chance geheilt zu werden. Dass das ganze Thema unangenehm ist, dass der Bußfertige ausgenutzt und zum Opfer gemacht werden kann, bleibt wahr und bleibt schlimm, und alle Furcht ist menschlich und verständlich. Aber wahr ist auch, es gibt Schlimmeres: Keine Diagnose, keine Therapie, keine Rettung, und das Leben zerrinnt zwischen den Fingern, es gibt keinen inneren und äußeren Frieden und man weiß nicht einmal warum, weil man es nicht wissen will und nicht zulassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, das Lamm, ist ein neuer Typ Held; der stoischen Raushaltekultur, die bei den Römern damals schick war, setzt Jesus eine Kultur des Freundschaftsdienstes, des liebenden Engagements entgegen, die rückhaltlosen, aber gewaltfreien Einsatz bedeutet: &#039;&#039;Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.&#039;&#039; (Joh 15,12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Kultur der Liebe hat schon in der Antike zahllose Menschen begeistert, sodass die polytheistischen Opferkulte und Orakel innerhalb weniger Jahrhunderte als leer und bedeutungslos empfunden und aufgegeben wurden. Und heute, da die Kirche an Macht und Einfluss verliert, weil man ihr das Zurückbleiben hinter der Vorbildlichkeit Jesu vorhält, gerade heute gewinnt das Vorbild Jesu an Einfluss. Das kann insbesondere daran abgelesen werden, dass die Perspektive der Opfer relevanter geworden ist als jemals zuvor in der Geschichte. Zahllose Hilfsorganisationen kümmern sich um Menschen in Not, und die Medien interessieren sich für Schicksale gerade auch derer, die am unteren Ende der sozialen Leiter stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Suche ein Nachrichtenportal auf, schlage in einer Zeitung nach und verschaffe Dir aktuelle Nachrichten und Kommentierungen dazu.&lt;br /&gt;
* Wie hoch ist der Anteil der Nachrichten, in denen geschldert wird, dass Menschen Opfer von Gewalt und Diskriminierung geworden sind?&lt;br /&gt;
* Welche Tendenz haben die Kommentare zu solchen Nachrichten?&lt;br /&gt;
* Kommt es vor, dass Handlungen gerechtfertigt werden, durch die Unschuldige zu Opfern gemacht werden?&lt;br /&gt;
Formuliere deine eigene Ansicht zu Gewalt und ihrer öffentlichen Darstellung.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das im Reality-TV auch merkwürdige Auswüchse zeitigt, und dass die mediale Selbstdarstellung und Selbststilisierung als Opfer nicht in allen Fällen wahrhaftig und gerecht ist, muss dabei gar nicht bestritten werden. Trotzdem gilt: &#039;&#039;Die einzige Krone, die heute noch zählt, ist die Krone der Martyrer.&#039;&#039; (Klaus Berger) Demonstrationen von Macht und Reichtum, Gewalt und Grausamkeit nehmen uns nicht mehr für, sondern gegen die Mächtigen ein; wer sich gewaltfrei, aber mit dem Einsatz seines ganzen Lebens für seine Sache einsetzt – Ich nenne den Dalai Lama, Johannes Paul II, Mutter Teresa von Kalkutta, Martin Luther King, Mahatma Gandhi als herausragende Zeitgenossen. – kann darauf rechnen, von uns ernst genommen zu werden, gerade dann, wenn er oder sie einen offenen Umgang mit dem eigenen Versagen kultiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Rolle Gottes==&lt;br /&gt;
Bislang ist das Wort „Gott“ vermieden worden. Denn wenn dieses Wort fällt, dann ist durchaus noch nicht ausgemacht, wer oder was damit gemeint ist. Der antike Mythos sah seine Funktion vor allem darin, zu bestätigen, zu rechtfertigen, was ohnedies geschieht. Die Bibel als Dokument einer Protestreligion verweigert sich der Rechtfertigung des Faktischen; sogar Moses und David, die im Rückblick als ideale Führer dargestellt werden, hält man ihre Verfehlungen fast kleinkariert vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch Ijob beschäftigt sich mit dem Leiden des Gerechten. Das Buch gehört zur Gruppe der Weisheitsbücher, denn das dargestellte Problem wird vor allem in Form von Dialogen, in klugen Erörterungen zwischen Ijob und seinen Freunden dargestellt. Auch Gott selbst tritt als Gesprächspartner auf. Aber das Buch bleibt an einer bestimmten Grenze hängen: Ijob wird zwar dem Leiden preisgegeben, aber er muss nicht sterben, sondern wird am Ende des Buches wieder in seine irdischen Güter eingesetzt. Die wirklichen Toten der Geschichte, Ijobs Söhne und Töchter (Ijob 1,19), werden einfach durch andere Söhne und Töchter ersetzt. (Ijob 42,13) Hier konnte die Deutung Christi nicht ansetzen. Im Bild des Lammes, das vor seinem Scherer verstummt, (Jes 53,7; Apg 8, 32) wird eindrucksvoll der Kontrast zwischen Jesus und der Beredsamkeit des Ijobbuches symbolisiert: Als Antwort auf das Schweigen des Gekreuzigten reichen kluge Lehren nicht mehr aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beantworten bleibt die Wahrheitsfrage, ob der Gott, der Jesus, den unschuldig Hingerichteten, aus den Toten auferweckt hat (Colosser 2,12), wirklich existiert. Die Frage kann umgekehrt und so gestellt werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{gelb|Wäre es nicht des Allgewaltigen Amt, seines geliebten Knechtes ungerechte Bestrafung und blasphemische Opferung zu verhindern?}}&lt;br /&gt;
Die Antwort kann man auf die Weise suchen, dass man sich fragt, wie Gott das hätte machen sollen; die Bibel spricht mindestens zwei Möglichkeiten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. (Lukas 23,8) Man könnte sich leicht ein Zeichen vorstellen, das Herodes beeindruckt, den Messias aber nicht oder nur wenig kompromittiert hätte, wie damals in Nazaret, als ihm schon einmal die Hinrichtung drohte: Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lukas 4,16) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibel erzählt von der Errettung am Schilfmeer bis hin zu den Wundern Jesu viele Geschichten von Machttaten Gottes. Aber wenn man weiter liest, dann entdeckt man, dass die Geschichten nicht gut ausgehen: Der Errettung am Schilfmeer folgt der Tanz um das goldene Kalb (Exodus 32), der Gottesprobe des Elia auf dem Karmel (1 Könige 18) folgt die Flucht des Propheten in Wüste und Todessehnsucht (1 Kg 19). Der wunderbaren Brotvermehrung folgt der Weggang der Mehrheit der Jünger Jesu (Johannes 6). Das lässt nur einen Schluss zu: Das Wirken Gottes lässt sich nicht durch Machttaten nach dem Muster menschlicher Groß- und Gewalttaten erweisen. Denn solche Taten machen den Menschen zum Objekt der Überwältigung. Die Bibel scheint dergleichen zu erzählen, um zu zeigen, dass es nicht funktioniert. Ganz bei sich selbst ist die Bibel in den Geschichten, die Gott auf der Seite der Opfer zeigen, der den Erniedrigten eine Stimme gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! (Mt 16,21-22) Petrus meint es gut mit Jesus, und er meint es gut mit sich selbst; denn die Jünger und die Kranken und Verlorenen brauchen Jesus, er könnte gut noch ein paar Jahre weiter therapeutisch tätig sein und die Jüngerschar führen. Warum muss er nach Jerusalem? Aber was hätte es bedeutet, wenn Jesus dem Ansinnen seines Apostels gefolgt wäre? Dass er sich in seiner irdischen Anwesenheit für unersetzlich erklärt hätte und den Jüngern nicht zutraute, alleine zu Recht zu kommen. Aber der von Jesus ausgehende Anstoß zu freiem Freundschaftsdienst auf der Basis der Wahrhaftigkeit, zu Offenheit für Schuld überwindende Therapie, zur Verneinung der Rechtfertigung von Opfern, muss von seinen Jüngern, also heute von uns weitergespielt werden; wir dürfen uns nicht an die Rockschöße der Allmacht klammern. Nachfolge Jesu geschah auch und geschieht – vielleicht mehr denn je. Das setzt allerdings voraus, dass Jesus nicht vergessen wird, und dazu bleibt die Kirche notwendig. Und dass man es ihren Mitgliedern nicht mehr durchgehen lässt, sich auf Jesus zu berufen, es aber mit der Liebe im Ernstfall nicht allzu genau zu nehmen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:getsemane.jpg|thumb|right|350px| ]]&lt;br /&gt;
Angesichts der letzten Stunden im Leben Jesu geraten unsere Begriffe von Wahrheit, Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit, Gott in eine Bewegung, die uns bis ans Ende unserer Tage – als einzelne und als Menschheit – nicht mehr loslassen wird. Eine Szene der Evangelien gibt hier vielleicht den stärksten Anstoß: &#039;&#039;Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorüber gehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er ging zurück und fand sie schlafend.&#039;&#039; (Markus 14,33-36) Indem betont wird, dass die Szene sich vor schlafenden Zeugen abspielt, ist sie der historischen Verifizierbarkeit von vorneherein entzogen; es geht um eine Wahrheit, die nicht das sinnlich Erfahrbare betrifft: Das Unvermeidliche ist nicht zu akzeptieren. Jesus erklärt sich nicht einverstanden. Und das aus guten Gründen, denkt man alleine an die Rachephantasien, die der Tod des Erlösers in der Geschichte noch hervorrufen sollte. Er weist die Verantwortlichkeit dem Vater zu und dadurch von den Menschen weg: Sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34) Denn nur der Vater kann wissen und wollen und verwirklichen, dass das Kreuz, der furchtbare Tod, zum Sieg des Lebens wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Aufgabe|&lt;br /&gt;
Schau dir das Bild von Fra Angeliko an&lt;br /&gt;
* Wer ist dem betenden Jesus räumlich am nächsten?&lt;br /&gt;
* Wer befindet sich im Vordergrund des Bildes?&lt;br /&gt;
* Womit beschäftigen sich die verschiedenen Personen?&lt;br /&gt;
Versuche eine Interpretation des Bildes aufgrund deiner Beobachtungen.&lt;br /&gt;
|Aufgabe}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nutzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Box|Frage||Frage}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute nimmt das Kreuz in vielen Wohnungen und an vielen Wegen einen zentralen Platz ein. Wenn wir „Gott“ sagen, meinen die meisten von uns ganz selbstverständlich den Gott, den der Gekreuzigte seinen „Vater“ nannte. Ein Beweis für die Wahrheit, der alle überzeugt, ist das nicht; aber was bedeutete eigentlich „Wahrheit“, wenn der Ursprung aller Wahrheit eine Lüge wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel ist uns gegeben, gegen die Spirale der Zerstörung aufzustehen, selbst da, wo wir ohnmächtig sind, durch das Gebet für den Frieden einzutreten, uns an der Gerechtigkeit und Freiheit zu orientieren, die Jesus uns vorgelebt hat. Daraus etwas zu machen liegt an uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katholische Religionslehre]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Antonius</name></author>
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